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Wiener Kaffeehaus : Wo die Zeit still steht

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Die Atmosphäre macht den Unterschied: das „Maldaner“ in Wiesbaden. Bild: Sick, Cornelia

Das Wiesbadener Lokal „Maldaner“ ist das erste Original Wiener Kaffeehaus“ außerhalb von Wien. Das wurde am Mittwoch beurkundet.

          „Im Kaffeehaus darf die Zeit ein bisserl stille stehn.“ So formulierte es gestern der österreichische Ehrensenator Franz Strohmer. Die Versammlung im Wiesbadener Traditionslokal „Maldaner“ war richtiggehend dankbar für diese Definition. Denn sie brachte ein Gefühl zum Ausdruck, das die 150 Gäste an der reich gedeckten Festtafel bei all ihren unübersehbaren Unterschieden zum Teil seit Jahrzehnten miteinander verbindet.

          Außerdem war damit ein guter Grund für die Auszeichnung genannt, die dem Traditionshaus im Herzen der Stadt zuteil wurde. Seit Mittwoch ist das „Maldaner“ das erste „Original Wiener Kaffeehaus“ außerhalb der österreichischen Hauptstadt. Das ist mehr als ein Werbegag, denn die beinahe amtlich zu nennende Urkunde überreichte Kommerzialrat Berndt Querfeld.

          Zahl der Kurgäste explodierte geradezu

          Er ist nicht nur der Chef des legendären Hauses Landtmann, Inhaber eines kleinen Imperiums edler Lokale und österreichischer „Gastronom des Jahres 2011“, sondern der Obmann der Wiener Kaffeesieder. Die Auszeichnung, die er gestern verlieh, geht zurück auf einen Besuch, den Strohmer der Stadt Wiesbaden abgestattet hatte. Der Aufenthalt in dem Traditionshaus an der Marktstraße beeindruckte den früheren Intendanten der Wiener Bezirksfestwochen so sehr, dass er unter den Wiener Kaffeesiedern dafür warb, es in den altehrwürdigen Klub aufzunehmen.

          Der Wiesbadener Adam Maldaner hatte es 1859 eröffnet und davon profitiert, dass die Zahl der Kurgäste innerhalb von wenigen Jahren geradezu explodierte. In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten hier spätere Größen wie Heinz Schenk, Hans-Joachim Kulenkampff und Paul Kuhn erste Auftritte.

          Alleine, aber mit Gesellschaft

          Vor zehn Jahren übernahmen Michael Schulz und Renate Winkel den Betrieb. Das Ehepaar prägte den gegenwärtigen Stil des Hauses und die Atmosphäre, die gestern allseits gelobt wurde. Dabei hätte man ein paar Augenblicke lang beinahe meinen können, dass sich in dem edlen Ambiente mit den köstlichen Speisen und Getränken vor allem die Sozialdemokraten seit vielen Jahrzehnten besonders zu Hause fühlen. Bürgermeister Arno Goßmann (SPD) berichtete, dass er es genieße, samstags gemeinsam mit seiner Frau zu kommen. Fast genauso schön sei es aber, sich mit einem Cappuccino hinter einer guten Zeitung zu verstecken.

          Damit näherte er sich der Definition des Wiener Journalisten und Drehbuchautoren Alfred Polgar. „Ins Kaffeehaus gehen Leute, die allein sein wollen, dazu aber Gesellschaft brauchen.“ Goßmann verriet schließlich, dass er sich immer freue, die Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz im „Maldaner“ zu treffen.

          „Das Maldaner hat wunderbare Gäste“

          So war es auch am Mittwoch. Und die CDU-Politikerin berichtete nicht nur von lustigen und manchmal lauten Kränzchen unter guten Freundinnen. Sie konnte sogar mit ihrer Herkunft beeindrucken. „Mein Großvater war Wiener, und ich bin mit seiner Musik groß geworden.“ Kaffeehäuser zögen viele kreative Köpfe an, meinte Scholz. Als Beispiele nannte sie den am anderen Ende des langen Tisches sitzenden Fraktionsvorsitzenden der Bürgerliste, Michael von Poser, und den Leiter der Volkshochschule, Hartmut Boger.

          Schräg gegenüber saß die frühere Bundesministerin und Bundestagsabgeordnete Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). „Ich trink‘ ja gar keinen Alkohol“, beschied sie auch gestern wieder den Kellner - so wie sie es seit vielen Jahren regelmäßig tut, wenn sie beispielsweise Journalisten zu Hintergrundgesprächen einlädt.

          Die sind überaus dankbar, dass sie sich einen guten Tropfen gönnen dürfen, während die „rote Heidi“ nach Butterstreuselkuchen verlangt - „aber bitte den trockenen“. Wie es sich für eine Sozialdemokratin gehört, lobte Wieczorek-Zeul das Personal - und dann sich selbst und alle anderen Anwesenden. „Das Maldaner hat wunderbare Gäste.“

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