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Wiesbaden : Hochsaison für Diebe

Ins Netz gegangen: Während einer Kontrolle an der Raststätte Medenbach durchsuchen Polizisten einen Verdächtigen. Bild: dpa

Mit Fahrzeugkontrollen an der Autobahn und Ratschlägen will die Polizei Einbrüche in Wohnungen und Fahrzeuge verhindern. Denn gerade in der Ferienzeit ist besondere Vorsicht geboten.

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          Die Verkehrsteilnehmer, die am Montag die Raststätte an der Autobahn 3 bei Wiesbaden-Medenbach passiert haben, dürften sich die hohe Präsenz bewaffneter Polizisten zunächst mit den Anschlägen der zurückliegenden Tage erklärt haben. Rund 50 Autofahrer erkannten allerdings schon bald, dass es in Wirklichkeit um etwas anderes ging.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Sie und ihre Fahrzeuge wurden überprüft, weil die Polizei ihren Kampf gegen Einbrecher seit Mitte Juli zwei Monate lang mit besonderen Maßnahmen verschärft. Sie hat Grund dazu. Denn die Zahl der aufgebrochenen Wohnungen stieg in Hessen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2014 um mehr als fünf Prozent auf zirka 11 600.

          Beobachtung im Verkehr, Kontrolle am Parkplatz

          Wie ernst die Anstrengungen der Polizei gemeint sind, unterstrich Innenminister Peter Beuth (CDU) mit einen Besuch der Kontrollstelle. Die Urlaubszeit biete den potentiellen Tätern erfahrungsgemäß besonders günstige Bedingungen, erklärte er. Deshalb werde der Druck auf Einbrecher erhöht, und der Bevölkerung werde gleichzeitig erläutert, wie sie sich besser schützen könne.

          Überfüllte Briefkästen und permanent geschlossene Rollläden gelten als schlimme vermeidbare Fehler, die gern als Einladung missverstanden werden. Viele Täter reisen im Wissen um solchen Leichtsinn gern auch von weither an. „Osteuropäische Fahrzeugkennzeichen interessieren uns besonders“, stellte Beuth fest. Auch am Nummernschild erkennbare Leihwagen und das Aussehen der Insassen können Verdacht erregen.

          Einige Beamte beobachteten den Verkehr am Montag an einer Autobahnauffahrt, die sich ein paar Kilometer vor der Raststätte befand. Sie gaben ihren Kollegen die Kennzeichen der verdächtigen Fahrzeuge durch. Auf dem großen Parkplatz fanden anschließend die Kontrollen statt.

          Potentielle Täter verunsichern

          Dabei wurde ein Autofahrer aus Georgien festgenommen, weil er europaweit zur Fahndung ausgeschrieben war. Ihn und seine drei Begleiter hat die Polizei im Verdacht, die Fortsetzung einer Serie von Ladendiebstählen geplant zu haben. Eine andere Person verfügte zwar über eine Fahrerlaubnis, nicht aber über Ausweisdokumente.

          Sie wurde unter dem Vorwurf der illegalen Einreise festgesetzt. Dass die Polizei bei ihren Durchsuchungen relativ schwer bewaffnet sei, habe ebenfalls nichts mit den Ereignissen der vergangenen Tage zu tun, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen. Zu der Zahl der eingesetzten Beamten wollte er sich aus sicherheitstaktischen Gründen nicht äußern.

          Die verkehrsgünstige Lage Hessens biete reisenden Tätern gute Möglichkeiten, Tatorte zu erreichen und anschließen rasch zu fliehen, erklärte Beuth. Daher würden die Kontrollen auf den Bundesautobahnen intensiviert, um Täter festzunehmen, Diebesgut sicherzustellen, neue Erkenntnisse zu gewinnen, aber auch um potentielle Täter zu verunsichern.

          Beratungsangebote der Polizei

          Daneben wolle man die Zusammenarbeit der Länder intensivieren. Mitte Juni hätten Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz einen entsprechenden Vertrag besiegelt. In Hessen sei außerdem eine spezielle Software zur Auswertung der täglich registrierten Wohnungseinbrüche entwickelt worden.

          Vier Polizeidirektionen hätten sie bereits erfolgreich im Pilotbetrieb eingesetzt. In den dunkleren Herbst- und Wintermonaten werde noch eine weitere Direktion den Probebetrieb aufnehmen, kündigte der Innenminister an. Der Einsatz in ganz Hessen ist für das nächste Jahr geplant.

          Der Verhinderung von Einbrüchen dient auch die „städtebauliche Kriminalprävention“. Die Zusammenarbeit mit Bauamt, Architekten und der Wohnungswirtschaft habe beispielsweise dem Neubau eines Studentenwohnheims in Offenbach das Gütesiegel „Sicher Wohnen in Hessen“ beschert, hieß es. Nach wie vor können die hessischen Bürger sich kostenlos in polizeilichen Beratungsstellen, Polizeiläden oder zu Hause erklären lassen, wie sie ihr Zuhause besser vor Einbrechern schützen können.

          Brustbeutel keine sichere Alternative

          Demselben Zweck dient das Präventionsmobil, ein begehbarer Laster, mit dem sich gestern das Landeskriminalamt auf der Rastanlage Medenbach präsentierte. „Langfinger machen niemals Urlaub“, lautete die Botschaft für Autofahrer, die auf dem Weg in die Ferien sind.

          Als Irrglaube wurde zum Beispiel die Annahme entlarvt, einfache Brustbeutel seien die sichere Alternative zur normalen Geldbörse. Diebe hätten sich inzwischen darauf spezialisiert, die um den Hals hängende Kordel kurzerhand abzuschneiden, um im nächsten Schritt nach dem Beutel zu greifen, hieß es.

          Zweitschlüssel im Auto grob fahrlässig

          Die Lockerheit des Urlaubsalltags mache leichtsinnig und biete Dieben viele Chancen. „Räumen Sie Ihr Auto aus, ehe es andere tun“, lautet ein weiterer Ratschlag. Misstrauen ist aus der Sicht der Polizei auch geboten, wenn man auf Parkplätzen auf angebliche Schäden am eigenen Auto aufmerksam gemacht wird oder den Weg auf einer Straßenkarte erklären soll. Die Beamten warnen: So werde man aus dem Auto gelockt, damit Komplizen auf die Wertsachen im Innern des Fahrzeuges zugreifen könnten. Mit solchen Tricks müsse man inzwischen nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland rechnen.

          Während des Aufenthaltes an Raststätten soll immer mindestens ein Erwachsener im Auto bleiben. Und noch eines: Die Rechtsprechung wertet das Zurücklassen eines Zweitschlüssels im Fahrzeug als grobe Fahrlässigkeit, die den Versicherer im Falle des Autodiebstahls von der Leistung befreit.

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