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Theater in Wiesbaden : Das Herz eines Boxers

Der Schauspieler Linus Schütz spielt den Protagonisten des Stücks „Der Club“. Bild: Karl und Monika Forster

Vor zwei Jahren hat der Journalist Takis Würger seinen ersten Roman „Der Club“ veröffentlicht, der zum Bestseller wurde. Nun ist der Roman am Staatstheater Wiesbaden zu sehen.

          Prinz Charles soll gesagt haben, in einer Nacht im Pitt Club habe er mehr gelernt als in drei Jahren am Trinity College. Der junge, etwas versponnene Hans Stichler kann mit Prinz Charles nichts anfangen, mit Elite eigentlich auch nichts. Aber dank ihrer letzten verbliebenen Verwandten landet die Waise zum Studium in Cambridge und im Pitt Club, einer elitären Vereinigung, in der geklüngelt und geboxt wird. Und noch so einiges andere.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hans musste versprechen, ein Verbrechen aufzuklären. Eintritt in Kreise, die ihm sonst verschlossen blieben, ermöglicht ihm auch die etwas merkwürdige, schillernde Charlotte. Gewalt, Missbrauch, Standesdünkel, Klassenunterschiede, Männergruppen, Rituale, Boxen, das sind die Themen in Takis Würgers Debütroman „Der Club“, der 2017 rasch zum Bestseller geworden ist. Liebesgeschichte, Krimi, Campusgeschichte, Gesellschaftsfragen auf nur wenig mehr als 200 Seiten hat der Redakteur des Magazins „Spiegel“ verwoben. Derzeit wird viel über seinen zweiten Roman „Stella“ diskutiert, der auf der Lebensgeschichte von Stella Goldschlag beruht. Zahlreiche Kritiker haben Sprache, Form und Ansatz der Darstellung negativ beurteilt. Fakten und Fiktion mischt schon Würgers Debüt „Der Club“.

          Klingt schön gruselig

          Denn der Autor, Jahrgang 1985, hat selbst in Cambridge studiert – wenn auch nur ein Jahr lang. Und dass er selbst Mitglied in diversen der zum Teil hochgeheimen Universitätsclubs wurde und, wie er beteuert, versprochen habe, nichts aus dem Innenleben der Vereinigungen zu verraten, dürfte dem Erfolg des Buches sicherlich nicht geschadet haben. Ebenso wenig, dass Würger im Interview einmal beteuerte, es gebe „viel Böses“ in Cambridge und er habe Dinge getan, von denen er zuvor nicht gewusst habe, dass Menschen sie tun. Klingt schön gruselig. Ob Würger wohl mittlerweile aus dem ein oder anderen Club ausgeschlossen worden ist? Immerhin nennt er den einen, Pitt, beim Namen, und was beschrieben wird, wirft nicht gerade ein freundliches Bild auf die Gepflogenheiten derjenigen, die sich für etwas Besseres halten.

          Spannend soll es auch werden, wenn im Kleinen Haus am Staatstheater Wiesbaden „Der Club“ auf die Bühne gebracht wird. Philipp Krenn, der bislang vor allem Musiktheater inszeniert hat und auch in Wiesbaden mit „Peter Grimes“ bislang als Opernregisseur bekannt ist, inszeniert mit dieser Romanadaption erstmals im Schauspiel. Linus Schütz, seit dieser Spielzeit festes Ensemblemitglied, spielt den Hans, Lina Habicht, ebenso neu im Ensemble, die Charlotte.

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