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Umstrittenes Projekt : Wiesbadener entscheiden über die Citybahn

  • -Aktualisiert am

Plakatschwemme: Befürworter und Kritiker der Citybahn werben entlang der Biebricher Allee für ihre Position. Bild: Marcus Kaufhold

Das Projekt Citybahn spaltet die Bürgerschaft wie kaum ein anderes Vorhaben. Der Ausgang des Bürgervotums am 1. November ist offen.

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          Wer in den vergangenen Wochen mit dem Auto in der Wiesbadener City unterwegs war, brauchte eine wahre Engelsgeduld. Die Staus wurden täglich länger, neue Umweltspuren, eine veränderte Verkehrsführung und zahlreiche Baustellen verursachten stellenweise ein Chaos. Böse Zungen behaupteten, dies sei von der Stadtspitze und insbesondere von Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) kurz vor dem Bürgerentscheid zur Citybahn am Sonntag inszeniert worden. Was ihnen wiederum den Vorwurf eintrug, Verschwörungstheorien zu verbreiten.

          Der Zank ist symptomatisch für die Diskussion über die umstrittene Bahn: Die Stadtgesellschaft ist tief gespalten. Kowol weiß um die Vorwürfe und sagt von sich zwar, dass er „das ganz gut aushält“. Dennoch hat er am Donnerstag in den sogenannten sozialen Medien einen langen Text zu seiner Politik und dem Luftreinhalteplan gepostet. Tenor: Die Maßnahmen waren notwendig, um das drohende Diesel-Fahrverbot abzuwenden.

          Es steht Spitz auf Knopf, ob Wiesbaden eine Straßenbahn bekommt oder sich nach anderen Wegen umsehen muss, um die gravierenden Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen. Selbst die Politiker winken ab, wenn es darum geht, eine Tendenz vorherzusagen.

          Citybahn soll Autoverkehr entlasten und Klima schonen

          Die Citybahn soll vor allem Pendler dazu bewegen, vom Auto auf die Bahn umzusteigen. Die 35 Kilometer lange Strecke führt von Mainz über die Theodor-Heuss-Brücke nach Kastel, durch den Biebricher Ortskern zum Hauptbahnhof und von dort zur Ringkirche. Wie es dann weitergeht, steht noch nicht fest, die Planer favorisieren aber eine Streckenführung über die Dotzheimer Straße zum stillgelegten Bahnhof und von dort weiter auf der ehemaligen Aartalbahntrasse. Im Gespräch ist auch ein Schlenker zu den Horst-Schmidt-Kliniken. Von Dotzheim aus geht es über die Eiserne Hand nach Taunusstein, die Aar entlang bis nach Bad Schwalbach.

          Mainz, der Rheingau-Taunus-Kreis und die beiden Taunus-Städte sind klar für die Citybahn, der Kreis gehört zur eigens gegründeten Citybahn-Gesellschaft. „Die mit der modernen Bahnverbindung verbundene verbesserte ÖPNV-Anbindung an die Landeshauptstädte Wiesbaden und Mainz wird nicht nur die Wiesbadener Hauptverkehrsachsen vom Autoverkehr entlasten und das Klima schonen, sondern auch die Lebensqualität für die Berufspendler aus dem Untertaunus deutlich steigern“, meinen die Bad Schwalbacher Stadtverordneten.

          Kritik am Bürgerentscheid gibt es aus dem Rheingau-Taunus-Kreis und aus Mainz, denn die Entscheidung der Wiesbadener habe Auswirkungen auf die gesamte Region, deren Bürger aber nicht abstimmen dürfen. Der Taunussteiner Rathauschef Sandro Zehner (CDU) schaltete Zeitungsanzeigen, um die Wiesbadener vom „Ja“ zu überzeugen.

          Busfahrer sprechen sich für Citybahn aus

          Die Kritik an dem Bahnprojekt, die insbesondere von zwei Bürgerinitiativen vorgetragen wird, gilt auch den Kosten. War 2016 noch von Ausgaben in Höhe von 305 Millionen Euro die Rede gewesen, sind es jetzt 426 Millionen. Das liegt nicht nur an höheren Baupreisen, sondern auch an der geänderten Streckenführung.

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