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Wiesbadener Neubaugebiet : Millionen für das Ostfeld

  • -Aktualisiert am

Bald ein Wohngebiet: Das Areal für den künftigen Wiesbadener Stadtteil Ostfeld braucht eine ordentliche Verkehrsanbindung. Bild: Cornelia Sick

Welcher Grundbesitzer gibt schon gerne sein Ostfeld-Eigentum für den Preis von Ackerland her, wenn es zum Baugebiet werden soll? Und die Stadt Wiesbaden beim Wiederverkauf mit Erlösen von 1000 Euro je Quadratmeter kalkuliert?

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          Mehr als 40 Millionen Euro sind wahrlich kein Klacks. Selbst für die vergleichsweise reiche Landeshauptstadt sind die absehbaren Mehrausgaben für den neuen Stadtteil Ostfeld alles andere als „Peanuts“. Die Aufregung in der Stadtpolitik hält sich bislang aber in Grenzen. Das liegt vor allem daran, dass Wiesbaden für die unausweichliche Erhöhung des Defizits um weit mehr als 50 Prozent selbst verantwortlich ist, weil das Ostfeld, politisch gewollt, in jeder Hinsicht innovativ, ökologisch und mustergültig sein soll. Das schlägt mit fast 30 Millionen Euro gegenüber den bisherigen Annahmen zu Buche. Doch das Geld hilft womöglich, politische Klippen zu umschiffen.

          Vor allem in der Grünen-Fraktion haben viele Parteigänger aus Klimaschutzgründen noch lange nicht ihren Frieden mit dem Ostfeld gemacht. Diese innerparteiliche Zerreißprobe wird vermutlich noch größer, je mehr konkrete Beschlüsse gefasst werden müssen. Die Klimastudie zum Ostfeld, die noch in diesem Jahr in Auftrag gegeben werden soll, könnte in dieser Hinsicht einigen Sprengstoff bergen. Für die Klimaschützer ist sie bedeutsamer als die Finanzierungsfrage.

          Normenkontrollklage absehbar.

          Allerdings liegen Ausgaben und Einnahmen für die Stadt noch in ­weiter Ferne und werden wohl erst nach der nächsten Kommunalwahl die Haushaltspolitiker beschäftigen. Nicht zuletzt werden die Gerichte über das Vorhaben entscheiden müssen. Eine Normenkontrollklage ist absehbar. Denn welcher Grundeigentümer gibt schon gerne sein Eigentum für den vergleichsweise lächerlichen Preis von Ackerland her, wenn die Stadt beim Wiederverkauf mit Einnahmen von 1000 Euro je Quadratmeter und mehr kalkuliert. Auf dem Weg zu einem neuen Stadtteil für bis zu 12.000 Bürger hat Wiesbaden noch viele Hürden aus dem Weg zu räumen. Die Gefahr des Scheiterns auf halbem Weg ist nicht von der Hand zu weisen.

          Eine Alternative gibt es aus Sicht der Stadt aber nicht. Die Aussichten auf militärische Konversionsflächen haben sich stark eingetrübt, seit die amerikanischen Streitkräfte beschlossen haben, ihre Präsenz in Wiesbaden eher auszubauen als aufzugeben. Es mangelt in Wiesbaden an größeren und gut geeigneten Wohnbauflächen, und die Nachverdichtung bestehender Quartiere stößt an ihre Grenzen. Die Prognosen im Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung sind eindeutig, und die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung ist in Wiesbaden längst ein schwieriges bis hoffnungsloses Unterfangen geworden. Noch ist die Landeshauptstadt ein attraktiver Standort. Wenn sie das dauerhaft bleiben will, führt an einem neuen Stadtteil wohl kein Weg vorbei.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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