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Wild Beauty AG : Seine Kunden lädt der Chef ins Haircamp ein

  • -Aktualisiert am

Erfolgreich: Reinhold Wild vor den Haarpflegemitteln seiner AG. Bild: Kaufhold, Marcus

Mit Paul-Mitchell-Produkten versorgt die Wild Beauty AG exklusiv die Friseure in vier europäischen Ländern.

          Erst L’Oreal, dann Procter&Gamble und dann schon Reinhold Wild mit seiner Wild Beauty AG. Das Geschäft mit Haarpflegeprodukten, die nur über Friseure verkauft werden, ist überschaubar. Hier hat Wild eine lukrative Nische gefunden. Er vertreibt exklusiv die Shampoos, Festiger, Haarfärbemittel der Marke Paul Mitchell in Deutschland, Österreich, Russland, der Türkei und in Tschechien. 25,6 Millionen Euro setzte er 2011 von seiner Zentrale in Seeheim aus um, zehn Prozent mehr als im Vorjahr, hat in Deutschland 4000 Salons als Kunden, in Österreich weitere 300.

          Das alles organisiert Wild Beauty mit 33 meist jungen Mitarbeitern, mit 19 selbständig operierenden Hauptvertretern, die wiederum insgesamt 37 Untervertreter steuern. In den nächsten fünf Jahren will Wild 8000 Friseursalons in Deutschland als Kunden gewinnen, das wären fast zehn Prozent des Gesamtmarkts von 86000 Salons. In Österreich gibt es weitere 8000. Wild Beauty ist in Seeheim-Jugenheim größter Gewerbesteuerzahler.

          Hauptvorgabe der Amerikaner

          Der Vorstandstandsvorsitzende Rheinhold Wild ist überall bekannt in der Bergstraßengemeinde, mischte er sich doch immer wieder in das Geschehen am Heimatort ein, engagierte sich in der Evangelischen Kirchengemeinde oder im Schwimmbadverein, half ein Gewerbegebiet auf der gründen Wiese zu verhindern. Er genießt seinen Spitznamen Robin Hair. Inzwischen tritt der 68 Jahre alte Unternehmer etwas kürzer, wasc auch einigen gesundheitlichen Rückschlägen geschuldet ist. Seinen 26 Jahre alten Sohn Noah nahm er vor einigen Jahren mit in die Firmenleitung auf, übertrug ihm das operative Geschäft. Seine Frau ist Aufsichtsratsvorsitzende der AG, zwei weitere Familienmitglieder gehören dem Aufsichtsrat an. Jetzt hofft Wild, dass auch die noch studierende Tochter sich für das Unternehmen entscheidet.

          Das Besondere an John Paul Mitchell Systems liegt darin, dass die nicht eben billigen Haarpflegeprodukte nur an Friseursalons geliefert werden, nicht an Drogerien, Supermärkte, Shops, Parfümerien. Dies ist die Hauptvorgabe der Amerikaner. Weil sie sich nicht um alles kümmern wollen, übertrugen sie das Europageschäft an Distributeure. Wild ist für fünf Länder zuständig, erzielt aber weit mehr Umsatz als der Kollege in England, der 27 Länder betreut, und jener in Italien, der auch die Balkanländer beliefert.

          Bis zu 15 Monatsgehälter zahlt Wild seinen Angestellten

          Mitchell hatte in den siebziger Jahren auf Hawai mit Extrakten reiner Pflanzenwirkstoffe eine Haarpflegeserie entwickelt, 1980 ein Unternehmen gegründet, das vom Produktionsort Los Angeles aus nur mit natürlichen Wirkstoffen und ohne Tierversuche weltweit seine Produkte verkauft und inzwischen auf der Welt einen Umsatz von 900 Millionen Dollar erzielt. In Los Angeles bestellt auch Wild Beauty. Angeliefert wird im Logistikzentrum in Gernsheim, von dort gehen die Pakete an die Besteller in den fünf Ländern. Rund 150 Produkte enthält der Katalog, gut 50 Farbnuancen für Haare, ferner 15 Shampoo-Sorten.

          327 sogenannte Flagshipstores in Deutschland zählt Wild. Zwar darf ein Friseur mehrere Marken führen, doch Wild versucht, dass er sich auf Paul Mitchell fokussiert, hilft nach mit seinen Angeboten, lädt ihn zum Haircamp, zu Schulungen und Seminaren, zu Großveranstaltungen, um die neuesten Trends im Friseurhandwerk zu verbreiten. Und Wild weiß, dass Friseure gerne reisen, nach Hawaii, nach Mallorca zu Veranstaltungen. Rabatt auf Mitchell-Produkte gibt es bei Wild nicht, wohl aber Punkte, die dann in Seminare oder Arbeitsgeräte umgesetzt werden können. So erhöht er die Bindung seiner Kunden. Außerdem kümmert er sich um die Werbung, für die er 15 Prozent des Umsatzes ausgibt. Das Marketing sei eine Erklärung für den Erfolg. Hier kann Wild auf Vorlagen aus der Zentrale in Beverly Hills greifen, hat somit Rechte auf Fotos von Hollywood-Schauspielern für Werbeseiten in Publikumszeitschriften. Und wenn er für eine Werbeserie eine Madonna-Aufnahme verwenden will, die schon einige Jahre alt ist, dann zahlt er dafür eben extra. Die amerikanische Zentrale lässt ihm dafür freie Hand, muss sich nicht mit Details in Europa herumschlagen. Sie profitiert auch davon, dass sich das Türkei- und Russlandgeschäft, das sich anfangs nicht allzu gut anließ, inzwischen Wild zufolge prächtig läuft. Erst seien die Amerikaner selbst in Russland tätig geworden, als aber die ersten eigenen Flaschen zu günstigen Preisen wieder in Amerika aufgetaucht seien, hätten sie bemerkt, dass sie sich um zu vieles selbst kümmern müssten.

          Bis zu 15 Monatsgehälter zahlt Wild seinen Angestellten, Putzfrauen inklusive. Im vergangenen Jahr seien es 14 gewesen. Auch hier will er exklusiv sein.

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