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Wildkatzen im Taunus : 180 Haarproben dank Baldrian

Gefährdete Samtpfote: eine Wildkatz in einem hessischen Waldstück Bild: dpa

Naturschützer haben Wildkatzen im Hochtaunus angelockt, um an ihr Genmaterial zu kommen. Das soll einen Überblick über die hessische Population ermöglichen.

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          Die Helfer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) brauchen Geduld und ein gutes Auge, denn sie sammeln im Wald Tierhaare auf. Dabei haben es die Naturschützer im Taunus auf Fellreste von Wildkatzen abgesehen, um dieser seltenen Art auf die Spur zu kommen. Aus den Haaren lassen sich genetische Informationen gewinnen, wie Susanne Steib, Projektmanagerin beim Bund Hessen, erläutert. Die Naturschützer wollen nach ihren Worten ein genetisches Profil der heimischen Wildkatze erstellen. Diese Daten erlauben es zum Beispiel, die Dichte der Population zu schätzen oder Erkenntnisse über Wanderungsbewegungen zu gewinnen.

          Jan Schiefenhövel
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um an Haarproben zu kommen, müssen die Tiere erst einmal angelockt werden. Dazu haben die Naturschützer „Lockstöcke“ im Wald platziert. Die in den Boden gesteckten Holzlatten sind mit Baldrian präpariert, einem Duftstoff, der Katzen anzieht. Diese lieben den Geruch so sehr, dass sie sich an dem Holz reiben und so Haare hinterlassen.

          180 Haarproben von 50 Lockstöcken

          Bei der Wildkatzenerfassung in den Wäldern zwischen Bad Camberg und Weilrod wurden in den vergangenen Monaten 180 Haarproben von 50 Lockstöcken gesammelt, wie Steib berichtet. Bei der Suche nach den Haaren haben Freiwillige des BUND, Jäger und Förster geholfen. Die Lockstöcke waren über ein Gebiet von 100 Quadratkilometern verteilt.

          Die Zahl der Proben ist eine „gute Ausbeute“, wie Steib sagt. Allerdings müssen zunächst die Haare von Wildkatzen von denen anderer Wildtiere unterschieden werden, weil sich auch Rehe oder Wildschweine an den Stöcken reiben. Dazu werden die gesammelten Haare beim Fachbereich Wildtiergenetik der Frankfurter Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung untersucht. Dann erst kann das genetische Profil der Taunus-Wildkatze erstellt werden. Die Ergebnisse werden für den Herbst erwartet.

          Die Bestandaufnahme im Taunus steht nicht für sich allein. Vielmehr ist sie Teil eines Monitorings in ganz Deutschland, das vom Bundesamt für Naturschutz initiiert wurde, wie Yvonne Henky, Wildkatzen-Expertin beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, erläutert. Nach ihren Worten kann so der Wildkatzenbestand über die Jahre beobachtet werden. Die Ergebnisse fließen in die Bewertung des Erhaltungszustands der Wildkatze in Deutschland ein, die nach dem Naturschutzgesetz streng geschützt ist.

          Durchlässe für Bäche

          In Hessen leben nach einer Schätzung des Bundes für Naturschutz rund 1000 Wildkatzen. In der Vergangenheit wurden sie durch intensives Bejagen fast ausgerottet. Weil die Art nun unter Schutz steht, kann sie sich wieder langsam ausbreiten. Der Straßenverkehr ist heute die größte Gefahr für die freilebenden Katzen, wie Steib sagt. Das sei an den zahlreichen überfahrenen Tieren abzulesen.

          Deshalb seien Möglichkeiten für das sichere Queren einer Straße wichtig für das Überleben der Art. Die Katzen bräuchten dazu zum Beispiel Grünbrücken, von denen es aber nur wenige gebe. Unterführungen für Feldwege unter Autobahnen oder Durchlässe für Bäche seien ebenfalls eine Hilfe. Häufig sei die Landschaft von Autobahnen und anderen Straßen sowie Ackerflächen zerschnitten. Das hindere die Wildkatze an der Ausbreitung. Gelinge es, die Wälder durch grüne Korridore miteinander zu vernetzen, könnten die Wildkatzen wandern. Das ermögliche sogar einen genetischen Austausch zwischen verschiedenen Populationen.

           

           

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