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Appell des Arbeitgeberverbands : Noch 15 Prozent der Lehrstellen in Chemiebranche frei

Nachwuchs: Auszubildende nebst Ausbildungsleiter in einem chemischen Betrieb Bild: BASF

Trotz der nachteiligen Folgen der Corona-Pandemie lässt die chemische Industrie mit der Ausbildung nicht nach. Gleichwohl richtet der Arbeitgeberverband vorsorglich einen Appell an seine Mitgliedsfirmen.

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          Wer zum September einen Ausbildungsplatz im umsatz- und ertragsstärksten Industriezweig in Hessen sucht, könnte rasch fündig werden. In der chemischen Industrie sind rund 15 Prozent der Lehrstellen unbesetzt. Dies teilte der Arbeitgeberverband Hessenchemie der F.A.Z. mit. Auch duale Studienplätze seien noch frei. In der Corona-Krise zählen die klassische Chemieindustrie und vor allem die Arzneimittelhersteller zu den vergleichsweise stabilen Branchen. Nach Angaben des Statistischen Landesamts vom Juni lag der Auftragseingang in beiden Branchen zuletzt sogar höher als vor einem Jahr. Die Pharmafirmen meldeten sogar im Mittel deutliche Umsatzzuwächse, anders als etwa der Maschinenbau oder die Autoindustrie nebst Zulieferbetrieben. Aber auch manche Chemiefabrik läuft auf Hochtouren, so Kreussler in Wiesbaden.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die chemische Industrie hat dennoch mit Blick auf die gewünschten Lehrlinge zu kämpfen und das trotz attraktiver Vergütungen: „Es ist viel schwieriger, mit Schülerinnen und Schülern zusammen zu kommen“, sagt Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer von Hessenchemie. Der wesentliche Grund ist das zwischenzeitlich gelockerte Kontaktverbot: Das direkte Kennenlernen über Praktika, Betriebserkundungen, Ausbildungsmessen und Tage der offenen Tür finde derzeit aufgrund der Corona-Einschränkungen so gut wie nicht mehr statt. So ist auch die Teilnahme am Tag der offenen Tür des Frankfurter Ausbildungsdienstleisters Provadis am 5. September nur nach vorheriger Online-Anmeldung möglich.

          Zwischen 1500 und 1600 Lehrstellen

          Das Lehrstellenangebot dürfte nach Angaben des Hauptgeschäftsführer weitgehend stabil bleiben. Meyer bezieht sich auf eine Blitzumfrage unter 37 der 310 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt 105.000 Beschäftigten. Ein knappes Viertel der befragten Firmen will demnach ihr Ausbildungsangebot in diesem Jahr 2020 trotz der Krise erhöhen, 67 Prozent wollen es stabil halten und lediglich ein Zehntel geht von niedrigeren Zahlen aus. „Ich rechne im Saldo mit einem Angebot zwischen 1.500 und 1.600 Ausbildungsplätzen“, so Meyer.

          Um mit Kandidaten in Kontakt zu kommen, bieten Firmen laut Hessenchemie vermehrt Berufsorientierungs-Chats an. „Natürlich verstärken viele auch ihr Bewerbermarketing im Internet und insbesondere in den Social-Media-Kanälen.“ Digitale Lösungen seien auch für Bewerbungsgespräche gefragt. Meyer wendet sich gegen das umlaufende Gerücht, Bewerbungen hätten in der Krise wenig Sinn, weil die Wirtschaft am Boden läge. „Diese Einschätzung können wir für unsere Branche auf keinen Fall teilen: Bewerben lohnt sich“, hebt Meyer hervor.

          Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands appelliert mit Blick auf das 2021 beginnende Lehrjahr an die Mitgliedsfirmen, weiter fleißig auszubilden. Und er blickt schon über das Ende der jeweiligen Lehrzeit hinaus: „Darüber hinaus ist es sinnvoll, dem Nachwuchs, wenn immer möglich, auch nach der erfolgreichen Ausbildung eine Perspektive zu geben.“

          Interessierte Schulabgänger können sich im Internet ausführlich vorab informieren. Die Plattform www.elementare-vielfalt.de bietet Informationen über die 50 Ausbildungsberufe in der chemischen Industrie.

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