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Bernd Hölzenbein zu Relegation : Wir bleiben drin

„Vor einem Monat hätten wir doch alle sofort unterschrieben, wenn uns jemand angeboten hätte, dass wir noch in die Relegation kommen“: Bernd Hölzenbein Bild: Wonge Bergmann

An einem Tag, der unter dem Eindruck der Erkrankung von Eintracht-Kapitän Russ steht, macht ein Frankfurter Alt-Internationaler seinem Team Mut. Es ist eine Prognose aus berufenem Mund.

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          Es ist noch nicht lange her, da hätte kaum jemand viel Geld darauf gewettet, dass die Fußballer von Eintracht Frankfurt den Klassenverbleib in der Ersten Bundesliga erreichen könnten. Bernd Hölzenbein wohl auch nicht: „Vor einem Monat hätten wir doch alle sofort unterschrieben, wenn uns jemand angeboten hätte, dass wir noch in die Relegation kommen“, sagte der Weltmeister von 1974, der bei der Eintracht eine Ära prägte, im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor gut einem Monat hatten die Frankfurter ihr Auswärtsspiel in Leverkusen mit 0:3 verloren und zuvor in der als Endspiel titulierten Heimpartie mit Hoffenheim mit 0:2 Toren den Kürzeren gezogen. Platz 17, vier Punkte Rückstand auf einen Relegationsrang, sechs auf den rettenden 15. Platz: Die Aussichten waren Mitte April denkbar schlecht.

          Prognose aus berufenem Mund

          Vor dem ersten Relegationsspiel der Eintracht heute Abend gegen den Zweitliga-Dritten 1. FC Nürnberg gibt sich Hölzenbein nun jedoch überzeugt davon, dass sein Verein als Sieger aus den beiden Duellen hervorgehen wird. Die Fans werden es gern hören, zumal die Prognose aus berufenem Mund kommt. Schließlich stand der Spieler Hölzenbein stets für Erfolg: Er war in seiner aktiven Zeit Uefa-Pokalsieger mit der Eintracht, das war 1980, gewann im Eintrachttrikot dreimal den DFB-Pokal (1974, 1975 und 1981) und erzielte in 420 Bundesligaspielen 160 Tore.

          Wer aus solchem Holz geschnitzt ist, hält nichts davon, sich selbst klein zu machen. „Es ist doch klar, dass wir Favorit sind“, sagt Hölzenbein nun und verweist darauf, dass der Marktwert des Frankfurter Kaders im Vergleich zu jenem der Nürnberger in etwa viermal so hoch sei. Die Mannschaft der Hessen habe eine ganz andere Qualität als die Elf der Franken.

          Hölzenbein absolvierte in seiner Karriere 40 Länderspiele. Das an ihm verübte Foul im Strafraum der favorisierten Niederländer im WM-Finale von München führte durch den danach verwandelten Elfmeter zum 1:1-Ausgleich, was ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern des Fußballs gesichert hat. Aus eigener Erfahrung weiß er also, dass gerade wichtige Entscheidungsspiele nicht zu Selbstläufern werden. Die aktuelle Spielergeneration wisse das auch, meint er. „Wie schnell es gehen kann, hat man ja im Pokalspiel in dieser Saison gesehen“, sagt er in Erinnerung an die 0:1-Niederlage der Eintracht in der zweiten DFB-Pokal-Hauptrunde bei Erzgebirge Aue.

          Das war noch unter Trainer Armin Veh. Doch Hölzenbein ist sicher, dass dessen Nachfolger Niko Kovac die Mannschaft so einstellt, dass es für die Eintracht am Ende reichen wird. Für das Hinspiel vor eigenem Publikum erhofft er sich eine gute Ausgangsposition, „ein 2:0 wäre ideal und schon die halbe Miete“. Dann gelte es in Nürnberg defensiv gut zu stehen. „Das ist gegen die starken Dortmunder eindrucksvoll gelungen, und in Bremen hat es ja 88 Minuten auch sehr gut funktioniert“, findet Hölzenbein - wenngleich er eine Abwehrschlacht wie im Weserstadion nicht mehr empfehlen würde, „solch ein Spiel wird es nicht noch einmal geben“.

          Der Weltmeister ist sich bewusst, welche Rolle die Eintracht für die Fans, aber auch für die Stadt Frankfurt einnimmt. „Wahnsinnig viele Menschen leiden derzeit mit dem Verein mit“, sagt er. Auch im privaten Umfeld wird der Chefscout, der für die Sichtung neuer Spieler und Talente verantwortlich ist, dieser Tage immer wieder mit der Situation des Profiklubs konfrontiert. „Viele schimpfen, weil für sie die Betrachtung der gesamten Saison natürlich sehr unbefriedigend ausfällt.“ Dennoch bleibt Hölzenbein dabei: „Ich bin sicher, dass wir es schaffen werden.“

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