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Wildpark Hanau : Abschied von letztem Polarwolf

Ruhebedürftig: Das Foto zeigt Wolf Scott an seinem 15. Geburtstag Anfang Mai. Bild: Wildpark Alte Fasanerie

Eine Ära im Wildpark in Hanau ist zu Ende: Nach dem Tod der Geschwister Ayla und Khan ist auch der letzte weiße Wolf Scott eingeschläfert worden.

          Der vermutlich älteste Polarwolf Deutschlands ist tot. Erst vor einigen Tagen wurde Scott, letzter des aus drei Geschwistertieren bestehenden Polarwolfrudels im Wildpark Alte Fasanerie in Hanau-Klein-Auheim, noch 15 Jahre alt. Ein nahezu biblisches Alter für ein Tier, das in der freien Wildbahn mit sieben oder acht Jahren zu den Greisen eines Rudels zählen würde. „Die Kraft war einfach zu Ende“, berichtete Scotts Ziehmutter, die Wildbiologin Marion Ebel, die gestern den Tod ihres Schützlings bekanntgab.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Eingeschläfert wurde Scott am Donnerstag vergangener Woche. Auch wenn manche Naturschützer der Haltung von Wölfen in Tierparks skeptisch gegenüberstehen und auch der Hanauer Wildpark nicht von Kritik verschont blieb, besteht doch kein Zweifel, dass Scott und seine beiden Geschwister Ayla und Khan ein gutes Leben in dem großflächigen Gehege des Wildparks hatten. So führten sie immer wieder mit Begeisterung bei den legendären Wolfsheulnächten einem stattlichen Publikum ihren Gesang vor. Hätten sie das nicht genossen, hätte sie es nicht getan, denn zum Heulen kann man keinen Wolf zwingen.

          Vom ersten Tag an waren die drei kleinen Wölfe die Sensation im Hanauer Wildpark. Geboren wurden sie laut Ebel am 9. Mai 2004 im Zoo in Stralsund. Weil die Mutter ihren Nachwuchs nicht annahm, kamen Scott, seine Schwester Ayla und sein Bruder Khan zehn Tage später in die Alte Fasanerie. Dort zog Marion Ebel sie mit der Flasche groß, rettete ihnen das Leben und legte den Grundstein für eine jahrelange, enge Verbindung zu dem Wolfstrio. Scott wurde der Chef des Rudels, er erfüllte seine Aufgaben mit „Ausdauer und Stärke, mit Präsenz und Dominanz“, so Ebel. In jungen Jahren sei seine Durchsetzungsfähigkeit legendär und sein Wille absolut fordernd gewesen. Mit den Jahren sei der Polarwolf nachsichtiger, aber auch gebrechlicher geworden.

          Alter Alphawolf

          Einen schweren Schlag versetzte dem alternden Wolf der sieben Jahre jüngere Inuq, der ebenfalls mit zwei Geschwistern von Ebel aufgezogen worden war, nachdem die Mutter in einem anderen Wildpark ihren Nachwuchs nicht hatte säugen wollen. Die Zusammenführung der beiden Rudel war nach einer Übergangszeit zunächst gut gelungen. Doch dann kam es zu heftigen Revierstreitigkeiten. Im Jahr 2013 löste Inuq Scott nach einer schweren Beißerei als Alphatier ab. Dabei wurde Scott schwer verletzt und brauchte lange, um wieder auf die Beine zu kommen. Die drei jüngeren Wölfe wurden damals in ein anderes Gehege versetzt. Kurz vor Weihnachten des Jahres 2017 überlebte Scotts Schwester Ayla eine Operation an einer verwundeten Pfote nicht. Nun war Scott allein, denn im Jahr zuvor musste Khan eingeschläfert werden. Auch Scott war damals schon schwach, sein Gehör ließ nach, und er musste Medikamente einnehmen. Eigentlich wollte Scott dann nur noch seine Ruhe, berichtet Ebel, die ihren Schützling jeden Tag besuchte.

          Die Wolfsgeschwister Monja, Inuq und Aslan, mit acht Jahren auch schon betagte Wölfe, sollen nun wieder in das große Gehege mit dem Hügel einziehen, auf dem früher das Wolfsheulen stattfand. Scott war dort bis zuletzt untergebracht, damit er seine gewohnte Umgebung nicht verlassen musste. Ebel ist zuversichtlich, dass sich die drei Wölfe nach einem möglichst schonenden Umzug dort wieder gut einleben werden. Vielleicht gelingt es mit ihnen, die Tradition des Wolfheulens wieder aufleben zu lassen. Ein Versuch im Januar war nicht gescheitert, aber das Heulen war doch noch recht verhalten. Wenn die drei mit Ebel auf dem Wolfshügel stehen, könnte sich das ändern. Aber zunächst müssen sich Monja, Inuq und Aslan wieder an die vielen Menschen gewöhnen. Ihr derzeitiges Gehege ist doch ziemlich abgelegen, so dass größere Besucherzahlen dort nicht an der Tagesordnung sind.

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