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Windenergie : Windräder im Wald entzweien Naturschützer

  • -Aktualisiert am

Nicht nur diese Anlage in der Windparkanlage Wolkenwehe, auch der Rheingau-Taunus zählt zu den drei Kreisen in Hessen, die für die Nutzung der Windenergie besonders geeignet sind. Bild: dpa

Was der BUND befürwortet, löst bei Vogelschützern und Naturschutzbund zumindest zwiespältige Gefühle aus - bis hin zur offenen Ablehnung.

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          Schon ein Blick auf die Windressourcenkarte der Landesregierung genügt. Er bestätigt die Einschätzung von Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich (CDU), wonach der Rheingau-Taunus zu den drei Kreisen in Hessen zählt, die für die Nutzung der Windenergie besonders prädestiniert sind. Der Hinterlandswald als das größte zusammenhängende Waldgebiet des Bundeslandes und das zum Rhein hin abfallende Rheingaugebirge sind im Hinblick auf den zu erwartenden Stromertrag ideal für die Aufstellung von bis zu 180 Meter großen Windrädern. Wenn zu den bislang knapp 700 Anlagen im Land tatsächlich weitere 1.500 kommen müssen, um die Energiewende zu schaffen und zwei Prozent der Landesfläche für die Erzeugung von Strom aus Windkraft zur Verfügung zu stellen, dann fällt dem Rheingau-Taunus eine bedeutsame Rolle zu.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Weithin sichtbare Windräder auf den bis zu 600 Meter hohen Kammlinien des Hinterlandswaldes werden also kaum zu vermeiden sein, wenn Hessen bis 2050 tatsächlich seinen Bedarf an Strom und Wärme vollständig aus erneuerbaren Energien decken will. Die Klimaschutzziele des Kreises sind sogar noch ehrgeiziger. Landrat Burkhard Albers (SPD) sind „20 Windräder lieber als ein Atomkraftwerk“, und mit dieser Position stellt er sich hinter den SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel. Für den ist die Energiewende nämlich keine ästhetische Frage. Er sagt, „ohne massiven Zubau von Windrädern“ werde es nicht gehen.

          Ohne massiven Zubau von Windrädern werde es nicht gehen

          Zu diesem Ergebnis ist auch eine Arbeitstagung des Kompetenzzentrums für Erneuerbare Energien in Geisenheim gekommen. Nach seiner Meinung sind rund 100 Windräder im Kreis zur Deckung des Strombedarfs ausreichend. Dazu werden Standorte im Wald benötigt, und die Förster haben zumindest auf Landesebene damit auch keine Schwierigkeiten. Carsten Wilke, Präsident des Deutschen Forstvereins und Abteilungsleiter im hessischen Forstministerium, stimmte in einem Interview mit dieser Zeitung der Auffassung zu, dass die höheren Mittelgebirgslagen bei der Suche nach Standorten für Windräder eine große Rolle spielen werden.

          In die sonst einige Front der Naturschutzverbände treibt das aber einen Keil. Während der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen deutlichen Ausbau der Windenergie für vereinbar mit Umwelt- und Naturschutz hält, sehen das andere Verbände sehr viel kritischer. Inzwischen streiten die Umweltverbände nicht nur darüber, ob Windräder bisweilen auch in FFH- oder Vogelschutzgebieten stehen dürfen, sondern auch über die Mindestabstände zu Siedlungen und Gehöften. Dabei sind in Hessen die Unterschiede in den Positionen größer als in Rheinland-Pfalz, wo BUND und Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in einer gemeinsamen Erklärung hervorheben, dass die Energiewende „nicht zum ökologischen Nulltarif“ zu haben und mehr Vogel- und Fledermausschlag unvermeidbar sei.

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