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Projekt City-Bahn : Nachfragen erwünscht

  • -Aktualisiert am

Beliebt: Die Mainzer haben schon gute Erfahrungen mit der neuen Straßenbahn zum Lerchenberg. Bild: dpa

Um skeptische Bürger besser in das Projekt City-Bahn einzubinden, steht seit gestern in der Wiesbadener Innenstadt eine grüne Dialog-Box. In Mainz ist man schon länger im Gespräch.

          Die City-Bahn ist das derzeit wichtigste Infrastrukturprojekt Wiesbadens mit einer Investitionssumme von mehr als 300 Millionen Euro. Anders als in der Nachbarstadt Mainz, wohin die Strecke führen soll, ist die Bahn in Wiesbaden jedoch umstritten: Gegner und Befürworter liefern sich hartnäckige Gefechte über Sinn oder Unsinn des Straßenbahn-Projekts. Nicht zuletzt, um die Diskussion über die 40 Kilometer lange von Mainz über Wiesbaden nach Bad Schwalbach verlaufende Bahnstrecke zu versachlichen, hat die Planungsgesellschaft gestern eine „Dialog-Box“ auf dem Mauritiusplatz in der Wiesbadener Fußgängerzone eröffnet.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          In den nächsten zweieinhalb Monaten werden dafür geschulte Mitarbeiter der städtischen Verkehrsgesellschaft Eswe anwesend sein, um den Wiesbadenern nach Möglichkeit alle Fragen rund um das Projekt zu beantworten. Die Bürger haben aber auch die Möglichkeit, Anregungen, Kritik und Wünsche zu äußern. „Es geht uns um den Dialog mit den Menschen“, sagte eine Sprecherin von Eswe Verkehr.

          Der grüne Pavillon ist gut neun Meter lang, viereinhalb Meter breit und neun Tonnen schwer. Neben zahlreichen Prospekten und Informationsbroschüren gibt es auch einen Bildschirm, auf dem sämtliche Informationen abgerufen werden können. Die Kosten für den Pavillon gibt die Eswe mit weniger als 100 000 Euro an. Hermann Zemlin, Geschäftsführer der City-Bahn GmbH, versprach, dass mit Hilfe der Dialog-Box sämtliche neuen Informationen rund um das Projekt den Bürgern schnell zugänglich gemacht werden. Die Vorplanung für die Bahn ist laut Zemlin abgeschlossen, derzeit laufe die Entwurfsplanung. Zudem wird seiner Auskunft nach in den nächsten Wochen die Strecke von der Hochschule Rhein-Main nach Bad Schwalbach geplant.

          Der nächste Schritt zur Bürgerbeteiligung

          Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) wies darauf hin, dass die Dialog-Box nicht der Beginn der Bürgerbeteiligung sei: Es habe zuvor schon vier Informationsmessen gegeben. Zudem laufe auch der Dialog im Internet seit geraumer Zeit. „Online und auf den Messen haben wir bereits mehr als 10.000 Wünsche und Anregungen zur City-Bahn erhalten“, sagte Gerich und fügte an: „Wir wollen nun den nächsten Schritt der Bürgerbeteiligung gehen.“ Mit Blick auf die andauernden und kontroversen Diskussionen rund um die Bahn sagte er: „Die Antworten, die Sie hier bekommen, das sind keine Fake News, das sind echte Wahrheiten.“ Gleichwohl räumte Gerich ein, dass viele Bürger Ängste, Sorgen und Nöte in Bezug auf die Bahn hätten. Diese neue Form der Bürgerbeteiligung soll die Vorbehalte so weit wie möglich beseitigen.

          Das wird auf dem Mauritiusplatz allerdings vorerst nur bis Ende Oktober möglich sein, weil die Dialog-Box dann umziehen muss, um dem Riesenrad des Sternschnuppenmarktes Platz zu machen. Die Box wird dann auf dem Bahnhofsvorplatz Station machen und dort etwa drei Monate stehen. Sie ist an beiden Standorten jeweils dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr und samstags von 19 bis 14 Uhr geöffnet.

          Da aufgrund der Komplexität des Bauvorhabens auch mit tiefer gehenden Fragen zu rechnen ist, wird jeden Donnerstag von 15 bis 17 Uhr eine Planer-Sprechstunde angeboten. Dann stehen Experten der City-Bahn-Planung für Gespräche zur Verfügung. Zudem werden jeden zweiten Donnerstag geführte Touren entlang des Streckenverlaufs angeboten. Treffpunkt ist an der Dialog-Box. Von dort aus geht es beispielsweise in den Stadtteil Biebrich oder an die Ringkirche.

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