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Windrad-Standorte im Hochtaunus : Kritische Fragen im peitschenden Regen

Standortbegehung mit Hund: Das geplante Windrad auf dem Langhals wird doppelt so hoch wie der 100-Meter-Mast, der Windgeschwindigkeisten misst Bild: Cornelia Sick

Als die Bürger den Langhals im Taunus erklimmen, weht es in Böen. Die geplanten Windräder im Usinger Land wünschen sie nicht, aber im Herbst wird gerodet.

          3 Min.

          Wer wissen will, wie sich die Energiewende auf das Landschaftsbild im Taunus auswirken könnte, findet auf den Internetseiten der verschiedenen Bürgerinitiativen aus Neu-Anspach, Schmitten und Weilrod zahlreiche Fotomontagen mit Hügelketten voller Windräder. Auch wenn viele das Bemühen um Maßstäblichkeit erkennen lassen, ist eine gewisse Skepsis angebracht. Schließlich stehen dahinter ebenso Interessen wie hinter den aufwendig gestalteten Prospekten der Windradbetreiber. Ein eigenes Urteil erlaubt die Fahrt auf der Landstraße am Hessenpark vorbei nach Anspach. Linker Hand ragt ein Mast auf einer Erhebung hervor, dem Langhals. Das Unternehmen Juwi hat ihn Ende vergangenen Jahres errichtet und misst dort seit Januar die Windgeschwindigkeiten. 100 Meter ist der Gittermast hoch. Die Nabe des dort geplanten Windrads wird 40 Meter höher liegen, die Spitzen der 56 Meter langen Rotorblätter also knapp die doppelte Höhe des Messmasts erreichen. Vier weitere Windkraftanlagen sollen auf den Hügeln in südlicher Richtung entstehen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Allzu viel Vorstellungskraft ist nicht nötig, um sich klarzumachen, dass die Nutzung der Windkraft sichtbare Spuren hinterlassen wird. Ob man dies als Störfaktor empfindet oder die Windräder als ein Zeichen für Zukunftsorientierung und ökologischen Fortschritt sieht, darüber war die Ansicht auch unter den Teilnehmern einer Waldwanderung zum geplanten Windkraftstandort Langhals geteilt. Zwei Monate nachdem die Bürgerinitiative „Naturpark ohne Windräder in Neu-Anspach“ zu einem ähnlichen Marsch eingeladen hatte, gab diesmal die Stadt Gelegenheit, sich an Ort und Stelle über Anfahrtswege und erforderlichen Waldeinschlag zu informieren. Mehr als 130 Personen hatten sich angemeldet. Unter ihnen waren etliche, die sich mit Ansteckern als Gegner der geplanten Anlagen zu erkennen gaben.

          Verspätete Inbetriebnahme

          Die exponierte Lage auf dem Langhals bekamen die Wanderer nach dem noch weitgehend trockenen Aufstieg durch den schützenden Wald unangenehm zu spüren. Kaum oben angekommen, setzte der Regen ein. Dass er in Böen heranpeitschte, liegt daran, dass auf der Anhöhe schon jetzt kaum noch Bäume stehen. Man könne hier eine größere Windbruchfläche nutzen, sagte Juwi-Projektmanager Florian Stein. Dennoch müssen insgesamt 6,7 Hektar Wald an den fünf Standorten und den Anfahrtswegen fallen, von denen drei Hektar nur für den Aufbau benötigt werden und anschließend wieder zuwachsen können.

          Eigentlich hatte Juwi die Anlagen noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen wollen und daher eine vorzeitige Fällgenehmigung beantragt. Dem stimmten die Neu-Anspacher Kommunalpolitiker, die das Vorhaben gleichwohl im Grundsatz befürworten, in den Ausschüssen nicht zu. Damit kann, falls die Genehmigung des Regierungspräsidiums Darmstadt bis dahin vorliegt, frühestens im Herbst mit den Rodungen begonnen werden. Weil es dann noch fast ein Jahr bis zur Fertigstellung dauert, werden sich die Neu-Anspacher Anlagen nach Worten Steins wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2015 drehen.

          „Planungsrelevante“ Vogelarten erfasst

          Viele der Bürger nutzten am Samstag die Gelegenheit zu kritischen Fragen, etwa an Martin Schnell von der Planungsgruppe für Natur und Landschaft. Er hat die „planungsrelevanten“ Vogelarten in der Umgebung erfasst. Die Verantwortlichen nutzten die Gelegenheit, manches Missverständnis zu korrigieren. Dass vom Forst an einem Standort schon Bäume gefällt worden seien, habe nichts mit der dort geplanten Anlage zu tun, sagte Philipp Wen von der Süwag Erneuerbare Energien GmbH, dem Partner von Juwi bei den Neu-Anspacher Anlagen. Ursache sei ein Käferbefall gewesen. Stein stellte klar, das Betonfundament der jeweiligen Windräder mit gut 24 Metern Durchmesser reiche vier und nicht, wie jemand vermutete, 30 Meter tief.

          Die mehrfach geäußerten Zweifel am nötigen Windaufkommen haben die Planer nicht. Auf genauere Angaben zu den Windgeschwindigkeiten mochte sich Jennifer Plate, bei Juwi mit der Standortwahl befasst, nach den erst wenige Wochen dauernden Messungen noch nicht festlegen. Die Daten werden an mehreren Positionen am Mast erfasst, und mit Hilfe eines Laserstrahls wird die Luftbewegung auch in 200 Metern Höhe gemessen. Jeden Tag sendet der Messmast eine E-Mail mit den Werten. Es zeichne sich ab, dass man es mit einem der besten Standorte in Deutschland zu tun habe, sagte Plate. Einer der Mitwanderer wunderte sich über die ganze Diskussion, wo doch offenbar alles entschieden sei. „Das stimmt“, sagte Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU). Er hatte am Start noch einmal gesagt, dass die Grundsatzentscheidung im November 2012 gefallen sei. Ob die Windräder gebaut würden oder nicht, hänge nur noch an der Entscheidung des Regierungspräsidiums.

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