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Windenergie : Region Südhessen präsentiert Flächen für Windräder

Derzeit vorgesehene Standorte für Windkraftanlagen in Südhessen Bild: F.A.Z.

Der Wahlkampf macht es möglich: Die Fraktionen der Regionalversammlung haben sich einvernehmlich auf die Kriterien für Windvorranggebiete geeinigt und wollen darüber am Freitag beschließen.

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          Nach wochenlangem politischem Gezerre, nach welchen Kriterien die Plätze für Windräder im Regierungsbezirk Südhessen festzulegen sind, wollen sich jetzt überraschend einvernehmlich alle Fraktionen in der Regionalversammlung auf ein gemeinsames Vorgehen festlegen. Wie gestern bereits im Haupt- und Planungsausschuss beschlossen, erkennt die rot-grüne Mehrheit die bisher umstrittenen Vorgaben des Landesentwicklungsplans an. Danach muss der Mindestabstand zur Wohnbebauung nun 1000 Meter und die Windgeschwindigkeit in 140 Meter Höhe mindestens 5,75 Meter in der Sekunde betragen.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um die Funkfeuer und Radaranlagen der Deutschen Flugsicherung werden in einem Radius von drei Kilometern die Flächen als Standorte für Windräder ausgeschlossen. Damit folgen die Regionalplaner der Vorgabe einer europäischen Richtlinie zum Anlagenschutz in der Zivilluftfahrt. Die Deutsche Flugsicherung hatte zunächst pauschal einen 15-Kilometer-Radius um ihre Anlagen gefordert. Neben den Flugsicherungsanlagen wird auch eine Richtfunktrasse vom Odenwald nach Langen berücksichtigt und mit jeweils 100 Meter Abstand zu beiden Seiten von Windrädern frei gehalten.

          Planung dauert voraussichtlich bis 2015

          Mit diesen Vorgaben, die am nächsten Freitag von der Regionalversammlung beschlossen werden und dann auch in Form einer Karte im Internet vorliegen sollen, weist die Region in einem ersten Planentwurf auf insgesamt 2,8 Prozent der Fläche Vorranggebiete für die Windenergie aus. Würden die 15-Kilometer-Vorgaben der Flugsicherung berücksichtigt, stünden voraussichtlich nur noch rund zwei Prozent zur Verfügung.

          Beim Energiegipfel im November 2011 hatten sich die Landtagsfraktionen darauf verständigt, zwei Prozent der Landesfläche als Platz für Windräder auszuweisen, um die Energiewende zu erreichen. Der Eindruck, dass mit den derzeitigen Beschlüssen das Ziel des Energiegipfels erfüllt wird, ist nach Angaben von Fachleuten nicht zwingend richtig. Tatsächlich handelt es sich zunächst nur um einen Entwurf, der nun endgültig im November oder Dezember von den Regionalpolitikern im Regionalverband wie auch in der Regionalversammlung beschlossen werden soll. Danach, vermutlich von Februar an, wird dieser Entwurf des Teilplans erneuerbare Energien, wie das Planwerk offiziell heißt, für zwei Monate öffentlich ausliegen. Dann können Bürger, Städte und Gemeinden, Verbände, die sogenannten Träger öffentlicher Belange wie etwa der Naturschutzbund, aber auch die Deutsche Flugsicherung zu den jetzt definierten Windvorranggebieten Stellung nehmen. Erwartet werden mehrere hundert, wenn nicht sogar Tausende von Stellungnahmen. Diese müssen anschließend alle bewertet und möglicherweise in den Plan eingearbeitet werden. Anschließend wird eine zweite Offenlage mit den dann eingearbeiteten Änderungen folgen. Voraussichtlich Mitte 2015 könnte der Teilplan erneuerbare Energien als rechtliche Grundlage der Planung von der Region beschlossen und von der Landesregierung genehmigt vorliegen.

          Windreiche Areale würden nicht beachtet

          „Da wird sich noch sehr, sehr viel im Verfahren ändern “, hieß es gestern allenthalben. Die Erste Beigeordnete des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main, die Grünen-Politikerin Birgit Simon, hatte kürzlich die Öffentlichkeit wissen lassen, Experten hätten empfohlen, mit „dem Doppelten von dem, was am Ende herauskommen soll“, in ein Verfahren zu gehen.

          Wie viel Spielraum bei der Festlegung der Vorranggebiete vorhanden ist, zeigt sich allein am Beispiel der Windhöffigkeit, dem Windaufkommen an einem bestimmten Standort. SPD und Grüne hatten in den vergangenen Monaten immer wieder kritisiert, dass die vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Windpotentialstudie des TÜV Süd, die als Grundlage für die Festlegungen im Landesentwicklungsplan herangezogen wurde, ungenau sei. Damit würden auch durchaus windreiche Gebiete ausgeschlossen. Das hessische Wirtschaftsministerium hat deshalb dem Regierungspräsidium Darmstadt als Geschäftstelle der Regionalversammlung Südhessen mitgeteilt, dass es Ausnahmeregelungen geben könne. Wenn etwa Investoren zertifizierte Gutachten vorlegen könnten, wonach an dem von ihnen gewünschten Standort es auch so stark weht, dass in 140 Meter Höhe eine Windgeschwindigkeit von 5,75 Metern in der Sekunde erreicht wird, könnten diese Standorte als Windvorranggebiete bei der Offenlegung gemeldet und möglicherweise später im Plan berücksichtigt werden.

          Die Schwerpunkte für die Plätze für Windräder liegen dort, wo es Höhenlagen gibt: im Odenwald, im Rheingau-Taunus-Kreis, im östlichen Main-Kinzig-Kreis sowie in Teilen der Wetterau.

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