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Nachhaltig und pilzresistent : Weine für die Zukunft

Arbeitet mit pilzresistenten Rebsorten: Kristian Dautermann im Keller seines Weingutes in Ingelheim Bild: ©Andrea Enderlein

Eigentlich ist Kristian Dautermann ein Rotwein-Spezialist. Aber mit Cabernet Blanc und Sauvignac hat der Winzer auch zwei ungewöhnliche weiße Rebsorten im Programm – aus Gründen der Nachhaltigkeit.

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          Nein, das will Kristian Dautermann auf keinen Fall falsch verstanden wissen. „Das ist keine Spielerei“, sagt der Neununddreißigjährige mit Nachdruck. „Ich bin sicher, dass Sorten wie diese in Zukunft eine große Rolle spielen werden.“ Seine Kunden würden immer offener, und inzwischen zeigten sogar der Fachhandel und die Gastronomie wachsendes Interesse – „und manchmal kaufen sogar Kollegen ein paar Flaschen“.

          Peter Badenhop
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kristian Dautermann ist so etwas wie ein Pionier. Mit seinem Familienweingut in der traditionellen Rotwein-Stadt Ingelheim ist er zwar ein ausgewiesener Spezialist für Spät- und Frühburgunder, die Rebsorten, über die er hier spricht, sind aber weiß – und neu. Wobei der Begriff „neu“ in diesem Fall relativ ist. Denn schon vor zwölf Jahren hat Dautermann die ersten Stöcke Cabernet Blanc gepflanzt, und seit 2010 vermarktet er die Weine aus diesen Trauben. Inzwischen hat er auch Sauvignac im Programm, den er 2018 gepflanzt hat, der 2020er ist sein erster Jahrgang.

          Pilzresistente Neuzüchtungen

          Für die meisten Kunden sind diese beiden Rebsorten unbekannt. Sie gehören zu den sogenannten Piwis, Neuzüchtungen, die besonders pilzresistent und im Vergleich zu konventionellen Rebsorten weniger anfällig für Erkrankungen wie zum Beispiel den Befall mit Mehltau sind. Seit Jahren nimmt ihre Verbreitung immer mehr zu, außer weißen Sorten wie Cabernet Blanc, Sauvignac, Souvignier Gris, Johanniter, Helios und Solaris gibt es auch rote wie Cabernet Cortis, Cabernet Cantor, Pinotin und Monarch. Inzwischen arbeiten mehrere Dutzend Winzer in Deutschland mit Piwis, vor allem in Baden, aber auch in der Pfalz und – wie Dautermann – in Rheinhessen. Die meisten von ihnen setzen nicht ausschließlich auf die Neuzüchtungen, sondern kultivieren sie zusätzlich zu ihren traditionellen Sorten. Auch bei Kristian Dautermann geht es dabei bisher lediglich um ein paar Tausend Flaschen im Jahr. Aber das soll sich im Laufe der Zeit ändern.

          Guter Essensbegleiter: der Cabernet Blanc vom Weingut Dautermann
          Guter Essensbegleiter: der Cabernet Blanc vom Weingut Dautermann : Bild: Lakuntza, Nerea

          Die Aufmerksamkeit, die diesen Neuzüchtungen zuteilwird, ist vor allem dem Klimawandel und dem auch im Weinbau immer stärker werdenden Trend zur Nachhaltigkeit geschuldet. „Diese Sorten sind nicht nur pilzresistent und generell weniger krankheitsanfällig“, sagt Dautermann. Sie hielten auch bei Trockenheit besser stand und seien insgesamt viel resourcenschonender als konventionelle Rebsorten. „Die brauchen praktisch keine pflanzenschutztechnische Betreuung.“

          Weinbau-Experten zufolge werden bei Piwis bis zu 80 Prozent der üblichen Maßnahmen zum Schutz der Rebstöcke überflüssig, was nicht nur Auswirkungen auf den Weinberg, sein Ökosystem und die Umwelt generell hat, sondern auch auf die Kostenstruktur des Winzers. Dautermann fasst es so zusammen: weniger Spritzmittel, weniger Traktorfahrten, geringerer Dieselverbrauch, weniger Bodenverdichtung im Weinberg, geringere Kosten und weniger Arbeitsaufwand für den Winzer. „Das ist in Zeiten der Nachhaltigkeit doch geradezu ideal.“ Wobei diese Rechnung nicht nur für konventionelle Betriebe gilt: Ökologisch arbeitende Winzer müssen wegen der geringeren Wirksamkeit ihrer biologischen Mittel im Vergleich zur klassischen Chemie meist sogar öfter in den Weinberg fahren als ihre Kollegen.

          Kunden tun sich noch schwer

          Besonders beliebt sind Piwis im Übrigen bei Winzern in England, Schweden und den Niederlanden, wo der Weinbau zwar noch mehr oder weniger in den Anfängen steckt, wegen des Klimawandels in den vergangenen 20 Jahren aber einen erstaunlichen Aufschwung erlebt hat. Viele der dort neu gegründeten Betriebe sehen in den neuen Sorten enormes Potential, weil sich auch ökologisch geführte Weingüter mit ihnen besser gegen Ernteausfälle durch Pilzbefall, der sonst nur mit chemischen Mitteln zu bekämpfen wäre, schützen können.

          Viele Kunden, Händler und Gastronomen tun sich allerdings noch schwer mit den neuen Weinen mit den ungewöhnlichen Namen, was zumindest zum Teil auch daran liegt, dass manche Piwis ungewöhnliche Geschmacksbilder haben. Für den Cabernet Blanc und den Sauvignac von Kristian Dauterman gilt das nicht, eigenständig sind beide Weine trotzdem: Der Sauvignac, der aus Sauvignon Blanc und Riesling sowie einem nicht näher bekannten sogenannten Resistenzpartner gekreuzt wurde und rosa Trauben hervorbringt, ist ein frischer, eher leichtfüßiger Weißwein. In ihm finden sich die beiden bekannten Herkunftssorten deutlich mit Aromen von Stachelbeeren, Aprikosen, Litschi und Grapefruit sowie Noten von grüner Paprika wieder.

          Das ist beim Cabernet Blanc nicht so deutlich. Diese Sorte wurde aus der roten Rebesorte Cabernet Sauvignon und verschiedenen Resistenzpartnern gekreuzt, bringt aber helle Trauben hervor. Mit seiner eleganten kräuterigen Würze erinnert er zwar entfernt an Cabernet Sauvignon, ähnelt aber im Geschmack eher den goldfarbenen, kräftigen und aromatischen Weißweinen Südfrankreichs. „Ein toller Essensbegleiter“, sagt Kristian Dautermann – und hofft, dass ein charakterstarker, internationaler Weintyp wie dieser auch die Piwi-Zweifler letztlich überzeugen kann.

          Erhältlich sind der Cabernet Blanc und der Sauvignac von Dautermann im Onlineshop des Weingutes unter www.dautermannwein.de.

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