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Erneuerbare Energien : Es geht nicht nur um Windräder

Wie viel Fläche in Südhessen soll für Windkraft genutzt werden? Mit dieser Frage hat sich die Regionalversammlung beschäftigt. Bild: dpa

Über Windenergie wird in Hessen heftig diskutiert. Doch eigentlich geht es in der Auseinandersetzung um etwas anderes.

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          Wer hätte gedacht, dass die spannendere Diskussion über die Windenergie nicht unter den 99 Politikern der Regionalversammlung Südhessen geführt wurde, die im Frankfurter Römer tagten, sondern auf dem Platz davor? Denn dort trafen unverhofft Alt und Jung, Befürworter und Gegner der Windenergie aufeinander.

          Vertreter von Bürgeriniativen aus Odenwald und Spessart waren gekommen, um gegen die Entscheidung der Regionalpolitiker zu demonstrieren, mindestens 1,4 Prozent der Fläche Südhessens als sogenannte Vorranggebiete festzulegen, auf denen sich künftig ausschließlich die Windkraftanlagen im Rhein-Main-Gebiet drehen sollen.

          Kein Diskurs in der Regionalversammlung

          Auf der anderen Seite standen Schüler der „Fridays for Future“-Bewegung. Allein die Übermacht der Jugendlichen, sie waren sicherlich viermal so viele, hat dem Augenschein nach die rund 70 Windkraftgegner verschreckt und fast aggressiv werden lassen. Doch am Ende kamen die beiden Gruppen ins Gespräch. Ob sie sich gegenseitig überzeugt haben, bleibt offen.

          Anders in der Regionalversammlung. Dort findet schon lange kein Diskurs mehr zwischen denen statt, die die Windenergie grundsätzlich für Südhessen ablehnen, etwa mit dem Argument, es wehe nicht genug Wind, und denjenigen, die sich verpflichtet haben, den Ausbau zu steuern und auf bestimmte Flächen zu konzentrieren. Denn das Baugesetzbuch privilegiert den Bau von Windrädern überall im Außenbereich. Deshalb war vor Jahren von der Verspargelung der Landschaft die Rede.

          Doch wie am deutlichsten der SPD-Politiker Kai Gerfelder erläutert hat, geht es in der Auseinandersetzung nicht mehr nur um Windräder. Längst stehe insbesondere im Odenwald der Vorwurf im Raum, dass die „energiehungrige Metropole die Peripherie zur Resterampe“ mache. Und: Der Ballungsraum würde sich auf Kosten der ländlichen Regionen der „Windkraftproblematik“ entledigen. Gerfelder riet allen aus den Windrad-Regionen, bei ihrem nächsten Flug darüber nachzudenken, wem sie denn gerade die Nachtruhe stehlen würden.

          Tatsächlich zeigt die Auseinandersetzung um die Standorte für Windräder, dass es im Rhein-Main-Gebiet weiterhin vieles zu besprechen gibt. Etwa zwischen dem Ballungsraum und den sich abgehängt fühlenden ländlichen Regionen, aber auch zwischen den Generationen.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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