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Wildplakatierer : Gute Geschäfte mit verbotener Werbung

  • -Aktualisiert am

Für manche anstößig, in jedem Fall nicht erlaubt: wild angebrachte Plakate im Frankfurter Osten. Bild: Fricke, Helmut

Wer illegal Plakate klebt, spart Geld - viel Geld. Strafen schrecken da kaum ab. Die Stadt kämpft mit anderen Mitteln.

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          Seit zwei Jahren wohnt Katrin E. mit ihrer Familie in Frankfurt. Täglich fährt sie zweimal die Hanauer Landstraße entlang, um ihre Kinder zum Kindergarten zu bringen. Dort wirbt der Saunaclub FKK Mainhattan regelmäßig mit nackten Frauen in eindeutigen Posen für sein Angebot. „Ich finde es unverantwortlich, dass Kinder und Jugendliche sich zwangsläufig diese Plakate ansehen müssen“, sagt die Mutter. Die Stadt bekomme immer häufiger Beschwerden wie diese, sagt Peter Postleb von der Stabstelle Sauberes Frankfurt. In den Klagen geht es vor allem um den Inhalt der Plakate. Aber auch unabhängig davon, was sie zeigt, ist die Werbung an Bauzäunen, Laternenpfählen und leerstehenden Häusern illegal: Sie wurde unangemeldet von sogenannten Wildplakatierern angebracht.

          Das, was auf den Plakaten zu sehen ist, muss nicht verboten sein. Das weiß auch die Stadtverordnete Anneliese Scheurich (SPD). In einer Anfrage ihrer Fraktion im Römer geht es deshalb auch weniger um Sexismus und mehr um Beseitigungsverfügungen. Die SPD will vom Magistrat wissen, wie oft unerlaubtes Plakatieren in Frankfurt vorkommt und welche Kosten der Stadt dadurch entstehen. Es sei nicht verständlich, dass gegen die illegalen Plakatierer keine Geldbußen erhoben würden, heißt es weiter.

          Ein Dauerproblem mit saisonalen Schwankungen

          Nach Angaben von Peter Postleb geschieht das längst. Zwar kann die Bußgeldstelle beim Ordnungsamt keine genauen Zahlen nennen. Jedoch zeigen sowohl die Stadtpolizei als auch die Stabstelle Sauberes Frankfurt regelmäßig die unerlaubt Werbetreibenden an. „Illegale Plakate sind ein Dauerproblem mit saisonalen Schwankungen“, sagt Postleb. Außer Unternehmen wie FKK Mainhattan kleben vor allem Diskotheken und Clubs für ihre Veranstaltungen verbotenerweise Plakate. Um die Jahreswende und zu den Feiern am 1. Mai gibt es davon stets besonders viele.

          Das Bußgeld schreckt die illegalen Plakatierer laut Postleb aber kaum ab. 110 Euro müssen sie beim ersten Mal zahlen, bei Wiederholungen können Strafen von bis zu 2000 Euro verhängt werden. Aber auch dann lohnt sich die illegale Werbung noch. Die Ströer AG hat in Frankfurt das Monopol auf Außenwerbung. Nach ihren Angaben müsste ein Unternehmen wie FKK Mainhattan monatlich für rund 150 Plakate zwischen 5000 und 10 000 Euro zahlen.

          Allerdings ist die Werbung mit Motiven, wie sie FKK Mainhattan und ähnliche Etablissements wählen, ein Spezialfall. Der Kodex des Deutschen Werberats untersagt sexistische und sittenwidrige Reklame. Ströer hat sich diesem Kodex verpflichtet. FKK Mainhattan würde nach Auskunft einer Ströer-Sprecherin keine Flächen der Firma bekommen - selbst, wenn der Saunaclub wollte. Außer dem wirtschaftlichen Vorteil ist das ein weiteres Argument, um auf illegale Plakate auszuweichen. FKK Mainhattan selbst will sich nicht zu seinen Plakataktionen äußern.

          Spezialisiert auf rechtliche Grauzonen

          Wirtschaftlich geschädigt wird die Stadt von Wildplakatierern nur indirekt. Sie vermietet ihre Werbeflächen zu einem jährlichen Festpreis, einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag, an Ströer. Dennoch stört sie sich an illegalen Plakaten. Die seien oft so angebracht, dass sie Autofahrern und Radfahrern die Sicht versperrten, sagt Postleb. Zudem würden die Pappen nicht wieder abgeholt, verwitterten und drohten herunterzufallen. Solche Gefahren sind für die Stadt ein Hebel, der nach Ansicht von Postleb wirksamer gegen illegales Plakatieren ist als die geringen Strafen: Per Beseitigungsverfügung kann seine Stabsstelle in Zusammenarbeit mit dem Straßenbauamt die Plakate innerhalb weniger Tage entfernen.

          Jedoch hat die Stadt keinen Zugriff auf die Fassaden leerstehender Häuser oder auf Bauzäune, die auf einem Grundstück stehen, das ihr nicht gehört. Es gibt Werbefirmen, die diese Grauzonen kennen und sich auf illegales Plakatieren spezialisiert haben. Derzeit klagt die Stadt gegen eines dieser Unternehmen. Ende des Monats wird vor dem Amtsgericht verhandelt.

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