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Wiesbaden : Zwei Frauen und ein Baby sterben bei Explosion in Wohnhaus

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Die Nachbarn sind immer noch vollkommen fassungslos: Weil eine Siebzehnjährige am Samstag vormittag den Ölofen ihrer Wohnung im Wiesbadener Stadtteil Dotzheim versehentlich mit Benzin befeuert hat, mußte sie sterben - und mit ihr eine neun Jahre ältere Frau mit ihrem sieben Monate alten Baby.

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          Die Nachbarn sind immer noch vollkommen fassungslos: Weil eine Siebzehnjährige am Samstag vormittag den Ölofen ihrer Wohnung im Wiesbadener Stadtteil Dotzheim versehentlich mit Benzin befeuert hat, mußte sie sterben - und mit ihr eine neun Jahre ältere Frau mit ihrem sieben Monate alten Baby. Noch 24 Stunden nach dem Unglück standen Bekannte der Frauen, darunter die Hauseigentümerin, am Ort des furchtbaren Geschehens beisammen, um sich auszutauschen. Die Siebzehnjährige, sie entstammt einer türkischen Familie, sei an diesem Tag offenbar zufällig allein in ihrer Wohnung gewesen, berichtet die Vermieterin; wo sich die Angehörigen des Mädchens, die dort mit ihm gelebt hätten, aufhielten, sei nicht bekannt.

          Ob sie das dreigeschossige Backsteingebäude, ein aus der Wende zum 20.Jahrhundert stammendes Doppelhaus, noch erhalten kann, weiß die Eigentümerin nicht. Fachleute der Feuerwehr halten das für unwahrscheinlich. Die rechte Haushälfte des Gebäudes an der Erich-Ollenhauer-Straße - es befindet sich in einem von der Straße her nicht einsehbaren rückwärtigen Grundstücksteil - ist bis auf das Erdgeschoß zusammengebrochen.

          Die Explosion hatte, wie in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" berichtet, am Samstag morgen gegen 10.20 Uhr ein etwa 60 Quadratmeter großes Loch in die Frontmauer des Gebäudes gerissen, das zweite Obergeschoß des Hauses war durch die Wucht der Detonation eingestürzt. Die Explosion war von Nachbarn, insbesondere den Bewohnern des nicht unmittelbar betroffenen Erdgeschosses, nach eigenem Bekunden wie ein schweres Erdbeben wahrgenommen worden.

          Schon kurz nach ihrem Eintreffen wußten die etwa 150 Rettungskräfte, daß sie in den Trümmern nach drei Personen suchen mußten. Doch sie konnten sich in den ersten Stunden nach der Explosion nur sehr langsam vorarbeiten, wegen Einsturzgefahr mußten die restlichen Gebäudeteile zunächst gesichert werden, und Rettungshunde konnten wegen der enorm hohen Temperaturen im Inneren des Hauses - sie lagen mehrere Stunden lang zwischen 600 und 800 Grad - überhaupt nicht eingesetzt werden.

          Erst rund 15 Stunden nach der Explosion wurden die junge Mutter und ihr Baby in der Nacht zum Sonntag gefunden; die Frau muß nach Auskunft von Polizeisprecher Helmuth Klinger noch versucht haben, mit ihrem sieben Monate alten Sohn in ihr Bad zu flüchten, den einzigen Ort in ihrer im zweiten Obergeschoß gelegenen Wohnung, der offenbar nicht sofort eingestürzt war. Eine gute Stunde später, gegen drei Uhr in der Nacht, wurde der stark verbrannte Leichnam der Siebzehnjährigen aus dem Brandschutt geborgen. Auch im Verlauf des gestrigen Tages mußten die Feuerwehrleute mehrfach noch kleinere Glutnester löschen.

          Den genauen Hergang des Unglücks müssen nun Fachleute der Kriminalpolizei und des Hessischen Landeskriminalamts noch ermitteln. Die eingehende Untersuchung der Trümmer und die Auswertung aller Zeugenaussagen und Hinweise soll heute morgen beginnen. Wie der Sprecher der Wiesbadener Polizei, Helmuth Klinger, sagte, sei nicht auszuschließen, daß sich nach Befüllen des freistehenden Ölofens mit Superbenzin zunächst eine riesige Stichflamme gebildet und die Wohnung in Brand gesetzt habe und der Ofentank dann erst Minuten später explodiert sei.

          Den bisherigen Ermittlungen der Polizei zufolge hatte die junge Türkin in einer nahe gelegenen Tankstelle eine zehn Liter fassende Ölkanne versehentlich statt mit Dieselkraftstoff mit Superbenzin gefüllt. Das berichtete ein Mitarbeiter der Tankstelle, der die Siebzehnjährige am Samstag morgen gesehen hatte. Nach Angaben der Polizei wird die Aussage des Zeugen von den Aufzeichnungen einer Überwachungskamera gestützt, auf denen die junge Frau beim Benzinabfüllen zu erkennen ist. Der Aussage des Tankstellenangestellten zufolge hatte die Siebzehnjährige dort schon öfter Dieselkraftstoff zur Befeuerung des Ofens gekauft - am Samstag griff sie allem Anschein nach jedoch irrtümlich nach dem falschen Zapfhahn. (müg.)

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