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Wiesbadener Volksbank : Jahresauftakt mit Führerschein und Sekt

Mittendrin: Die Filiale der Wiesbadener Volksbank am Schillerplatz in Wiesbaden. Bild: Frank Röth

Als erstes Kreditinstitut der Region legt die Wiesbadener Volksbank ihre Bilanz vor. Die Zahlen sind gut, auch wenn das Umfeld dem Haus weiter zu schaffen macht.

          Als der Sekt hereingebracht wird, berichtet der Vorstand von seiner neuen Errungenschaft: dem Führerschein. Kürzlich, gibt der Vorstandsvorsitzende der Wiesbadener Volksbank, Matthias Hildner, zu Protokoll, hätten sich alle Mitarbeiter im Rahmen einer internen Weiterbildung mit digitalen Produkten und Prozessen befasst, die das Bankgeschäft sukzessive massiv verändern: Wie transferiert man Geld via SMS von einer Person zur anderen? Wie kann man Rechnungen so scannen, dass sie sich in einen fertigen Überweisungsauftrag verwandeln? Und wie funktioniert das Online-Banking des Instituts? Am Ende der Schulung hätten alle, auch der gesamte Vorstand, einen Online-Führerschein abgelegt, berichtet Hildner.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun ist der Führerschein nicht die zentrale Errungenschaft und auch nicht der Anlass für das obligatorische Glas Sekt bei der genossenschaftlichen Bank, die seit Jahren schon als erstes Geldhaus der Region die Bilanz des Vorjahres vorlegt. Das Glas erhob Hildner schlichtweg auf das neue Jahr. Stolz war er bei seinem Blick auf die abgelaufenen zwölf Monate aber vor allem auf eines: dass sich die Volksbank abermals gegen das derzeit vor allem für kleinere Geldhäuser schwierige Umfeld gestemmt und eine ordentliche Bilanz abgegeben hat.

          Gute Aussichten

          Was die anhaltende Phase niedriger Zinsen für die Volksbank bedeutet, zeigt ein Blick auf die Rolle des Zinsgeschäfts, das nämlich für über drei Viertel der Erträge verantwortlich ist. Nun sank der Zinsüberschuss zuletzt in noch überschaubarer Größenordnung von 90,6 auf 89 Millionen Euro, was Hildner auch auf die glückliche Hand seines Hauses bei der Anlage der ihr zugeflossenen Mittel zurückführt. Ob das auf Dauer gelingt, kann der Vorstands-Chef kaum sagen. Was er weiß, ist, dass sich die Zinsen auch 2018 nicht signifikant erhöhen dürften. Hoffnungen hat Hildner frühestens auf 2019, „wenn die Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi ausläuft“.

          Trotz dieser Aussichten fühlt sich die Wiesbadener Volksbank für jedes mittelfristige Szenario gut aufgestellt, sagt Hildner. Sicher, neue Richtlinien der Europäischen Union für die Geldanlage, die unter dem Schlagwort „Mifid II“ laufen, hätten zuletzt Mitarbeiter und Kapital gebunden. So müsse man jetzt zum Beispiel jedes Telefongespräch zur Anlageberatung aufzeichnen und diese Mitschnitte aufbewahren. „Das ist nicht kundenfreundlich“, sagt Hildner. Für Unternehmen wie die Wiesbadener Volksbank, die laut Hildner ihre Kunden an einem Tag berate, am nächsten dann auf dem Wochenmarkt treffe, sei diese Richtlinie nicht entwickelt worden. „Wir machen Beratung, für die wir uns nicht einen Tag später verstecken müssen.“

          Weniger Filialen

          Allerdings stehen auch den rund 135000 Kunden des Hauses für diese Beratung zunehmend weniger Filialen zur Verfügung. 2016 bereits hatte man einige Dependancen geschlossen, im vergangenen Jahr kamen weitere hinzu: Eine laut Hildner „kleine, immer weniger frequentierte“ Filiale im Wiesbadener Ortsteil Breckenheim wurde geschlossen, zwei weitere in Wiesbaden-Biebrich und in Breithardt wurden in reine Selbstbedienungsfilialen ohne Personal umgewandelt. Stattdessen residiert seit Vorjahresbeginn in einer alten Villa in der Juliusstraße ein neues Wertpapier-Kompetenzzentrum, so dass das Haus insgesamt nun über 23 mit Angestellten besetzte Standorte und zehn solcher SB-Filialen verfügt.

          Im Wertpapiergeschäft sieht Hildner für die Volksbank weiteres Potential. Zwar öffneten sich aufgrund der niedrigen Zinsen immer mehr Kunden für Aktien, berichtet der Vorstandsvorsitzende. Doch da Hildner zufolge derzeit nur gut sieben Prozent der Deutschen das Vermögen direkt in Aktien und weitere rund 14 Prozent in Fonds anlege, sei auf diesem Gebiet noch Luft nach oben.

          Insgesamt sind die Zahlen für Hildner „ein solides Ergebnis“: Die Bilanzsumme stieg an und weist das Haus nun als elftgrößte unter den Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland aus, die Summe der Kundeneinlagen und die der Finanzierungen ging jeweils um über sieben Prozent nach oben. Trotz dieser Zahlen: Die drei Gläser Sekt am Vorstandstisch sind am Ende dennoch nicht leer getrunken.

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