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Wiesbadener Amt für Statistik : Fortschritte bei Integration

Auch an Wiesbadener Gymnasien steigt der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund. Bild: dpa

Fast die Hälfte aller Wiesbadener Bürger hat einen Migrationshintergrund. Besonders bei Kindern und Jugendlichen sieht die Stadt Erfolge ihres Integrationskonzeptes.

          2 Min.

          Wiesbaden ist eine bunte Großstadt. Unter den rund 290.000 Einwohnern haben fast 114.000 einen Migrationshintergrund. Neben 63.000 „echten“ Ausländern sind das knapp 51.000 Deutsche mit Wurzeln im Ausland, darunter vor allem Eingebürgerte, Spätaussiedler und Kinder von Zuwanderern. Das kommunale Amt für Statistik beziffert den Migrantenanteil auf knapp 40 Prozent. Allerdings sind die Unterschiede zwischen bestimmten Altersgruppen beträchtlich: Im Grundschulalter stammen mehr als 60 Prozent der Wiesbadener Kinder aus Zuwandererfamilien. Unter den 65 Jahre alten und noch älteren Wiesbadener Bürgern haben dagegen nur rund 20 Prozent einen Migrationshintergrund.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Die in Wiesbaden lebenden Migranten stammen aus 170 verschiedenen Ländern. Die größte Gruppe mit rund 16.500 hat ihre familiären Wurzeln in der Türkei, mit gutem Abstand gefolgt von Polen (7200). In jüngerer Zeit kamen die Zuwanderer hingegen vor allem aus Rumänien und Bulgarien, und in den Jahren 2015 und 2016 dominierten Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und anderen Krisengebieten den Zustrom an Zuwanderern. Derzeit betreut die Landeshauptstadt rund 5000 Flüchtlinge.

          Immerhin verfügen 72 Prozent der in Wiesbaden lebenden Ausländer über einen gesicherten Aufenthaltsstatus, und 46 Prozent erfüllen sogar die aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung. Ein Drittel der ausländischen Bevölkerung lebt schon 20 Jahre oder länger in Deutschland. Aber fast ein Viertel hat eine Aufenthaltsdauer von weniger als vier Jahren. Diese zu unterstützen bei der Integration in Wiesbaden werde einer der Schwerpunkte im kommunalen Integrationskonzept für die Jahre bis 2025 sein, heißt es in dem Bericht.

          Greifbare Erfolge sieht das Amt vor allem bei den Jüngsten: Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund, die einen Kindergarten ausreichend lange besucht haben, liegt laut Statistik bei 92 Prozent. Das sei viel vor dem Hintergrund, dass beispielsweise bei einer Einreise kurz vor Einschulungsbeginn keine oder nur eine begrenzte Chance auf den ausreichend langen Besuch einer Elementareinrichtung bestanden habe.

          Integration im Arbeitsmarkt bedarf Ausbaus

          Als erfreuliche Tendenz gilt der steigende Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die ein Wiesbadener Gymnasium besuchen: Er lag im Schuljahr 2019/2020 in der achten Jahrgangsstufe bei fast einem Drittel. Das sei ein Rekord, heißt es aus dem Rathaus. Rund ein Viertel aller Migranten ging 2020 mit der Hochschulreife von der Schule ab. Unter den Schülern ohne Migrationshintergrund waren es allerdings 55 Prozent. Mädchen aus Migrantenfamilien erreichen im Schnitt bessere Abschlüsse als Jungen. Profitiert haben laut Bericht jugendliche Migranten von der guten Lage auf dem Ausbildungsmarkt: Während vor zehn Jahren noch rund 22 Prozent keinen Ausbildungsvertrag nach der Schule abschließen konnten, sind es derzeit nur noch knapp 14 Prozent.

          Die Bilanz der Integration in den Arbeitsmarkt fällt hingegen nicht so erfreulich aus. Zwar hat sich die Erwerbsbeteiligung auch bei den ausländischen Frauen erhöht, von denen traditionell weniger einen Beruf ausüben, und das Qualifikationsniveau der ausländischen Beschäftigten hat sich verbessert. Verfügten beispielsweise 2009 nur zwölf Prozent der ausländischen Beschäftigten über eine akademische Berufsausbildung, so waren es 2019 schon 20 Prozent.

          Gleichwohl unterscheidet sich die Qualifikation zwischen ausländischen und deutschen Arbeitnehmern nach wie vor. Und das ist laut Statistikamt auch eine der Erklärungen dafür, dass Ausländer mehr als doppelt so häufig arbeitslos sind wie Deutsche. Erfreulich für die Stadt ist hingegen noch ein anderer Aspekt: 79 von 100 Migranten leben gerne in Wiesbaden, und 76 Prozent fühlen sich hier heimisch. Auch das kann als Integrationserfolg gewertet werden.

          Der Bericht ist auf der Internetseite www.wiesbaden.de/statistik einsehbar.

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