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Klimafreundlichere Innenstadt : Reserviert für Busse und Radler

Just in Time: Die getrennte Spur soll es den Bussen ermöglichen, ihren Fahrplan einzuhalten. Bild: Schulz, Samira

Mit den neuen Umweltspuren soll die Luft in Wiesbaden deutlich besser werden. Die Corona-Krise erleichtert dabei die notwendigen Arbeiten.

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          Auf dem Ersten Ring rund um die Wiesbadener Innenstadt stauen sich häufig die Autos. Das trägt mit dazu bei, dass in normalen Zeiten die Luftqualität mäßig bis schlecht ist. Der Ring wird werktäglich von 66.000 Autos befahren, was laut Umwelt- und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) einer Fahrzeugdichte wie auf der Autobahn 66 entspricht. Die Stadt ist deshalb bemüht, mehr Verkehr auf den Zweiten Ring umzulenken, dem Kowol noch ausreichend Kapazität zubilligt. Parallel dazu wird der Erste Ring neu geordnet. Die Autofahrer müssen dauerhaft auf eine Fahrbahn zugunsten von Bussen und Radfahrern verzichten.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Die Einrichtung sogenannter Umweltspuren war ein Element zur Abwendung eines Dieselfahrverbots in der Landeshauptstadt und wurde vom Land Hessen in den für Wiesbaden verpflichtenden Luftreinhalteplan aufgenommen. Bis Oktober soll der Erste Ring zwischen Sedanplatz und dem Fußballstadion an der Berliner Straße in beiden Richtungen durchgängige Umweltspuren erhalten. Der wegen der Corona-Krise deutlich verringerte Autoverkehr erleichtert die notwendigen Arbeiten.

          Weniger Stickstoff und Verspätungen

          Die Umweltspuren dürfen nur von Bussen und Fahrrädern genutzt werden. Zusätzlich wird auf der Baumallee, die beide Fahrbahnen zwischen dem Westend und dem Landeshaus trennt, ein durchgängiger Weg für Fußgänger angelegt, der auch von Radfahrern genutzt werden darf. Dezernent Kowol hofft, dass sich dadurch die Luftschadstoffe in der City verringern und der Innenstadtverkehr in den Stoßzeiten flüssiger läuft. Dazu sei es notwendig, den Autoverkehr teils zu verlagern und teils durch Fuß-, Rad- und Busverkehr zu ersetzen. Mit den Umweltspuren sollen die Stadtbusse auf zahlreichen Eswe-Linien und die Regionalbusse aus dem Rheingau-Taunus-Kreis ihre eng getakteten Fahrpläne leichter einhalten können. Verspätungen sollen zur Ausnahme werden.

          Sicher: spezielle Fahrradspuren in Wiesbaden

          Die Stadt will den Verkehr am Dürerplatz und an der Berliner Straße verstärkt auf den Zweiten Ring und das Bundesfernstraßennetz lenken. Dazu soll der Fahrzeugzufluss über Ampeln je nach Verkehrsaufkommen dosiert werden, wenn im nächsten Jahr die digitale Verkehrssteuerung in der Praxis funktioniert. An der Berliner Straße wird dazu eine neue Ampelanlage gebaut, die den Busverkehr bevorrechtigen kann. Die Kreuzungen einiger großer Zubringerstraßen werden zudem neu geordnet. Das betrifft die Dotzheimer Straße, die Schiersteiner Straße, die Rheinstraße und die Biebricher Allee. Stellenweise werden auch Parkplätze aufgehoben, weil der Platz nicht mehr ausreicht. Laut Kowol sind davon aber die ohnehin knappen Flächen für das Bewohnerparken am Ersten Ring nicht betroffen.

          Titel „fahrradunfreundlichste Großstadt“ ablegen

          Um die Belieferung der Geschäfte sicherzustellen, werden neue Kurzparkzonen für Paketdienste geschaffen. Kowol rechnet mit einer längeren Umgewöhnungszeit nach der Neuordnung. Die Vorteile lägen aber auf der Hand: Berufstätige kämen mit dem Bus pünktlich zur Arbeit. Das Rad oder E-Bike werde für Menschen attraktiv, denen es bisher zu unsicher gewesen sei. Für Fußgänger gebe es neue, barrierefreie Wege und die Anwohner profitierten von sauberer Luft und weniger Lärm.

          Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in Wiesbaden hat die jüngsten Initiativen der Stadt zwar gelobt, aber gleichzeitig kritisiert, dass das Radwegenetz noch immer nicht „für starken und sicheren Radverkehr ausgelegt“ sei. Das Rad benötige starken politischen Rückhalt, wenn Wiesbaden den mehrfach errungenen Titel „fahrradunfreudlichste Großstadt“ endlich ablegen wolle. Viele Straßen wie der Erste Ring seien vorrangig für den Autoverkehr ausgebaut worden.

          Radwegverbindungen attraktiver gestalten

          Zufrieden ist der ADFC, dass die Stadt die aktuell verkehrsberuhigte Situation nutzt, um das neue „ Radwegegrundnetz“ zu realisieren. So seien rund um die Ringkirche schon Anfang April neue Radwege unterschiedlicher Güte markiert worden. Herausragend sei der geschützte Radweg zwischen Kaiser-Friedrich-Ring und Wörthstraße. „Hier können Menschen jeden Alters erstmals in Wiesbaden erfahren, was der ADFC mit seiner Forderung nach mehr Platz fürs Rad meint“, sagt der Vereinsvorsitzende Eru Frank.

          In der aktuellen Corona-Krise zeige sich, welche Bedeutung der Radverkehr einnehmen könne, wenn in der Innenstadt deutlich weniger Autos unterwegs seien. Der Anteil der Radler sei in den zurückliegenden drei Wochen deutlich gestiegen, auch wegen des schönen Wetters. Jetzt müssten Radwegeverbindungen ausgebaut und attraktiver gestaltet werden. Mit sicheren und durchgehenden Radwegen könne Wiesbaden es schaffen, fahrradfreundlicher zu werden.

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