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Wiesbadener Stadtteil Ostfeld : Ohne Gleise geht es nicht

  • -Aktualisiert am

Bald mit Gleisen angebunden? Der künftige Wiesbadener Stadtteil Ostfeld soll in diesem Areal entstehen. Bild: Cornelia Sick

Wiesbadens geplantes Musterquartier Ostfeld eignet sich besonders gut für eine Straßenbahnanbindung. Es wird sich zeigen, wie ernst es der Stadt mit der Verkehrswende ist.

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          An der Schiene führt kein Weg vorbei. Wenn die Wiesbadener in einer Woche tatsächlich der Straßenbahn die Rückkehr ins Stadtbild versagen sollten, dann darf das im Rathaus nicht vorschnell als generelle Absage an einen städtischen Schienenverkehr gewertet werden. Am neuen Stadtteil Ostfeld wird sich vielmehr zeigen, wie ernst es die Landeshauptstadt mit der Verkehrswende nimmt. Denn es ist schlechterdings nicht vorstellbar, dass dieses Quartier ausschließlich über die Straße erschlossen wird. Zumal im Ostfeld vor allem „bezahlbarer“ Wohnraum für Menschen entstehen soll, denen der Unterhalt eines Autos womöglich zu teuer sind dürfte.

          Das Ostfeld soll ein mustergültiger Stadtteil von Wiesbaden werden. Nachhaltig, ökologisch, sozial, innovativ. Es wird aber schon schwer genug werden, dort sicherzustellen, dass der geplante Geschosswohnungsbau keine sozialen Brennpunkte entstehen lässt. Der Verkehrserschließung kommt in jedem Fall eine besondere Bedeutung zu, zumal das Straßennetz dafür nicht ausgelegt ist. Schon im frühen Stadium der Planung des neuen Stadtteils zeigt sich, dass eine Straßenbahn besonders gut geeignet wäre, das Ostfeld mit zwei bedeutenden Gewerbestandorten und mit der Innenstadt zu verbinden, aber auch den schnellen Sprung nach Mainz ermöglicht.

          Ob die Ostfeldlinie noch eine Chance hat, wenn die Citybahn beim Bürgerentscheid scheitern sollte, ist allerdings fraglich. Vor allem dann, wenn sich in Stadtquartieren wie Südost und Kastel ähnlicher Widerstand gegen die Straßenbahn formieren sollte wie in Biebrich. Eine zielgerichtete Stadtentwicklung muss der Mobilität mindestens so viel Aufmerksamkeit schenken wie Wohnen und Arbeiten, denn alles ist miteinander verknüpft.

          Mit den ersten Skizzen einer Ostfeldlinie hat sich der Wert des Citybahnprojekts noch einmal erhöht. Denn jenseits einer Trasse von Mainz über die Innenstadt bis nach Bad Schwalbach werden mit dieser zweiten Straßenbahnlinie die Konturen eines neuen Nahverkehrsnetzes erkennbar, das eine der Stau-Hauptstädte dieses Landes endlich auf das Mobilitätsniveau in vergleichbaren Städten heben könnte. Es gibt darunter allerdings wenig Orte, wo die Bürger so auf das Auto versessen sind wie in Wiesbaden. Die Hälfte aller Fahrten wird mit dem Auto unternommen. Das Mobilitätsleitbild hat „Zeit für Veränderung“ beschworen. Ob die Wiesbadener dazu wirklich bereit sind, zeigt sich nächsten Sonntag.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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