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Weltkulturerbe Mittelrheintal : Unesco warnt Hessen

  • -Aktualisiert am

Teil des Welterbes:das Rheintal bei Lorch Bild: Cornelia Sick

Der Weltkulturerbe-Status des Mittelrheintals könnte durch die Aufstellung von Windrädern nahe der Stadt Lorch gefährdet werden, warnt die Deutsche Unesco-Kommission.

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          Nach Rheinland-Pfalz hat auch Hessen eine Warnung der Deutschen Unesco-Kommission bekommen, die darauf hinweist, dass der Welterbestatus des Mittelrheintals durch die Aufstellung von Windrädern gefährdet werden könnte. In einem Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) schreibt Unesco-Generalsekretär Roland Bernecker, dass es nicht ausreiche, nur die Kernzone von Windkraftstandorten freizuhalten. Eine erhebliche Beeinträchtigung des außergewöhnlichen Werts der Kulturlandschaft („Outstanding Universal Value“) könne auch durch Planungen außerhalb der Kernzone eintreten.

          Oliver Bock
          (obo.), Rhein-Main-Zeitung

          Anlass für das Schreiben sind die Absichten der Stadt Lorch und des Energieversorgers ENBW, bei Lorch-Ransel vier Windräder zu errichten. Das Konfliktpotential eines solchen Windparks mit dem Welterbeanspruch wird in einer Ende 2013 vorgelegten Sichtachsenstudie als „hoch“ bewertet. Während Rheinland-Pfalz aus dieser Studie die Konsequenz gezogen hat, sowohl in der Kern- als auch in der Pufferzone generell keine Windräder zuzulassen, will Hessen jeden Einzelfall sorgsam prüfen.

          Planungen ohne Einbindung der Unesco

          Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) vertrat bislang die Ansicht, der hessische Landesentwicklungsplan lasse ein generelles Verbot nicht zu. Er sicherte im Interview mit der Rhein-Main-Zeitung aber vor wenigen Wochen zu, vor einer Genehmigung sehr genau zu kontrollieren, ob ein Vorhaben das Weltkulturerbe gefährde: „Denn um das auch klar zu sagen: Das wollen wir nicht.“

          Bernecker verweist in seinem Brief an Bouffier auf einen Beschluss des Welterbe-Komitees und legt „dringend“ nahe, die Ergebnisse der Sichtachsenstudie zu berücksichtigen. Wenn die Stadt Lorch die Planung von Windrädern weiterverfolge, sollte sie diese Pläne frühzeitig mit der Unesco in Paris abstimmen. „Eine Einbindung der Unesco ist nach unserer Kenntnis bisher nicht erfolgt“, kritisiert Bernecker. Wie berichtet, hatte Lorch ohne vorherige Abstimmung mit der Unesco die Windvorrangfläche 420 an die ENBW verpachtet in der Hoffnung, spätestens von 2018 an jährlich 300.000 Euro an Einnahmen einzustreichen. Das Geld ist fest verplant, um die Vorgaben des Rettungsschirms des Landes zu erfüllen. Der Energieversorger bereitet nun die Genehmigungsanträge vor.

          Lorchs Bürgermeister Jürgen Helbing (CDU) zeigte sich bislang stets zuversichtlich, dass die Pläne der Stadt für einen Windpark im Wald zwischen dem Ortsteil Ransel und der Siedlung Ranselberg den Status des Rheintals als Unesco-Welterbe nicht gefährde, ohne diese Ansicht aber zu begründen. Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz hat hingegen die Meinung vertreten, dass der Schutz des Mittelrheintals „unteilbar“ sei und Hessen in der Verantwortung stehe, das Lorcher Projekt zu verhindern. Auch der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal hat sich entschieden gegen Windräder im Tal ausgesprochen. Und für den Welterbe-Dezernenten des Rheingau-Taunus-Kreises, Karl Ottes (FWG), ist es bislang nicht vorstellbar, dass Hessen in seinem Teil der Welterberegion anders verfahre als das Nachbarland.

          Genehmigungsverfahren am Standort Stephanshausen

          Die Bürgerinitiative Pro Kulturlandschaft Rheingau hat sich unterdessen mit einem Appell an ENBW gewandt: „Wir glauben, dass Sie als großes und börsennotiertes Unternehmen mit entsprechenden geschäftspolitischen Grundsätzen auch der Allgemeinheit verpflichtet sind und daher dieses Vorhaben noch einmal einer verantwortungsvollen, kritischen Prüfung unterziehen sollten.“ Die Initiative setzt zudem auf die Zusage des Ministerpräsidenten, wonach es ihm „ein persönliches Anliegen“ sei, das Unesco-Welterbe zu schützen und zu erhalten.

          Das Wiesbadener Windenergieunternehmen Abo Wind, das knapp außerhalb der Pufferzone bei Geisenheim-Stephanshausen insgesamt acht Windräder plant, hat im August auf diese Diskussion mit der Initiierung eines förmlichen Genehmigungsverfahrens einschließlich Umweltverträglichkeitsprüfung reagiert, obwohl das zeitraubende Verfahren bis dahin nicht geplant war. Das Genehmigungsverfahren läuft seit 2013. In der Sichtachsenstudie wird der Standort Stephanshausen ausdrücklich erwähnt und das Konfliktpotential als „mittel“ bewertet. An diesen Plänen nimmt die Unesco bislang nicht offiziell Anstoß.

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