https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/wieso-ist-der-rasen-der-anderen-eigentlich-immer-gruener-18254051.html

Heute in Rhein-Main : Wieso ist der Rasen der anderen eigentlich immer grüner?

Bewässerung der Rasenfläche trotz Wassermangel und Dürre – geht, auf dem Golfplatz in Kronberg. Dort wird der Zielbereich nachts über eine hauseigene Quelle mit Wasser versorgt. Bild: Helmut Fricke

Aufregung um grünen Golfrasen trotz Dürre, Antisemitismus-Vorwürfe am Staatstheater in Wiesbaden und immer weniger junge Menschen in Hessen absolvieren einen Freiwilligendienst. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          5 Min.

          Guten Abend,
          Das Gras auf der anderen Seite ist immer ein bisschen grüner. Ein Sprichwort, das gerade in diesem trockenen Sommer den Verdacht nahelegt, dass der Nachbar doch heimlich seinen Garten bewässert. Und das, obwohl alle zum Wassersparen aufgerufen wurden. Wie schnell das mit der Vorverurteilung geht, wieso immer weniger junge Menschen ein Freiwilliges Soziales Jahr machen wollen und was sich hinter dem Konflikt am Wiesbadener Staatstheater verbirgt – heute in der Hauptwache.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Golfen auf grünem Rasen: Manchmal will man sich einfach mal aufregen. Über die Stadt Frankfurt beispielsweise, die noch immer völlig verdorrte Grünflächen am Main mit Wasser besprenkelt. Oder über die Golfer in Kronberg, die über satten, grünen Rasen zu spazieren scheinen. Die gießen doch! Und das, obwohl in Kronberg schon längst zum Wassersparen aufgerufen wird. Aber immer, wenn man sich aufregen will, kommt irgendwer mit einer Erklärung daher. So auch in diesen beiden Fällen. In Frankfurt, so teilt das Dezernat für Umwelt, Klima und Frauen mit, seien nur noch sehr wenige Rasensprenger in Betrieb. Und diese würden mit Mainwasser gespeist – dafür liege sogar eine Abpumpgenehmigung vor. Gut, dann bleibt ja doppelt so viel Ärger für die Golfer übrig. Aber auch hier gilt: Erst fragen, dann urteilen. Auch auf dem Golfplatz geht alles mit rechten Dingen zu. Denn das Wasser, mit dem der Golf- und Landclub seinen Rasen bewässert, stammt nicht aus der Wasserleitung, wie Markus Erdmann, der Klubmanager, erläutert. Und auch Grundwasser komme nicht zum Einsatz, wie unser Redakteur Jan Schiefenhövel erfahren hat. Stattdessen beziehen die Gärtner das Wasser aus einer „Schürfung“ – einer gefassten Quelle. Die Schürfrechte gehören zum Schloss, in dessen Park der Golfplatz liegt.

          Was darf Kunst? Ein schon abgehängtes Plakat, das Richard Wagner im Hakenkreuz zeigt, schlägt am Staatstheater Wiesbaden und weit darüber hinaus hohe Wellen. Vergangene Woche hatte die Bild-Zeitung erstmals von dem von ihr betitelten „Hakenkreuz-Skandal“ berichtet. Der Intendant des Staatstheaters, Uwe Eric Laufenberg, und Orchesterdirektor Ilia Jossifov werfen dem Geschäftsführenden Direktor Holger von Berg vor, dass Jossifov, selbst Jude, in Bergs Büro unter genau diesem Plakat habe sitzen müssen. Eine Vorwurf, der viel Aufmerksamkeit auf sich zieht und abermals die Frage aufwirft: Was darf Kunst? Berg rechtfertigt sich. Das Plakat stamme noch aus seiner Zeit in Bayreuth und sei im Rahmen der NS-Aufarbeitung entstanden, um die Verstrickung der Festspiele zu illustrieren. Dies belege die Aufschrift „Diskurs Bayreuth“. Besagtes Plakat hängt schon lange nicht mehr – die Debatte aber über die Kunstfreiheit, die politische Haltung des Geschäftsführenden Direktors und den Umgang mit einem solchen Vorwurf ist jedoch entfacht. Mittlerweile äußern sich auch Politiker, darunter der Antisemitismusbeauftrage Hessens, zu dem Vorfall. Unsere Autoren Guido Holze und Ewald Hetrodt haben aufgeschrieben, über was am Staatstheater diskutiert und was gemunkelt wird, welche Vorwürfe noch im Raum stehen und wieso ein Schlichtungsgespräch wohl ausbleibt.

          Weniger Bewerber für Freiwilligendienst: Die Bewerberzahlen für Freiwilligendienste in Hessen brechen ein. Viele Stellen bleiben unbesetzt – und damit die Chance für viele Berufsfelder, sich vorzustellen und auch auf diesem Wege um potenzielle Arbeitskräfte zu werben. In Hessen bieten mehr als 30 Träger Freiwilligendienste an – und sie alle können von einem signifikanten Bewerberrückgang berichten. Die Suche nach Gründen für das mangelnde Interesse hat schon lange begonnen. Eine Vermutung: Nach der Pandemie haben die jungen Leute das Bedürfnis, die Entbehrungen der vergangenen Jahre zu kompensieren. Außerdem müssen die Freiwilligendienste nun auch wieder neben anderen Angeboten bestehen. Besonders in der Coronazeit waren sie für potenzielle Studienanfänger attraktiv, weil die Online-Lehre an den Hochschulen und das eingeschränkte Studentenleben viele abschreckte. Unser Autor Rainer Schulze hat sich mit einem jungen Mann getroffen, der das vergangenen Jahr genutzt hat, um sein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren. Er berichtet, wie Corona seinen Entschluss beeinflusst hat, was er über sich und das Leben gelernt hat und wieso mit nur 330 Euro Aufwandsentschädigung je Monat diese Erfahrung nicht für jeden Interessenten zugänglich ist.

          Weitere Themen

          Streit um Autobahn

          Heute in Rhein-Main : Streit um Autobahn

          Die Frankfurter Grünen verärgern die Koalitionspartner mit einem Brief an die Bundesregierung. Die Bahn baut eine Brücke. Und die Polizei plant schneller als die Stadt. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Die britische Premierministerin Liz Truss in Prag

          Energiekrise in Großbritannien : Wäsche nur noch nachts waschen

          Den Briten drohen wohl doch Stromausfälle. Premierministerin Truss will das aber nicht aussprechen, eine Energiesparkampagne ließ sie stoppen. Kritiker sehen darin eine „idiotische Entscheidung“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.