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Artenschutz : Wildkatzen auf der Spur

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Scheues Tier: eine Wildkatze Bild: dpa

Naturschützer wollen nachweisen, dass Wildkatzen in der östlichen Wetterau heimisch sind. Doch noch steht der Beweis aus.

          2 Min.

          Auf Spurensuche nach einem seltenen und zudem scheuen Waldbewohner begibt sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Raum Büdingen. In Zusammenarbeit mit dem für dieses Gebiet im Osten der Wetterau zuständigen Forstamt Nidda und unterstützt von Jagdpächter und Kommunen werden in den nächsten Wochen Lockstöcke aufgestellt, die dabei helfen sollen, Vorkommen von Wildkatzen nachzuweisen. Bei diesen Lockstöcken handelt es sich um Dachlatten, die in den Boden eingebracht und mit Baldrian besprüht werden.

          Denn diese üben auf Wildkatzen vor allem während der Paarungszeit besondere Anziehungskraft aus. Die Tiere reiben sich an dem Holz und lassen dabei Haare. Durch genetische Untersuchungen lässt sich dann feststellen, ob die Haare von dieser Spezies stammen, die sich tagsüber zumeist in Verstecken aufhält und nachts auf Jagd geht.

          Mit der Lockstock-Methode war es vor ein paar Jahren schon gelungen, Wildkatzen im Büdinger Wald nachzuweisen. Wobei es sich aber stets um Einzelfunde handelte, wie Susanne Steib, Leiterin des Wildkatzenprojekts beim BUND Hessen erläutert. Bei der nun anstehenden Untersuchung wollen die Wildkatzenexperten mithilfe eines weiter gespannten Netzes von Lockstöcken herausfinden, ob sich im Terrain zwischen Büdingen, Kefenrod und Ortenberg noch mehr Wildkatzen aufhalten, die Gegend möglicherweise als dauerhafter Lebensraum fungiert. Das Gebiet bildet einen Korridor zwischen Spessart und Vogelsberg, wo verschiedene Vorkommen nachgewiesen wurden. Sollten sich im Büdinger Wald mehr als vereinzelte Exemplare nachweisen lassen, könnte unter anderem der Nachweis gelingen, dass sich die Tiere über Wanderungen ausbreiten.

          Fast ausgerottet, breiten sich Wildkatzen wieder aus

          Der BUND engagiert sich mit dem Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ für den Schutz dieser gefährdeten Tiere und ihres Lebensraums. Einst weit verbreitet und dann vor allem durch Bejagung fast ausgerottet, steht die Wildkatze mittlerweile unter strengem Artenschutz und kann sich langsam wieder ausbreiten. Schätzungsweise leben in Hessen wieder rund 1000 Wildkatzen. Heute besteht für die Spezies Gefahr vor allem durch die Zivilisation: Straßen zerschneiden Wälder, Siedlungen und ausgeräumte Ackerlandschaften tun ein Übriges, dass viele Rückzugsgebiete voneinander isoliert liegen. Was die Populationen anfällig mach für Inzucht und Krankheiten.

          Ziel ist es daher, Waldstücke wieder miteinander durch sogenannte grüne Korridore zu verbinden, die etwa mit Bäumen und Hecken bepflanzt werden. Was den Tieren zusätzlichen Lebensraum verschafft, Austausch unter Populationen ermöglichen und somit die Bestände langfristig stabilisieren und vergrößern soll.

          Parallel dazu hat sich der BUND zur Aufgabe gemacht, die Bestände und deren Ausbreitung zu erfassen. Eine Gendatenbank, die in Kooperation mit dem Zentrum für Wildtiergenetik beim Forschungsinstitut Senckenberg entwickelt wurde, dokumentiert die Entwicklung der Vorkommen und Wanderungen, was auch dazu dient, den Schutz der Tiere weiter zu verbessern. Für den Nachweis haben sich dafür besonders Lockstöcke bewährt.

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