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Schmiergeld-Prozess : „Ich habe in der Zeit Flughäfen für 500 Millionen Euro gekauft“

  • -Aktualisiert am

Weiß aus seiner Fraport-Zeit von nichts: Wilhelm Bender, ehemaliger Fraport-Chef. Bild: dapd

Im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd hat der ehemalige Fraport-Chef Wilhelm Bender das Wort. Er sollte die Frage, ob er etwas von den Machenschaften beim Verkauf der Grundstückrechte wusste, beantworten.

          Wer Vorstandsvorsitzender der Fraport-AG ist, hat sicher keinen Überblick über jedes Detail im Unternehmen. Aber weiß er auch nichts davon, wenn beim Verkauf von Erbbaurechten für Grundstücke in der Cargo City Süd Provisionsverträge geschlossen werden, die Fraport jeweils rund eine Million Euro Gewinn bescheren? Diesen Eindruck versuchte Wilhelm Bender, bis September 2009 Fraport-Chef, vor dem Landgericht zu erwecken. „Ich habe gar nichts aus der Fraport-Zeit“, sagte der 70 Jahre alte ehemalige Manager, der heute als Unternehmensberater arbeitet, und meinte damit grob: keine Erinnerungen, keine Akten.

          In dem Korruptionsprozess um die Cargo City Süd sind unter anderen die Immobilienkaufleute Ardi Goldman und Jürgen Harder angeklagt, den Fraport-Mitarbeiter Volker A. bestochen zu haben. Das Schmiergeld soll im hohen sechsstelligen Bereich gelegen haben. Harder und Partner haben die Bestechung weitgehend eingestanden, Goldman bestreitet sie.

          Bender: „Der Markt hat es hergegeben“

          Neben dem mutmaßlichen Schmiergeld spielt noch eine sogenannte „Developer Fee“ eine Rolle. Das ist eine Provision in Höhe von je 987.000 Euro, die Fraport ganz offiziell von Harder und Goldman verlangt hat – einfach so, oder wie ein Fraport-Manager sagte: Man habe etwas von den zu erwartenden Projektentwicklungsgewinnen abhaben wollen.

          Ähnlich argumentierte Bender. Der Markt habe es hergegeben, „warum sollte Fraport es da nicht versuchen?“ Der Verteidiger des der Bestechlichkeit angeklagten Fraport-Mitarbeiters macht im Prozess immer wieder deutlich, dass er zumindest wettbewerbsrechtliche Bedenken gegen die „Developer Fee“ hegt. Die Staatsanwaltschaft interessiert sich für diesen Teil der Seltsamkeiten um die Cargo City Süd kaum.

          Bender wies von sich, darin verwickelt gewesen zu sein. „Ich habe in dieser Zeit Flughäfen für 500 Millionen Euro gekauft“, sagte er. Da sei keine Zeit für die Details von Erbbaurechten geblieben. Und dann sagte er noch einen Satz, der sich seltsam anhörte, selbst für einen Vorstandschef, der tatsächlich nicht alles wissen kann: „Ich habe es abgelehnt, dass Verantwortung auf mich abgewälzt wird.“

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