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Wirtschaft in der Landeshauptstadt : Wiesbaden hat ein Platzproblem

Aus der Not eine Tugend gemacht

Die Wiesbadener Volksbank und die Nassauische Sparkasse haben aus der Not eine Tugend gemacht und residieren in aufwendig umgestalteten Altbauten im Herzen der Stadt. Trotz der großen Nachfrage nach Büroraum steht beispielsweise das Hochhaus am Kureck seit 2010 leer, nachdem die R+V-Versicherung, mit zirka 4000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in Wiesbaden (siehe Grafik), im Büroviertel an der Abraham-Lincoln-Straße neu gebaut hatte. Der Projektentwickler IFM aus Frankfurt wartet auf einen Bebauungsplan. Frühestens Ende 2014 soll es dort neue Büros zu mieten geben. Da ist sie also wieder, die fehlende Dynamik.

Vergleichsweise gering ist sie auch auf dem Wiesbadener Arbeitsmarkt. Der ist eben vor allem durch Dienstleistung, Verwaltung und Behörden geprägt, die Fluktuation entsprechend gering. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes hat in den vergangenen Jahrzehnten stetig abgenommen, wie von den Arbeitsmarktexperten der Wiesbadener Agentur für Arbeit zu erfahren ist. Nurmehr 15,5 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der gut 276 500 Einwohner zählenden Stadt entfallen auf die Industrie, beispielsweise auf die Firmen im Industriepark Kalle-Albert mit zirka 5600 Beschäftigten. Die geringe Nachfrage nach weniger qualifizierten Kräften und ein verhältnismäßig hoher Anteil an Migranten führen zu einer recht hohen Zahl an Hartz-IV-Beziehern und einer Arbeitslosenquote von 7,3 Prozent, bei 6,4 Prozent in ganz Hessen.

Vielfalt und die Großen der Industrie

Auch die Großen der Industrie sind in Wiesbaden durchaus vertreten, aber eben nicht mit der Produktion. Beispielsweise die Kion Group GmbH, die aus der Gabelstapler-Sparte der Linde AG hervorgegangen ist. Das gilt auch für den börsennotierten Hersteller von kohlenstofffaserverstärkten Verbundstoffen, SGL Carbon, der eng mit BMW bei der Produktion des neuen i3-Elektroautos zusammenarbeitet.

Daneben finden sich in Wiesbaden mittelständische Ingenieurunternehmen, beispielsweise die Eckelmann AG, gegründet und geführt von Gerd Eckelmann, der zugleich Präsident der Wiesbadener Industrie- und Handelskammer ist. Das auf Automatisierung spezialisierte Gruppe beschäftigt zirka 350 Mitarbeiter und fertigt auch in Wiesbaden. Gleich nebenan in Wiesbaden-Erbenheim bauen die Experten von Smith Heimann Gepäck- und Körperscanner, die beispielsweise an Flughäfen Dienst tun. Die Rücker AG, ein Dienstleister unter anderem für Auto- und Flugzeugbauer, beschäftigt in aller Welt 2500 Mitarbeiter, vor allem Ingenieure. In Wiesbaden arbeiten für das Haus etwa 100 Beschäftigte.

Ein erfreulicher Kontrast

Die Vitronic GmbH aus Wiesbaden hat sich inzwischen auch international einen Namen in Sachen Geschwindigkeitsmessung und Verkehrsüberwachung gemacht. Ihre gefürchteten Blitz-Säulen stehen auch an Frankfurter Straßen.

Was den Einzelhandel betrifft, der in Wiesbaden etwa 9000 Beschäftigte zählt, ist die Kluft recht groß zwischen Luxusgeschäften an der Wilhelmstraße einerseits und der Fußgängerzone andererseits. Diese leidet über weite Strecken der Kirch- und der Langgasse unter der vergleichsweise unattraktiven Mixtur aus Handy-Läden und Billig-Modeketten.

Einen erfreulichen Kontrast bildet da beispielsweise das revitalisierte Areal Vier Jahreszeiten.

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