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150 Jahre Commerzbank : Bescheidene Geburtstagsfeier

Der Frankfurter Commerzbank-Tower prägt das Stadtbild seit rund zwei Jahrzehnten. Bild: Lukas Kreibig

Die Commerzbank hat in ihrer Geschichte viele Höhen und Tiefen erlebt. 150 Jahre nach ihrer Gründung scheint ihre Zukunft ungewisser denn je. Auch die Feier fällt kleiner aus.

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          Wenn die Geburtstagsgeschenke kleiner ausfallen, dann sind die Zeiten schlechter geworden. Vor 25 Jahren feierte die Commerzbank den 125. Jahrestag ihrer Gründung mit einer großen Party und suchte sich dafür keinen geringeren Ort als das Frankfurter Waldstadion aus. 21.000 Mitarbeiter waren damals zu einem „Festival der Sinne“ eingeladen, mit Volkstanz, Musik, Pantomime, Lasershow und einem Moderator namens Günther Jauch. Zudem erhielt jeder Mitarbeiter einen Bonus in Höhe von 1200 Euro. Bei einer Festveranstaltung in der Alten Oper sprach Bundeskanzler Helmut Kohl.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieses Jahr wird es keine große Party geben, auch wenn sich das Stadion, dessen Namensgeber nun die Commerzbank ist, für die 150-Jahr-Feier des Frankfurter Konzerns geradezu angeboten hätte. Es seien kleinere regionale Feiern geplant, hieß es. Statt Musik, Show und Sonderzahlung winkt den Mitarbeitern dieses Mal nur ein zusätzlicher Urlaubstag.

          Die Zeiten haben sich geändert. Vor einem Vierteljahrhundert stand die Bank kurz davor, die Marke von 30.000 Mitarbeitern erstmals zu übertreffen, und hatte seit der deutschen Einheit mehr als 100 Filialen eröffnet; Vorstandschef Kohlhaussen war bemüht, das Unternehmen auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten. Einzig stellte diese Zeitung damals die Frage, ob der Konzern langfristig groß genug sei im Wettbewerb globaler Finanzhäuser.

          Erst seit 1897 in Frankfurt

          Mit dieser Frage muss sich heute Kohlhaussens Nachfolger Martin Zielke beschäftigen. Die Commerzbank ist, trotz eines Gewinns im Geschäftsjahr 2019, derzeit eingeklemmt in einem Wandel der Branche, die sich mit Niedrigzinsen und der digitalen Transformation herumschlagen muss. Immer wieder wird die Bank als Übernahmekandidat gehandelt, zuletzt 2019, als es Gespräche für eine Fusion mit der Deutschen Bank gab, die aber abgebrochen wurden. Noch ist unklar, ob die Strategie, wonach 4300 Mitarbeiter entlassen und jede fünfte Filiale geschlossen wird, greift.

          Dass der Bank eine solch wechselhafte Geschichte bevorstehen würde, hatten sich die Kaufleute und Bankiers wohl nicht gedacht, die am 26. Februar 1870 in Hamburg beschlossen, eine Universalbank in Form einer Aktiengesellschaft zu gründen. Hauptziel der „Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg“ war, dem Handel der Hansestadt Geld zur Verfügung zu stellen und so die Geschäfte zu erleichtern. Erst 1897 setzte das Unternehmen mit der Übernahme des Bankhauses Dreyfus&Co. seinen Fuß auch in die Stadt am Main. Zu diesem Zeitpunkt war aus dem regionalen Unternehmen längst eine überregionale Geschäftsbank mit internationalen Beziehungen geworden, die 1905 ihren geschäftlichen Schwerpunkt nach Berlin verlagerte. 1929 fusionierte sie mit der in Frankfurt ansässigen Mitteldeutschen Creditbank, einer Gründung Frankfurter Bankiers.

          Ihren heutigen Namen nahm die Commerzbank 1940 an, nachdem infolge Dutzender Übernahmen von Regional- und Privathäusern in den zwanziger- und dreißiger Jahren eine Großbank erwachsen war, die sich fortan lange auf dem Logo mit einem großen C zu erkennen gab, das mit den Flügeln des Hermes verziert war. Dieses Erkennungszeichen wurde in den siebziger Jahren durch die stilisierte Windrose und später durch das gelbe Band abgelöst.

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