https://www.faz.net/-gzg-8q9bx

Wetter-Bilanz 2016 : Weiße Winter werden weniger wahrscheinlich

Auf der anderen Seite der Temperaturskala hat es so etwas schon lange nicht mehr gegeben: Dem Wetterdienst zufolge ist seit November 1985 am Frankfurter Flughafen kein einziger Minimum-Rekord mehr verzeichnet worden - was sich auch sehr deutlich in der Aufstellung der zehn wärmsten und der zehn kältesten Jahre seit 1936 (siehe Grafik, unten links) widerspiegelt: Während es seit 1987 kein Jahr mehr in die Kälte-Top-Ten geschafft hat, stammen sämtliche Werte der Wärme-Top-Ten aus der Zeit seit 1994. Für die Klimaforscher sind diese statistischen Daten eindeutig. Sie sagen zwar nichts aus über die Gründe und Folgen der seit einigen Jahrzehnten zu beobachtenden Klimaveränderung. Aber sie belegen, dass die Erwärmung keine Illusion ist.

Ebenfalls interessant sind in diesem Zusammenhang die Reihen der Frost- und Sommertage sowie der Eis- und Hitzetage (siehe Grafiken, rechts oben und unten). Bei allen Ausschlägen nach oben und unten zeigen die Kurven sehr deutlich, dass die Zahl der Frost- und Eistage tendenziell abnimmt, während die Zahl der Sommertage und der sogenannten heißen Tage nach und nach zunimmt. Seit Mitte der neunziger Jahre hat es zum Beispiel kein Jahr mehr mit weniger als 40 Sommertagen gegeben, während bei den Frosttagen die 80-Tage-Grenze nur noch sehr selten überschritten wird. 2016 wurden an der Messstation am Frankfurter Flughafen statt der durchschnittlich zu erwartenden 42 immerhin 65 Sommertage registriert, bei den Frosttagen waren es 62 statt der im Mittel üblichen 82.

Bei den Tagen, an denen das Thermometer durchgehend unter dem Gefrierpunkt verharrte, hat das vergangene Jahr zwar deutlich mehr vorzuweisen als die beiden Vorjahre, als jeweils nur ein einziger Tag mit Dauerfrost registriert wurde. Aber selbst acht Eistage sind nur die Hälfte dessen, was statistisch gesehen als normal gelten muss: nämlich 16 Tage mit Dauerfrost. Genau spiegelbildlich war es bei den Hitzetagen, also jenen, deren höchste Temperatur jenseits von 30 Grad liegt: Statt der neun zu erwartenden heißen Tage gab es im vergangenen Jahr 15 solcher Tage. Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass das im Vergleich zum Rekord des Jahrhundertsommers 2003 geradezu lächerlich ist. Damals stieg das Quecksilber nämlich an 31 Tagen auf 30 oder mehr Grad.

Noch wärmer war es seit Aufnahme der regelmäßigen Messungen nur 2014 (12,10 Grad) und 1994 (11,63 Grad).

Ein Beweis für den Klimawandel sind die Messwerte aus den zwölf Monaten des Jahres 2016 natürlich nicht. In der Tendenz zeigen sie im Zusammenspiel mit den langfristigen Daten der Klimastatistik aber doch, dass es seit 30 bis 35 Jahren langsam, aber stetig wärmer wird. Und tatsächlich gibt es noch weitere Hinweise für eine Veränderung des Klimas. Die Forscher zählen dazu auch Phänomene wie die Unwettersaison, die im vergangenen Jahr im Mai und Juni auch in Frankfurt mit Starkregen und Sturm immer wieder für Schäden und Überschwemmungen gesorgt hat. Am 29. Mai zum Beispiel kamen am Flughafen 45 Millimeter Regen vom Himmel und setzten die Messstation des Wetterdienstes unter Wasser, und am 14. Juni lief spätnachmittags innerhalb weniger Minuten der Südbahnhof voll, so dass die U-Bahn-Station gesperrt werden musste.

Insgesamt haben die Meteorologen im Mai sieben und im Juni zwölf Tage mit Gewitter registriert. Im langjährigen Durchschnitt sind es nur fünf beziehungsweise sechs, so dass der Juni 2016 als gewitterreichster Monat überhaupt in die seit 1949 geführte Statistik eingeht. Für die Fachleute ist die Häufung solcher Extremwetterlagen ein Zeichen des Klimawandels, und sie glauben, dass es in Zukunft noch deutlich mehr davon geben wird. Auch die Frankfurter sollten sich darauf einstellen. Genau wie darauf, dass natürlicher Schnee tendenziell noch seltener wird - auch wenn es momentan nicht danach aussieht.

Weitere Themen

Topmeldungen

Dicke Luft in Stuttgart

Klimagipfel : Mit Verzichtspanik wird nichts erreicht

Als müsste in einer klimafreundlicheren Welt jemand aufs Auto, aufs Heizen, Fliegen oder auf Kinder verzichten! Das Vertrauen in die Technik ist bei denen, die den Innovationsgeist am lautesten für sich reklamieren, am geringsten.

Zukunft der Groko : „Stabilität ja, Siechtum nein“

Einen grundlegend neuen Kurs der Koalition werde es nicht geben, warnt die Union die SPD. Beim Klimapaket, das am Abend im Vermittlungsausschuss beraten wird, erwartet der Unionsfraktionschef aber eine schnelle Einigung.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.