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Luftreinhalteplan Wiesbaden : „72.000 Autos sind nicht stadtverträglich“

Stau auf dem ersten Ring: Hier will die Stadt Wiesbaden mit einer Umweltspur den Bus- und Radverkehr fördern. Bild: Cornelia Sick

Die hessische Landeshauptstadt will den Verkehr besser steuern. Dafür sind schon Busspuren eingerichtet und Ampeln digital umgerüstet worden. Die Stadt strebt eine doppelte Verlagerung des Verkehrs an.

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          Mit dem Aufbau eines bundesweiten Referenzprojektes zur stadtweiten digitalen Steuerung der Verkehrsströme kommt die Landeshauptstadt gut voran, während sie gleichzeitig die Ausweisung von Umweltspuren für Busse und Radfahrer forciert. Mit dem Projektpartner Siemens hatte das Tiefbau- und Vermessungsamt im Dezember 2018 begonnen, die Ampeln um- und aufzurüsten. Zur Jahresmitte 2020 sind mehr als 160 der 227 Ampelanlagen umgebaut worden. Das bestätigte die Leiterin des Tiefbau- und Vermessungsamtes, Petra Beckefeld, bei der Vorstellung einer Zwischenbilanz mit Siemens-Projektleiter Axel Wienert.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Das Vorhaben ist Teil des Luftreinhalteplans für Wiesbaden und wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Konkret werden die Ampeln technisch aufgerüstet, mit Glasfaserleitungen an die neue Verkehrsleitzentrale angebunden und teilweise mit Wärmebildkameras und Umweltsensoren ausgestattet. Ebenfalls im Luftreinhalteplan verankert sind die Umweltspuren, wodurch die Verkehrs- und Schadstoffbelastung der Wiesbadener Innenstadt vermindert werden soll. Sie geben dem „Umweltverbund“ aus Bus- und Radverkehr zu Lasten des Autoverkehrs mehr Verkehrsfläche.

          Durchgangsverkehr soll ausweichen

          Laut Beckefeld sind die Arbeiten auf dem ersten Ring weit vorangeschritten. Bis Dezember sollen auf dem gesamten Ring die Umweltspuren durchgängig markiert und die Verkehrssteuerung an allen wichtigen Knotenpunkten auf den neusten Stand gebracht worden sein. Als Schlüsselprojekt gilt die Steuerung des Verkehrszuflusses am Knotenpunkt Berliner Straße und Abraham-Lincoln-Straße. Dort wird während der Sommerferien mit einer neuen Ampel die bevorrechtigte Einfahrt der Busse in den Stadtkern durchgesetzt.

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          Nach Angaben von Umweltdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) wird der erste Ring täglich von 72.000 Fahrzeugen genutzt. Das sei „nicht mehr stadtverträglich“. Kowols Ziel ist eine doppelte Verlagerung: Wiesbadener Autofahrer sollen zumindest zum Teil auf Busse und Rad umsteigen. Der Durchgangsverkehr aus Taunusstein, Mainz oder Frankfurt soll auf den zweiten Ring oder das Fernstraßennetz ausweichen.

          Mehr Pünktlichkeit bei den Buslinien

          Nach Angaben von Eswe-Geschäftsführer Jörg Gerhard profitiert der Busverkehr schon jetzt. Bei den 19 Buslinien, die auf dem ersten Ring unterwegs sind, seien wegen der neuen Umweltspuren mehr Komfort und Pünktlichkeit messbar.

          Bis Oktober sollen noch zahlreiche Kreuzungen umgestaltet, Verkehrsknotenpunkte optimiert und Ampelschaltungen verbessert werden. Die Digitalisierung der Ampeln soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Das Jahr 2021 ist dann der sukzessiven Optimierung der Verkehrsflüsse in der neuen Verkehrsleitstelle vorbehalten.

          Das ist nicht nur ein komplexes Unterfangen, sondern für eine öffentliche Verwaltung alles andere als Alltagsgeschäft, wie Amtsleiterin Beckefeld im Hinblick auf die Geschwindigkeit und die vernetzte Zusammenarbeit hervorhebt. „Was wir hier tun, ist agiles Projektmanagement in Reinform und für eine städtische Verwaltung eher ungewöhnlich.“

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