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Kommentar : Die Qualen der Grünen

Benebelt: Der Fernmeldeturm auf der Hohen Wurzel im Rheingau-Taunus - in diesem Gebiet könnten Windräder gebaut werden Bild: dpa

Die Windräder bringen die Grünen in ein Dilemma. Der überstürzte Ausstieg der Deutschen aus der Atomenergie und die dezentrale „Energiewende“ lassen der Partei auch in den Kommunen keine Wahl.

          „Wem die Regeln hier nicht passen, der kann gerne gehen“, sprach der Wiesbadener Stadtverordnete Ronny Maritzen am Dienstagabend im Umweltausschuss. Ausgerechnet ein Mann vom linken Flügel der Grünen, ein langjähriger Protagonist der Basisdemokratie, musste Bürger zur Ordnung rufen, die ihre Interessen unmittelbar in die Beratungen der gewählten Mandatsträger einbrachten.

          Die Windräder bringen die Grünen in ein Dilemma. Der überstürzte Ausstieg der Deutschen aus der Atomenergie und die dezentrale „Energiewende“ lassen der Partei auch in den Kommunen keine Wahl. Die erneuerbaren Energien gehören seit ihrer Gründung zu ihrem Markenkern. Es käme einer Bankrotterklärung gleich, würden die Grünen etwa in Wiesbaden gegen den Plan der großen Koalition opponieren, auf dem Taunuskamm Windräder zu installieren. Dabei müssen sie die Zerstörung der Umwelt in einem Ausmaß in Kauf nehmen, das sie früher zu Sitzblockaden veranlasst hätte. Doch es gibt sie noch, die vielen idealistischen Naturschützer, denen Kröten, Hirschkäfer und Buchenwälder am Herzen liegen. Sie haben jahrzehntelang an das Gute in den Grünen geglaubt - und sehen sich jetzt getäuscht.

          Schick, grün zu wählen

          Aber auch mit einem anderen Teil ihrer Klientel bekommt die sogenannte Ökopartei nun Schwierigkeiten. Bislang fanden es bürgerliche Wähler, die von den öde und spießig wirkenden Volksparteien die Nase voll hatten, einfach nur schick, grün zu wählen. Doch jetzt haben sie plötzlich ein konkretes Anliegen: Ist es nicht die vornehmste Pflicht der Grünen, Windräder zu verhindern, die Vögel gefährden und Wälder verschandeln? Schon klar: Mancher gutsituierte Bürger gibt nur vor, für den Roten Milan zu kämpfen. Tatsächlich will er den Wertverlust seines Eigenheims verhindern. Aber für die Grünen spielen diese Motivlagen keine Rolle. Im Ergebnis enttäuschen sie die Erwartungen vieler Wähler.

          Ob dies der Grund dafür ist, dass CDU und SPD in Wiesbaden so großen Gefallen an der Windenergie finden? Zwingende Argumente gibt es dafür nämlich nicht. Seit der Sitzung des Umweltausschusses ist eine wichtige Zahl unstrittig: Mit den Anlagen, die auf dem Taunuskamm entstehen könnten, ließe sich nicht einmal ein Prozent des gesamten Wiesbadener Energiebedarfs decken.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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