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Windpark Heidenrod : Mit 110 Tonnen über die marode Brücke

  • -Aktualisiert am

Überlange: Ein Tieflader bringt einen Mast für das Windrad auf die Höhe bei Heidenrod. Bild: Kaufhold, Marcus

36 Schwertransporte bringen die Teile für den Windpark nach Heidenrod. Der erste Konvoi hat nach einer nächtlichen Fahrt sein Ziel erreicht.

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          Der größte Windpark der Region geht mit mehreren Wochen Verspätung ans Netz. Das ehrgeizige Ziel, dass sich im Windpark Heidenrod schon Ende Oktober der erste Rotor drehen sollte und dass bis zum Jahresende alle zwölf Windkraftanlagen Windstrom ins öffentliche Netz einspeisen, lässt sich nach diversen Verzögerungen nicht erfüllen. Vor allem die Anfahrtswege für die bis zu 110 Tonnen schweren Transporte zu den Standorten nördlich von Kemel und westlich der Bundesstraße 260 erwiesen sich als Hürde, nachdem Wiesbaden die Fahrt durch seine Innenstadt verweigert hatte. Bei der Suche nach Alternativen waren sogar Routen durch die Taunussteiner Stadtteile in Erwägung gezogen worden.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Die 36 aus dem Nordwesten kommenden Schwertransporte nehmen nun aber doch die Strecke über die Autobahn 3 bis zum Wiesbadener Kreuz und dann über die A 66 bis nach Walluf. Dort geht es über die B 260 in den Untertaunus weiter. Die ersten sechs Schwertransporter sammelten sich am späten Montagabend am Parkplatz Theißtalbrücke der A 3 bei Niedernhausen. Von dort fuhren sie, eskortiert von der Polizei, weiter. Mit dabei waren auch Ingenieure von Hessen Mobil, denn als erster „Knackpunkt“ der Route galt die zum Abbruch und Wiederaufbau vorgesehene, rund 300 Meter lange Salzbachtalbrücke (A 66) am Klärwerk Wiesbaden. Dort wurde der Konvoi auf fünf Stundenkilometer heruntergebremst und kroch dann leicht versetzt über die marode Brücke, die eigentlich nicht mehr für derart hohe Lasten zugelassen ist. Die Autobahn war zu diesem Zeitpunkt gesperrt.

          Beim Aufbau könnte Wind Probleme bringen

          Kurz vor 3 Uhr trafen die ersten Schwertransporter nach der Fahrt durch die abschnittsweise steil ansteigende B 260 im Heidenroder Wald ein, die letzten erreichten ihr Ziel gegen 4.30 Uhr. Das Polizeipräsidium Westhessen sprach von einem glatten Verlauf ohne besondere Vorkommnisse. Udo Zindel, Bauamtsleiter von Heidenrod und einer der beiden Geschäftsführer der Windenergiepark Heidenrod GmbH, zeigte sich erleichtert. Er hoffe, dass nach der gelungenen Premierenfahrt die weiteren Transporte in den nächsten Wochen zügiger den Bestimmungsort erreichten.

          Hoch hinaus: Der Rotor (im Vordergrund) wir in 140 Meter Höhe befestigt.

          Das Hochziehen der ersten Gondel auf die Nabenhöhe von 140 Meter verzögerte sich allerdings, weil die Seile der Kräne vereist waren. Nun muss man an der Baustelle auf wärmere Temperaturen warten. Auch starker Wind könnte den Aufbau behindern. Zindel geht dennoch davon aus, dass am Wochenende die beiden ersten Windräder Nummer sechs und acht vom Typ GE 2.5-120 vollständig aufgebaut sind und sie nach Sensoren-Tests und Probeläufen in spätestens einer Woche den ersten Strom liefern.

          „Wir sind jetzt in Gottes Hand“

          So zügig wird das allerdings nicht mit allen zwölf Anlagen gelingen. Für die von der Gemeinde und der Süwag gegründete Windenergiepark-Gesellschaft bedeutet das einen Einnahmenausfall, denn nach den ursprünglichen Plänen hätte schon im November das erste Geld aus dem Stromverkauf fließen sollen. Wer für die Verzögerung verantwortlich ist, darüber „wird am Ende des Tags noch einmal zu reden sein“, sagte Zindel. Er erwartet einen jährlichen Stromertrag von 90 Millionen Kilowattstunden. Heidenrod will daraus einen jährlichen Erlös von 800.000 Euro einstreichen.

          Zindel ist Kummer gewohnt. Schon die Genehmigung des Windparks traf so spät ein, dass die Wirtschaftlichkeitsberechnungen an eine zwischenzeitlich in Kraft getretene Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes mit abgesenkter Einspeisevergütung angepasst werden mussten. Die Gesellschaft muss deshalb, über die gesamte Laufzeit gesehen, auf Millionenerlöse des 56 Millionen Euro teuren Parks verzichten.

          Wie bald der Windenergiepark mit seiner Nennleistung von 30 Megawatt tatsächlich Strom liefert, hängt vor allem vom Wetter ab: „Wir sind jetzt in Gottes Hand“, sagte Zindel mit Blick auf die Unwägbarkeiten bei der Aufstellung der Pylone und dem Anbringen der 60 Meter langen Rotoren. In der Windpark-Gesellschaft und in der Gemeinde sei „die Stimmung aber nach wie vor gut“, sagte Zindel, der sich erstaunt zeigt, wie viele Bürger an der Entstehung des Projektes Anteil nehmen. Er wertet das als gutes Zeichen und als Erfolg der breit angelegten Informationskampagne, mit der es gelungen sei, die Bürger auf dem Weg zur lokalen Energiewende mitzunehmen.

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