https://www.faz.net/-gzg-71mrs

Wiesbaden : Warnung vor tödlichem Gift

Gefahr überall: Feuerwehrleute in einem Brand. Bild: dpa

Die Wiesbadener Berufsfeuerwehr ist gut ausgerüstet. Wie berechtigt das ist, zeigen immer wieder Unfälle mit Kohlenmonoxid.

          „Es sterben mehr Menschen an Kohlenstoffmonoxid, als man glaubt“, hat der Oberbrandmeister in der Wiesbadener Berufsfeuerwehr, Marco Pfeuffer, vor einem Jahr gesagt. Auf der Grundlage dieser Vermutung wurden die Rettungskräfte am 1. August 2011 im Rahmen eines bundesweiten Pilotprojekts mit zwölf Gaswarngeräten ausgestattet, welche die Konzentration von Kohlenstoffmonoxid in der Luft messen und gegebenenfalls Alarm schlagen.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Wie berechtigt dieses Experiment war, erwies sich schon ein paar Monate später. Ende November starben in einem Mehrfamilienhaus auf dem Wiesbadener Gräselberg ein Ehepaar und sein ältestes Kind an einer Vergiftung durch Kohlenmonoxid. Zwei weitere Kinder der Familie wurden schwer verletzt, mehr als 20 Hausbewohner mussten ambulant in einer Klinik behandelt werden. Andere ließen sich an Ort und Stelle von Sanitätern versorgen. Ursache des Unglücks war ein Defekt an der Zentralheizung im Keller des viergeschossigen Gebäudes.

          Weil die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr mit den sogenannten CO-Meldern ausgestattet waren, reagierten sie schnell und umsichtig. Mit ihren Messgeräten ermittelten sie in dem Gebäudekomplex erhöhte Werte, woraufhin rund 90 Helfer sofort alle Wohnungen überprüften. Einige öffneten sie mit Gewalt. Auch zwei Nachbarhäuser wurden evakuiert.

          Drei Personen seien zu Tode gekommen, aber den anderen Bewohnern des Gebäudes hätten die CO-Melder „mit Sicherheit das Leben gerettet“, sagte Harald Müller, der Amtsleiter der Berufsfeuerwehr gestern. Er stellte das Ergebnis des Projekts vor, das im Prinzip schon unmittelbar nach dem Unglück auf dem Gräselberg feststand und umgehende Konsequenzen nach sich zog.

          Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr sowie die Rettungskräfte der Stadt wurden mit insgesamt 93 Gaswarngeräten ausgestattet. Ein Exemplar kostet etwa 300 Euro. Die Kosten, die der Stadt entstanden, hielten sich in Grenzen, weil der Hersteller, die MSA Auer GmbH, sich großzügig zeigte. Auch die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Geno 50 beteiligte sich. Ihr gehört das Haus, in dem die drei Menschen an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben waren.

          „Die Geräte haben sich als zwingend notwendig und unabdingbar erwiesen“, konstatierte der Feuerwehrdezernent Detlev Bendel (CDU). Kohlenmonoxid ist ein hochgiftiges Gas. Es verhindert schon in geringer Konzentration den Transport des Sauerstoffes durch die Blutbahn und kann auf diese Weise ernste Schäden hervorrufen. Sie beginnen mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, können aber auch zur Bewusstlosigkeit oder zum Tod führen.

          In vielen Fällen stellen sich gesundheitliche Belastungen ein, die nur langsam zurückgehen. Besonders gefährlich ist Kohlenmonoxid, weil es farb-, geruch- und geschmacklos ist. Manchmal macht sich die Vergiftung auch erst mit einer deutlichen Verzögerung bemerkbar. Nachhaltig ist sie trotzdem.

          Die neuen Messgeräte können das Gas und auch die Höhe der Konzentration ermitteln. Sie kommen einerseits den Hilfsbedürftigen, andererseits aber auch den Rettungskräften zugute. Sie wissen heute, dass sie in der Vergangenheit oft an Einsatzorten gearbeitet haben, ohne sich der Gefährdung ihrer Gesundheit bewusst zu sein.

          Lehrreich sind die Erfahrungen der Wiesbadener Feuerwehr auch für die Kollegen in ganz Deutschland. Pfeuffer wird zu Vorträgen eingeladen und muss zahlreiche telefonische Anfragen beantworten. Die Feuerwehren in Frankfurt, Offenbach und Darmstadt haben inzwischen ebenfalls CO-Melder angeschafft. Es gibt sie nicht nur für den professionellen Einsatz, sondern auch für den privaten Hausgebrauch. In einer einfacheren Ausstattung sind sie zum Beispiel in Baumärkten für 20 bis 50 Euro zu haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sherpas Hecker und Röller : Das sind Merkels G-7-Helfer

          Am Samstag beginnt der G-7-Gipfel in Frankreich. Jan Hecker und Lars-Hendrik Röller haben die meiste Arbeit dann hinter sich: Sie bereiten die Kanzlerin auf das Treffen vor. Doch wer sind Merkels wichtigste Berater?
          Der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche wird Aufsichtsrat bei Aldi Süd. Das liegt auch an seiner Freundschaft zum ehemaligen BASF-Chef Jürgen Hambrecht.

          Ehemaliger Daimler-Chef : Zetsche geht zu Aldi Süd

          Nach dem Ende seiner Karriere bei Daimler hat Zetsche einen Posten bei Aldi Süd übernommen. Wie die F.A.Z. erfahren hat, ist er schon seit Juni im Beirat des Discounters. Das hängt mit einer Männerfreundschaft zusammen.
          Viele Studierende erhoffen sich von Steuerrückzahlungen eine gute Summe. Doch nicht alle haben es leicht, Geld vom Fiskus zurückzuholen.

          Tipps & Tücken : Steuern sparen für Studenten

          Ein nettes Sümmchen vom Staat zurückholen – kein Problem. Mit solchen Versprechungen locken Seminar-Anbieter. Doch ganz so einfach ist es nicht.

          Trumps Grönland-Idee : Eiskalte Interessen

          Manche Republikaner unterstützen die Idee von Donald Trump, Grönland zu kaufen. Schließlich könnte man so den Einfluss von China und Russland begrenzen – und riesige Rohstoffvorkommen ausbeuten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.