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Wirtschaft in Corona-Zeiten : Warum die Industrie mit dem Neustart zögert

Der richtige Abstand: In Industriebetrieben (im Bild das Schienenwerk Voestalpine in Butzbach) gelten neue Abstandsregeln und Hygienevorschriften. Bild: Patricia Kühfuss

Mit Homeoffice und Kurzarbeit versuchen viele Betriebe in Rhein-Main die Krise zu überbrücken. Dass schon bald wieder normal gearbeitet werden kann, erwarten sie nicht.

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          In Hanau haben sie es kommen sehen. Nicht dass das Management bei der Vacuumschmelze prophetische Fähigkeiten hätte. Doch der Metallkonzern, der allein am Hauptsitz in Hessen etwa ein Drittel seiner weltweit 4500 Mitarbeiter beschäftigt, hat auch ein Werk in China. Und dort standen schon seit Anfang Februar die Bänder still, wie ein Unternehmenssprecher berichtet – gut einen Monat bevor auch in Deutschland immer mehr Unternehmen ihre Produktion drosselten und die Verwaltung ins Homeoffice schickte. „So hatten wir einen Erkenntnisvorsprung.“ Daraufhin sei in Hanau ein Krisenstab eingerichtet worden, damit sich der Zulieferer für Autobauer, Maschinenbauer und die Luftfahrtindustrie sich auf das Schlimmste vorbereiten konnte.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie schlimm es nun für das Unternehmen gekommen ist, will es zwar nicht konkret verraten, zum Beispiel ob und in welchem Umfang Kurzarbeit herrscht. Aber allein in Hessen haben inzwischen 62.000 Unternehmen Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur angemeldet, sei es für einzelne Abteilungen und Bereiche oder auch den kompletten Betrieb. Allein in der stark exportlastigen Maschinenbaubranche erwarten fast zwei Drittel der Firmen Umsatzrückgänge von zwischen 10 und 30 Prozent, gerechnet auf das Gesamtjahr. Das hat eine bundesweite Umfrage des Industrieverbands VDMA unter seinen Mitgliedern ergeben. Wie die Lage in Hessen aussieht, will der Branchenverband Hessenmetall derzeit in einer eigenen Umfrage ermitteln. Die Industrie ist schließlich der Haupttreiber des Wirtschaftswachstums, hat das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung jüngst ausgerechnet, das produzierende Gewerbe trage dazu 24 Prozent bei, mehr als dreimal so viel wie Gastronomie, Handel, Kultur- und Freizeitbetriebe. Wirtschaftsvertreter wie die Industrie- und Handelskammer Offenbach fordern darum von der Politik eine Exit-Strategie aus den Beschränkungen. „Ansonsten droht vielen das Aus, bevor der Neustart gelingt“, sagte Kammerpräsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller.

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