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Für die Wirtschaft nach Corona : Den Aufschwung vorbereiten

Gähnende Leere: Der Frankfurter Flughafen hat mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Bild: Lando Hass

Vieles läuft in der hessischen Wirtschaft, vieles aber auch nicht. Die Politik wird gut damit fahren, den Unternehmen möglichst viele Freiheiten zu lassen und in die Infrastruktur zu investieren. Der kluge Politiker denkt jetzt weit voraus.

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          Nach wie vor sind die Nachrichten aus der hessischen Wirtschaft nicht auf einen Nenner zu bringen. Ausgesprochen unerfreulich sind jene vom Frankfurter Flughafen, der nach einem klitzekleinen Hoch im August nun schon wieder mit einem Rückgang der Fluggastzahlen klarkommen muss. Bedenklich ist auch der absehbare Stellenabbau bei Continental, einem der großen industriellen Arbeitgeber der Region. Andererseits legten Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) und Frank Martin, der oberste Vertreter der Bundesagentur für Arbeit in Hessen, in der vergangenen Woche Statistiken vor, wonach dank der großzügigen Gewährung von Kurzarbeit die Arbeitslosenquote in diesem Bundesland gerade einmal von 4,5 auf sechs Prozent gestiegen ist und die Zahl der Lehrstellen nur um acht Prozent zurückging.

          Vieles läuft also, vieles aber auch nicht. Welche Folgerungen sind daraus für eine gute Wirtschaftspolitik im Land wie auch in den Kommunen zu ziehen? Die Zeit der Nothilfen neigt sich dem Ende zu. Sie waren vertretbar, weil diese Krise ihren Ursprung nicht in Verwerfungen der Unternehmenslandschaft hatte, sondern von außen auf die Volkswirtschaft einwirkte. Es wird jetzt darauf ankommen, den Aufschwung vorzubereiten, wenn auch im Moment niemand zu sagen weiß, wann er einsetzen wird.

          Freiheit für die Unternehmen

          In dieser sensiblen Phase ist es noch wichtiger als sonst, den leidenden Unternehmen möglichst viele Freiheiten zu lassen, damit sie gesunden können. Steuererhöhungen wären Gift für die Betriebe, überhöhte Lohnforderungen nicht weniger. Beim allgemein erwünschten Umbau hin zu einer ökologischeren Produktionsweise, bei dem gemeinhin unterschätzt wird, wie weit viele Unternehmen schon sind, wird es auf großes Feingefühl ankommen, welche Belastungen dafür erträglich sind.

          Auch weiterhin wird die Politik gut damit fahren, den Unternehmen einen Rahmen zu setzen, sie sonst aber allein wirtschaften zu lassen. Zudem sollten Bund, Land und Kommunen nicht darin nachlassen, die Infrastruktur zu verbessern, damit die Betriebe im Aufschwung nicht ausgebremst werden.

          Leider hat sich gezeigt, dass bis auf neue Fahrradwege alle Neuerungen lange dauern, auch die allseits erwünschte Modernisierung der Eisenbahn. Ein großer Schritt wäre es schon, gelänge es noch in diesem Jahr, eine Trasse für die geplante Schnellfahrstrecke der Bahn zwischen Frankfurt und Mannheim zu finden. Beim Ausbau der Rechenzentren in Frankfurt wiederum, auch sie sind Teil der Infrastruktur dieses Ballungsraums, wird es darauf ankommen, dass er nicht durch neue Regulierungen aus dem Planungsdezernat behindert wird. Auf der Tagesordnung der Wirtschaftspolitiker steht also auch in dieser Zeit der Pandemie genug, und nicht alles ist akute Krisenbewältigung. Gute Politiker denken jetzt weit voraus.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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