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Wiesbaden : Letzte Ruhestätte unter Bäumen

  • -Aktualisiert am

Der Wald in Frauenstein ist für Bestatungen vorgesehen Bild: Röth, Frank

Die Stadt Wiesbaden möchte einen Bestattungswald ausweisen. Ein ähnliches Angebot gibt es auch in Taunusstein.

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          Wer Glück mit dem Wetter hat, dem bietet das am Parkplatz Monstranzenbaum gelegene Waldstück derzeit ein idyllisches Bild: Die hochaufragenden Buchen und Eichen tragen ihr goldenes Herbstkleid, ab und an durchdringen Sonnenstrahlen das Blätterdach und flirren auf dem dichten Laubteppich des Waldbodens.Vereinzelt ist Vogelgesang zu hören, ansonsten vernimmt man nur den Wind, der im Blattwerk der Bäume spielt. Ein Ort, den sich wohl nicht wenige Menschen als ihre letzte Ruhestätte vorstellen könnten.

          Tatsächlich könnte der Wald zwischen Wiesbaden-Frauenstein und Schlangenbad-Georgenborn in absehbarer Zeit zur Beisetzung von Urnen genutzt werden. Denn die Stadt Wiesbaden möchte ein 500.000 Quadratmeter großes Areal für 99 Jahre als Bestattungswald ausweisen. Den dafür nötigen Bebauungsplan hatten die Stadtverordneten im September mit großer Mehrheit beschlossen und damit die formalen Voraussetzungen für das Vorhaben geschaffen. Ende 2011 soll der Bebauungsplan Bestandskraft erlangen.

          100.000 Quadratmeter große Fläche

          Danach sind laut Forstamtsleiterin Sabine Rippelbeck noch einige Arbeiten zu erledigen, bevor der Bestattungswald Ende 2012 in Betrieb gehen könnte. Zunächst will man eine rund 100.000 Quadratmeter große Teilfläche des Laubmischwaldes für die Beisetzungen vorbereiten: Zum einen müssen geeignete Bäume ausgewählt werden; pro Baum können im Schnitt zwischen zehn und zwölf Urnen beigesetzt werden. Zum anderen stehen mit Blick auf die Verkehrssicherheit Aufräumaktionen an, was etwa das Unterholz betrifft. Befestigte Wege sind nicht geplant; stattdessen sollen die Besucher auf Holzhackschnitzel-Pfaden durch den Bestattungswald gelangen.

          Die Gebühren lägen noch nicht fest, so Rippelbeck, die zur Orientierung auf die Preise anderer Anbieter verweist. Bei denen koste ein Urnenplatz unter einem Gemeinschaftsbaum rund 400 bis 500 Euro. In einen Einzel- respektive Familienbaum müssten mehrere tausend Euro investiert werden, wobei die Kosten auch von Lage und Größe des favorisierten Baumes abhingen. Blumenschmuck soll tabu sein; am Baum wird nur eine Namensplakette an den Verstorbenen erinnern, alternativ ist eine anonyme Bestattung möglich. Schon jetzt gebe es eine rege Nachfrage, so Rippelbeck. Übers Jahr verteilt habe es rund 80 bis 90 Anfragen gegeben. Es meldeten sich hauptsächlich Wiesbadener, aber zu 20 bis 30 Prozent auch Menschen, die zwar aus Wiesbaden stammten, nun nicht mehr hier wohnten, aber in ihrer Heimat bestattet werden wollten. Unklar ist noch, ob die Stadt das Projekt in Eigenregie führt oder mit einem privaten Betreiber kooperiert.

          Dass die Nachfrage nach dieser Bestattungsform vorhanden ist, belegt auch der im Februar in Taunusstein-Wehen und damit ganz in der Nähe von Wiesbaden eröffnete Friedwald "Hirschwiese". Bis Anfang August hatte es dort schon beinahe hundert Beisetzungen gegeben. Dass der Taunussteiner Friedwald dem Wiesbadener Bestattungswald potentielle Interessenten abspenstig machen könnte, glaubt Rippelbeck nicht. "Die Wiesbadener sind eher lokalpatriotisch, deshalb ist es unwahrscheinlich, dass die Leute nach Taunusstein gehen."

          „Keine Konkurrenz zu Friedhöfen“

          "Ich kann den Trend nachvollziehen", sagt Gründezernentin Birgit Zeimetz (CDU) mit Blick auf die steigende Nachfrage nach Bestattungswäldern. Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass es Veränderungen in der Bestattungskultur gebe. Sie sieht verschiedene Motive dafür, weshalb Menschen die Beisetzung im Wald einem klassischen Begräbnis auf dem Friedhof vorziehen. Viele Ältere wählten diese Bestattungsform, weil sie nach ihrem Tod keine Belastung für die Angehörigen darstellen wollten, was etwa die Grabpflege betrifft. Auch die Kosten seien ein Motiv, nach Einschätzung Zeimetz' aber nicht das vorrangige.

          Eine Konkurrenz für die Wiesbadener Friedhöfe sehen Zeimetz und Rippelbeck in dem geplanten Wiesbadener Bestattungswald nicht. Es handele sich um ein zusätzliches Angebot. Doch auch auf den Friedhöfen ist die Bestattungskultur im Umbruch, werden laut Zeimetz hier doch inzwischen zu 75 Prozent Urnen- und nur noch zu 25 Prozent Erdbestattungen nachgefragt. Man müsse zusehen, dass man auch innerhalb der Friedhöfe entsprechende Angebote vorhalte, sagt sie mit Blick auf Baumbestattungen.

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