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Wiener Feinbäckerei : Heberer bringt Anleihe nicht vollständig unter

„Erster Wiener“ an der Freßgass’: Eine Filiale des Familienunternehmens Wiener Feinbäckerei Heberer aus Mühlheim. Bild: Kaufhold, Marcus

Die siebenprozentige Anleihe der Wiener Feinbäckerei Heberer ist lediglich zu zwei Dritteln gezeichnet worden. Mit den 8,5 Millionen Euro sollen Investitionen finanziert und alte Schulden getilgt werden.

          Die Wiener Feinbäckerei Heberer hat ihre Unternehmensanleihe, für die sie seit August vergangenen Jahres mit Handzetteln in ihren Filialen geworben hatte, nicht vollständig am Markt unterbringen können. Wie Alexander Heberer, Geschäftsführer der GmbH, sagte, sind am 28.Juli, dem Ende der Angebotsfrist, 8,5 der geplanten zwölf Millionen Euro gezeichnet worden. Heberer zeigte sich gleichwohl zufrieden. Das Unternehmen habe diesen neuen Weg der Finanzierung gehen wollen - und über die bis 2016 laufende Anleihe habe es Kontakt zu Investoren aufgebaut, die sich auch in Zukunft nutzen ließen. Das Geld will das Unternehmen einerseits zur Tilgung von Bankschulden verwenden, andererseits für Investitionen ins Filialnetz.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Der Geschäftsführer kündigte an, dass der Bäckereibetrieb angesichts der harten Konkurrenz weiterhin auf höherwertige Angebote setzt, vor allem auf anspruchsvoller gestaltete Filialen. Neben den bekannten Niederlassungen der Wiener Feinbäckerei wurden in den vergangenen Jahren bereits 50 Geschäfte der Marke „Erster Wiener“ mit einem hochwertigeren Design eröffnet. Die erste dieser Art war eine Filiale an der Freßgass’ in Frankfurt, zuletzt eröffnet wurde im Juli eine in Frankfurt-Nieder-Eschbach.

          330 Geschäfte in Deutschland

          Neu hinzu kommen jetzt noch Filialen der Marke „Heberer’s Traditional Bakery“, zunächst im Frankfurter Flughafen im neuen Flugsteig A-Plus, der im Oktober eröffnet werden soll. Weitere sind in Leipzig geplant. Heberer setzt mit seinen neuen Marken ebenso wie andere Unternehmen der Branche zum einen auf das Backen von Brot und Brötchen in der Filiale, zum anderen auf den Verkauf von Snacks, also etwa belegten Brötchen. Zubereitete Artikel machen inzwischen 27 Prozent des Umsatzes aus. „Bäcker sind die großen Gewinner des Außer-Haus-Verzehrs“, sagt der Geschäftsführer.

          Zum Mühlheimer Unternehmen zählen gut 330 Geschäfte in Deutschland, von denen allerdings gerade einmal 18 von der GmbH selbst geführt werden. Bei den meisten tritt Heberer zwar als Mieter auf und richtet die Ladenlokale auch ein, doch arbeiten dort selbständige Kommissionäre, die mit ungefähr einem Viertel am Umsatz beteiligt werden. Beliefert werden sie von drei Bäckereien in Mühlheim, Weimar und Zeesen bei Berlin.

          Harter Konsolidierungsprozess

          Zur Strategie der Wiener Feinbäckerei zählt es seit längerem, sich auf stark frequentierte Orte zu konzentrieren, also etwa auf Flughäfen, Bahnhöfe und zentrale Punkte in den Innenstädten. Als interessant gelten auch Supermärkte. Der Geschäftsführer freut sich über den Ausbau der Kooperation mit den Handelsketten Tegut und Hit. Eine Filiale im Hit-Supermarkt in Frankfurt-Sachsenhausen sei erfolgreich, eine weitere sei in einem neuen Supermarkt dieser Kette in Bad Homburg geplant, sagt Alexander Heberer, der gemeinsam mit seinem Bruder Georg nicht nur Geschäftsführer, sondern auch Inhaber des Bäckereibetriebs ist.

          Die Gesellschaft hat in den vergangenen Jahren einen harten Konsolidierungsprozess durchlaufen. Im Frühjahr 2008 wurde die Zahl der Filialen noch mit 474 angegeben, seitdem ist also ungefähr jede dritte aufgegeben worden. Zuletzt wurden 15 Filialen der Discountmarke BBX Brotbäcker Express abgegeben. 2009 hatte das Unternehmen bei einem Umsatz in Höhe von 120,7 Millionen Euro einen Verlust von 8,4 Millionen ausgewiesen. Für 2010 wurde dann bei einem auf 115 Millionen Euro gesunkenen Umsatz ein Gewinn in Höhe von 447.000 Euro erzielt. 2011 wies die GmbH bei einem konstanten Umsatz 1,7 Millionen Euro als Jahresüberschuss aus, wie der Chef berichtet.

          Weitere Bereinigung erwartet

          Im März 2010 musste die GmbH aber sogar mit den Banken eine Stundung der Tilgungsraten bis Ende 2011 vereinbaren. Im Verkaufsprospekt wurden für den 31.Dezember 2010 lang- und kurzfristige Schulden in Höhe von 29,1 Millionen Euro genannt, bei einem Anlage- und Umlaufvermögen sowie Eigenkapital von zusammen 53,3 Millionen. Alexander Heberer hebt allerdings hervor, dass die Verbindlichkeiten der GmbH zuletzt um zwei Millionen gesunken seien und die erste Zinszahlung der Anleihe am 1.August pünktlich erfolgt sei.

          Der Geschäftsführer erwartet eine weitere Bereinigung in der Branche. Die Umsätze mit Backwaren wachsen in Deutschland seit langem kaum noch. Mit der zunehmenden Ausrichtung auf das Premiumsegment sieht sich die Wiener Feinbäckerei Heberer gerüstet; man stehe für gesunde Ernährung und innovative Produkte, heißt es. Die Geschichte reicht bis 1891 zurück, als der erste Georg Heberer in Offenbach eine Bäckerei übernahm. Sein Sohn lernte einige Zeit in Wien - dies allein ist der Grund, warum man sich bis heute „Wiener“ Bäcker nennt.

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