https://www.faz.net/-gzg-9tha3

Wiesbadens E-Busse : Mit Elektroantrieb durch die Stadt

  • -Aktualisiert am

Leise und lila: Für eine Strecke von bis zur 200 Kilometern reicht die in den Batterien gespeicherte Energie. Bild: Cornelia Sick

Die Landeshauptstadt stellt ihre ersten drei E-Busse vor. Bis 2021 sollen 120 Fahrzeuge emissionsfrei Fahrgäste durch Wiesbaden befördern.

          3 Min.

          Sozusagen eine emissionsfreie Premiere: Die Wiesbadener Stadttochter Eswe Verkehr hat gestern ihre ersten drei Elektro-Busse präsentiert und damit die Verkehrswende im Nahverkehr der hessischen Landeshauptstadt eingeläutet. Am 15. Dezember sollen zehn Batteriebusse zum Fahrplanwechsel in den regulären Linienverkehr eingebunden werden und Fahrgäste in der Innenstadt transportieren, bis dahin befinden sich die Busse im Schulungs- und Testbetrieb. Das ist aber erst der Anfang: 2021 wollen die Wiesbadener 120 Busse des Typs E-Citaro auf der Straße haben und schrittweise die gesamte Busflotte auf Fahrzeuge mit alternativem Antrieb umstellen.

          „Wir sind technischer Vorreiter. Viele werden auf uns schauen“, sagte Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) während der Präsentation: „Wir leiten jetzt eine neue Ära ein.“ Bis Ende nächsten Jahres soll die Mercedes-Benz-Tochter Daimler Buses weitere 46 Batteriebusse liefern. Zudem ist das Unternehmen auch damit betraut, das komplette Betriebshofmanagement und die Ladeinfrastruktur umzubauen beziehungsweise neu zu errichten, denn die Busse haben nur eine Reichweite von 120 bis 200Kilometern und müssen dementsprechend oft geladen werden. Der Strom, so das Versprechen von Eswe, soll aus regenerativen Quellen bezogen werden.

          Die städtische Tochter rechnet nach Einschätzung von Geschäftsführer Jörg Gerhard mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von etwa 120 Millionen Euro. Davon übernimmt das Bundesumweltministerium rund 45 Millionen Euro, die Dirk Meyer, Abteilungsleiter im Ministerium, gestern zusagte und damit die ursprüngliche Förderung von 14,5 Millionen Euro um mehr als 30 Millionen Euro aufstockte. „Wiesbaden setzt neue Benchmarks“, attestierte er der Landeshauptstadt. Mit diesem Programm sei ein Markt im E-Bus-Segment geschaffen worden. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) äußerte sich ähnlich euphorisch: „Heute beginnt im Wiesbadener öffentlichen Nahverkehr eine neue Zeitrechnung.“ Das Wiesbadener Projekt sei ein gutes Beispiel dafür, wie die Verkehrs- und die Energiewende kombiniert werden könnten. In diesem Zusammenhang erinnerte der Minister daran, dass Hessen bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden wolle und dafür jeder seinen Betrag leisten müsse. Am Wiesbadener Beispiel, so Al-Wazir, könnten sich andere ein Beispiel nehmen, denn: „Keine andere deutsche Großstadt hat sich ein ehrgeizigeres Ziel gesetzt.“

          Teil des Luftreinhalteplans

          Bis alle Wiesbadener Busse mit alternativen Antrieben fahren, dauert es noch. Auf Nachfrage erklärte Eswe-Geschäftsführer Gerhard, dass der ursprüngliche Zeitplan bis 2022 nicht zu halten sei. Derzeit könne nicht mitgeteilt werden, wann die komplette Flotte erneuert sein werde. Das könne 2024 oder auch erst im Jahr 2026 sein und liege unter anderem daran, dass sich die Flottengröße von Eswe permanent verändere. Derzeit sind 287 Busse auf der Straße. Die 120 Batteriebusse, die bis 2021 ausgeliefert werden sollen, sind Solobusse. Die ersten 20 Gelenkbusse sollen Anfang 2020 fahren. Unabhängig von der Lieferung der E-Busse hat Eswe mittlerweile 232 Dieselbusse auf die Euro-6-Norm umgestellt oder neu erworben, wie Gerhard ausführte. Die Zahl der Euro-6-Busse soll trotz der E-Busse weiter steigen. „Dann können wir uns von den alten Schätzchen verabschieden“, sagte der Geschäftsführer.

          Die Umstellung der Busflotte von Diesel- auf Elektroantrieb ist einer der Kernbestandteile des Wiesbadener Luftreinhalteplans, der 111 Maßnahmen umfasst. Dazu gehören etwa mehr Radwege, höhere Parkgebühren und die digitale Steuerung des Verkehrs mit einem neuen Leitsystem, erläuterte Mende. Der Luftreinhalteplan war notwendig geworden, um ein von der deutschen Umwelthilfe gefordertes Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge zu vermeiden. Wiesbaden ist es bisher als erster Stadt gelungen, ein Fahrverbot vor Gericht abzuwenden. Die bereits angelaufenen Maßnahmen zeigen zudem erste Erfolge, denn der Jahresmittelwert der Stickoxidbelastung in Wiesbaden ist nach einer früheren Mitteilung der Stadt von 50 Mikrogramm auf voraussichtlich 42 Mikrogramm in diesem Jahr gesunken. Der Grenzwert von 40 Mikrogramm soll nächstes Jahr eingehalten werden. Alleine die 56 Batteriebusse, die nächstes Jahr fahren, sparen laut Mende 3000 Tonnen Kohlendioxid, 3000 Kilogramm Stickoxyde und mehrere hundert Kilogramm Feinstaub ein.

          Glocke warnt Fußgänger

          Neben besserer Luft bieten die neuen Busse ihren Fahrgästen weitere Vorteile: Es gibt freies W-Lan, das Fahrgastinformationssystem wurde aufgepeppt, und im Bus sind USB-Ladestationen vorhanden. Für mehr Sicherheit sorgen ein Abbiegeassistent, ein aktiver Bremsassistent und eine Fußgängerwarnglocke, denn die Busse fahren in der Tat sehr leise, wie während der Premiere zu hören war.

          Eswe setzt nicht nur auf Batteriebusse, denn die zukünftige Flotte soll auch aus wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen bestehen. Eine Wasserstofftankstelle ist schon errichtet worden. Aber auch hier zeigt sich das Problem, dass der Markt neu ist und die Lieferung stockt. Laut Gerhard befindet sich Eswe im Gespräch mit dem Hersteller, aber derzeit ließe sich nicht abschätzen, wann die ersten Wasserstoff-Busse geliefert werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.