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Wildpark in Mainz Gonsenheim : Kluge Rothirsche und kleine Wildschweine

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Neugier auf beiden Seiten: Der Futterverkauf ist die einzige Einnahmequelle des Wildparks in Gonsenheim. Bild: Cornelia Sick

Seit fast 60 Jahren gibt es den Wildpark in Mainz-Gonsenheim. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel – nicht zuletzt von Familien mit kleinen Kindern. Das liegt auch daran, dass der Eintritt frei ist.

          Die Rothirschkuh hat sich strategisch klug positioniert: Im großen Gehege harrt sie an einer Stelle aus, an der meist besonders viele Besucher vorbeikommen. Denn das kluge Tier weiß, dass etliche Zweibeiner Futterpellets dabeihaben. So wie der kleine Junge, der mit seinem Vater im Schlepptau das Gehege erreicht. Mit großen Augen bleibt der Bub vor der Hirschkuh stehen, um sie dann, nachdem die erste Scheu überwunden ist, jauchzend zu füttern.

          Der Gonsenheimer Wildpark am Rande des Lennebergwalds scheint vor allem bei Familien mit kleinen Kindern beliebt zu sein, wie ein Rundgang zeigt. „Das ist die Hauptzielgruppe“, bestätigt Norbert Rudloff, Abteilungsleiter im Mainzer Umwelt- und Grünamt. Doch sei die Anlage „ein Ausflugsziel für alle Mainzer“. So berichtet Rudloff von Rentnern, die täglich in den Park an der Kirchstraße kämen, um ihre Lieblingstiere zu sehen. Laut Mitarbeiterin Petra Tumello gibt es auch Besucher von außerhalb, etwa aus Oppenheim, Guntersblum und Wiesbaden.

          Luchsgehege noch nicht finanzierbar

          Verglichen mit anderen Wildgehegen ist die Anlage in Mainz-Gonsenheim mit einer Fläche von 30 000 Quadratmetern nicht sonderlich groß. Doch das macht das in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Jägern aufgebaute und später von der Kommune übernommene Wildgehege mit verkehrsgünstiger Lage, kurzen Wegen, freiem Eintritt und komfortablen Öffnungszeiten wett. „Der Park ist 365 Tage im Jahr 24 Stunden begehbar“, sagt Rudloff. Möglich macht das ein frei zugänglicher Rundweg, über den sich alle Gehege rasch erreichen lassen. Lediglich der „Minizoo“, in dem man Tiere aus nächster Nähe sehen kann, ist nur von 10.30 bis 16 Uhr geöffnet.

          18 Arten mit insgesamt 150 Tieren sind im Gonsenheimer Wildpark zu Hause. Ziel des Wildgeheges sei es, vor allem heimische Wildtiere zu zeigen, sagt Rudloff. So tummeln sich in der Anlage Wildschweine sowie Dam-, Muffel- und Rotwild, außerdem Gänse und Wildkatzen. Doch der Wildpark gibt auch Geschöpfen, die auf der Roten Liste gefährdeter Haustierrassen stehen, eine Heimat: Etwa der vom Aussterben bedrohten Thüringer Waldziege, dem Wollschwein und dem Lakenfelder Huhn. Luchse leben seit rund zehn Jahren nicht mehr im Gonsenheimer Wildpark.

          Das Gehege entsprach nicht den aktuellen Anforderungen, weshalb man es nach dem Tod der betagten Tiere nicht mehr mit Luchsen besetzte. Laut Rudloff steht die Idee eines neuen Luchsgeheges immer noch im Raum; auch Fläche sei dafür vorhanden. Doch ließen sich die für eine neue Anlage nötigen 250.000 bis 300.000 Euro derzeit nicht aufbringen. „Mäzene sind willkommen“, so der Dreiundfünfzigjährige.

          Einnahmen aus Futterverkauf

          Das ehemalige Luchsgehege hat seit 2008 neue Bewohner. Sie gehören zwar ebenfalls der Familie der Felidae an, sind aber deutlich kleiner. Die Rede ist von Wildkatzen. Vor ihrem Domizil müht sich gerade ein Familienvater, die scheuen Tiere auszumachen: Doch sie bleiben unsichtbar. Nebenan möchte ein Besucher für seine Kinder mit Hilfe imitierter Gackerlaute einen Zwerg-Phönix zu einer Reaktion bewegen. Doch der Hahn schaut ihn bloß verständnislos an.

          Irgendwann hat das Tier dann doch ein Einsehen und belohnt die Bemühungen des Mannes mit einem lauten „Kikeriki“. Ein Blick ins Wildschweingehege zeigt, dass außer ausgewachsenen Schwarzkitteln auch Frischlinge umherlaufen. Die sieben Schweinchen seien vor zweieinhalb Monaten zur Welt gekommen, sagt Tumello. Als nächstes stehe bei Ziegen und Rotwild Nachwuchs an.

          Organisatorisch verbunden ist der Wildpark mit den im Mainzer Stadtpark gelegenen Vogelanlagen, in denen elf Arten mit 250 Tieren leben. Im Wildpark befindet sich zudem eine Auffangstation für verletzte heimische Greifvögel. Um Park und Vogelanlagen kümmern sich sieben Mitarbeiter, verteilt auf sechs Vollzeitstellen. Die Kosten lassen sich laut Rudloff nicht genau beziffern. Für Futter, Ausstattung oder Tierarzthonorare stünden jedes Jahr 50 000 bis 70 000 Euro zur Verfügung. Einnahmen erziele man aus dem Futterverkauf.

          Park jederzeit zugänglich

          Außerdem gebe es einen Förderverein, der in den vergangenen Jahren unter anderem neue Dächer sowie den Kauf von Tieren und Futterautomaten mitfinanziert habe. Pro Jahr, so Rudloffs Hochrechnung auf Basis der Futterverkäufe, dürften rund 200.000 Personen den Wildpark besuchen. Die vor einigen Jahren in Betracht gezogene Erweiterung der Anlage sei momentan kein Thema. Man konzentriere sich vielmehr darauf, Verbesserungen auf der vorhandenen Fläche zu erzielen. „Klein, aber fein“, sagt Rudloff.

          Zu den regelmäßigen Wildpark-Besuchern zählt Familie Schmidt vom Hartenberg. Während der sechsjährige Elias unter anderem die Wildkatzen schätzt, kann sich seine Schwester Emily, vier Jahre, nicht für ein Lieblingstier entscheiden. „Sehr gut“ gefalle der Familie der Park, berichten die Eltern. Schön finden sie etwa, dass der Eintritt frei und der Park jederzeit zugänglich sei. „Das ist ideal, wenn man in der Gegend wohnt.“ Auch Svetlana Landgraf und ihre zwei Jahre alte Tochter Lena aus Finthen sind oft im Wildpark zu Gast. „Ich finde es gut, dass es so etwas gibt.“ Schade sei jedoch, dass der Minizoo relativ früh schließe.

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