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Wiesbaden : Land sieht Chance für Uni-Klinik

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Erst seit einer Woche Beteiligung des Rhön-Konzerns: die Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken. Bild: dpa

Ministerin Eva Kühne-Hörmann sieht in der geplanten Übernahme der Rhön Klinikum AG durch den Fresenius-Konzern eine „große Chance auch für das Universitätsklinikum Gießen und Marburg.“

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          Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sieht in der geplanten Übernahme der Rhön Klinikum AG durch den Fresenius-Konzern eine „große Chance auch für das Universitätsklinikum Gießen und Marburg, die es zu nutzen gilt“. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kündigte Gespräche mit Fresenius an. Der Bad Homburger Gesundheitskonzern will Rhön mit seinem in Berlin ansässigen Tochterunternehmen Helios zusammenführen, wie er gestern in einer Mitteilung an die Börse darlegte. Rhön hält 95 Prozent am Uni-Klinikum Gießen und Marburg, die übrigen Anteile liegen beim Land, das zuletzt öffentlich mit Rhön gestritten hat.

          Die Gewerkschaft Verdi warnte unterdessen vor einer zu großen Marktmacht nach einer Übernahme von Rhön. In Hessen verfügt Rhön über vier Beteiligungen. Außer dem Klinikum in Mittelhessen sind dies in Wiesbaden die Aukamm-Klinik, die Deutsche Klinik für Diagnostik und seit Freitag die Horst-Schmidt-Kliniken (HSK). Helios betreibt Kliniken in Bad Nauheim, Bad Schwalbach, Diez, Idstein, Grebenhain und Hünfeld.

          Gegen den Abbau von Stellen

          Auf ein besonderes Interesse stößt die Entwicklung auch in Wiesbaden. Für das Bundeskartellamt könnte gegebenenfalls die Tatsache von Bedeutung sein, dass Helios mit einigen Häusern im geographischen Umfeld der Landeshauptstadt vertreten ist. Die Konkurrentin Asklepios betreibt in Wiesbaden die Paulinenklinik. Der für die HSK verantwortliche Dezernent, Bürgermeister Arno Goßmann (SPD), wollte sich „nur sehr zurückhaltend“ äußern. Die Stadt habe das Geschäft mit Rhön am 28.März abgeschlossen. Der Kaufvertrag sei rechtsgültig. Er habe keinen Zweifel daran, dass der Vertragspartner alle eingegangenen Verpflichtungen einhalten werde, sagte Goßmann. Die Kommune halte die Mehrheit an den HSK und besitze entsprechende Kompetenzen. So sei vertraglich festgelegt, dass Rhön seinen Minderheitsanteil nur mit Zustimmung der Stadt verkaufen könne. Die Fraktion von Linken und Piraten im Rathaus forderte, die Teilprivatisierung der HSK rückgängig zu machen. Bernhard Lorenz, Fraktionschef der CDU, zeigte sich erfreut darüber, dass der Entscheidung der Stadt Wiesbaden für Rhön jetzt auch die Leitung eines Dax-Unternehmens folge. Werde das Übernahmeangebots angenommen, schieden die mit Ausnahme des Unternehmensgründers Eugen Münch weitgehend renditeorientierten Anleger der Rhön Klinikum AG aus.

          Im Streit zwischen dem Land und Rhön um das Uniklinikum Gießen und Marburg hatten sich Kühne-Hörmann und Bouffier gegen den Abbau von 500 Stellen gewandt. Zudem mahnte die Ministerin die Inbetriebnahme einer hochmodernen Anlage in Marburg zur Krebsbehandlung an. Die von Siemens gebaute Anlage funktioniert nicht wie gewünscht. Nach dem Stand der Dinge soll sie nur technischer Forschung von Siemens dienen.

          Eine neue Lage

          Zu dem Übernahmeangebot und möglichen Folgen für den Betrieb mochte sich die Geschäftsführung des Uni-Klinikums nicht äußern. Es liege kein formelles Angebot vor, sagte ein Sprecher. Bevor sich der neue Vorsitzende der Geschäftsführung, Martin Menger, dazu äußere, müssten erst Vorstand und Aufsichtsrat von Rhön Stellung beziehen. Rhön zeigte sich überrascht von dem Gebot. „Ich habe das in dieser Form erst heute erfahren“, sagte Finanzvorstand Erik Hamann bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt.

          Betriebsräte in Gießen und Marburg meinen dagegen, rückblickend Anzeichen für einen Eigentümerwechsel erkannt zu haben. Rhön sei „in Bewegung gewesen“, sagte der Gießener Betriebsratschef Klaus Hanschur. Im Grundsatz sei es den Arbeitnehmervertretern egal, wer Eigentümer sei, denn das Uni-Klinikum sei eine eigenständige GmbH. Die Betriebsräte folgten ihrer Linie, für gute Arbeitsbedingungen für die 9700 Beschäftigten zu kämpfen. Hanschur rief das Land auf, seinen Einfluss auf das Uni-Klinikum zu steigern.

          Aus Sicht des Gießener Uni-Präsidenten Joybrato Mukherjee und des Medizin-Dekans Trinad Chakraborty führt das Übernahmeangebot am Uni-Klinikum zu einer neuen Lage: Sie nehmen an, dass das Land „alle Optionen intensiv prüfen wird, die sich für die Sicherung der Forschung und Lehre sowie einer qualitativ hochwertigen Krankenversorgung in der Universitätsmedizin ergeben“. Zudem solle die Rückführung des Klinikums in den Landesbesitz geprüft werde. Ähnlich äußerte sich der Chef der Hessen-SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel. Die Privatisierung sei falsch gewesen.

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