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Kehrtwende nicht in Sicht : Die verunsicherte Industrie

Hessens Industrie musste zum vierten Mal in Folge Ihre Bewertung der aktuellen Geschäftslage nach unten korrigieren. Bild: Norma Group Maintal

Erstmals seit Dezember sind die Umsätze der hessischen Industrie im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken. Und eine Kehrtwende ist vorerst nicht in Sicht.

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          Es sind keine erfreulichen Zahlen, die das hessische Statistische Landesamt zuletzt veröffentlicht hat. Ein ums andere Mal ging die Zahl der Aufträge in der hessischen Industrie zurück: im März um 11,1, im April um 2,7, im Mai um 5,1 und im Juni um 14,7 Prozent – jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat. In den vergangenen zwölf Monaten gab es in dieser Statistik nur ein einziges Mal ein Auftragsplus. „Die Industrie hängt besonders vom Welthandel ab, und dieser hat in den letzten 18 Monaten an Momentum verloren“, sagt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Verantwortlich dafür seien der anhaltende Handelsstreit der Vereinigten Staaten mit China sowie ein drohender harter Brexit.

          Tim Niendorf
          Politikredakteur.

          Schon in der vergangenen Konjunkturumfrage des Hessischen Industrie- und Handelskammertags (HIHK) im Frühsommer dieses Jahres hatte sich die schwierige Lage abgezeichnet. Die heimischen Unternehmen korrigierten ihre Bewertung der aktuellen Geschäftslage zum vierten Mal in Folge nach unten, während die Erwartungen auf dem niedrigen Niveau verharrten. Die Umfrage basierte auf den Antworten von etwa 2600 hessischen Unternehmen, die nach Angaben des HIHK in Bezug auf Branche, Größe und Standort einen repräsentativen Querschnitt der Wirtschaft des Landes abbilden. Robert Lippmann, Geschäftsführer des HIHK, sprach im Zuge dessen davon, dass die Sorgenfalten der Unternehmen tiefer würden.

          „Das ist ein erwartbarer Effekt“

          Bisher war es so, dass die Umsätze der Unternehmen trotz des Auftragsrückgangs weiter gestiegen waren. Im Juni aber sackten auch die Umsätze um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ab. „Das ist ein erwartbarer Effekt“, sagt Lippmann. Irgendwann seien die alten Auftragsbestände abgearbeitet. Die Umsatzeinbußen folgen dann zeitversetzt. Lippmann spricht von einer „grundsätzlichen Konsolidierung“ nach anhaltend guten Wachstumsjahren. Auch er sieht, wie Chefvolkswirtin Traud, den Grund dafür im internationalen Handelsstreit. Die Vereinigten Staaten etwa seien der wichtigste Außenhandelspartner hessischer Betriebe, China wiederum eine potentielle Wachstumsquelle. Es gebe sehr viele Unsicherheitsfaktoren und zudem auch Anzeichen, dass die Aufträge und die Umsätze vorerst unter den Vorjahreswerten bleiben werden.

          Es gelte aber, nichts zu dramatisieren: „Man kann eine konjunkturelle Schwäche auch herbeireden“, sagt Lippmann. Auf den Arbeitsmarkt werde sich die Schwächephase erst mal nicht auswirken, jedenfalls nicht bis mindestens zur Mitte nächsten Jahres. Wer in Zeiten des Fachkräftemangels gutes Personal habe, werde dieses so schnell nicht entlassen. Außerdem hätten viele Unternehmen, vor allem im Mittelstand, ihr Eigenkapital nach der Finanz- und Bankenkrise aufgebaut. „Die Unternehmen können einen Moment der Schwächephase verkraften“, so Lippmann. Genaue Prognosen seien aufgrund der unsicheren Weltlage nicht zu treffen.

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