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Wiedereinzug ins Parlament : Die Landesliste ist keine Garantie

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In der Schwebe: Michael Boddenberg (CDU) steht nur auf Platz 11 der Landesliste. Bild: Eilmes, Wolfgang

Auch prominente Abgeordnete müssen um den Wiedereinzug ins Parlament bangen. Einige hoffen auf die schwache Konkurrenz, andere setzen auf eine Regierungsbeteiligung ihrer Partei.

          Michael Boddenberg ist seit gut viereinhalb Jahren Mitglied der Landesregierung und vertritt als Minister für Bundesangelegenheiten die Interessen Hessens in Berlin. Der Frankfurter CDU-Politiker hat seit 1999 bei jeder Landtagswahl einen klaren Vorsprung im Wahlkreis Frankfurt IV errungen. Bei der vorgezogenen Landtagswahl im Januar 2009 gewann der heute Vierundfünfzigjährige in den südlichen Stadtteilen deutlich: mit 42 Prozent und fast 19Prozentpunkten Vorsprung.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ob er seine politische Karriere nach der Wahl am Sonntag fortsetzen kann, ist indes ungewiss. Nicht nur, dass das Rennen zwischen den beiden Lagern Schwarz-Gelb und Rot-Grün laut Umfragen extrem eng ist und niemand sagen kann, ob die CDU für die nächste Legislaturperiode noch Ministerposten zu vergeben hat. Der gelernte Fleischermeister Boddenberg muss im Extremfall sogar fürchten, dem nächsten Landtag gar nicht mehr anzugehören, weil er sich einer Mehrheit im Wahlkreis nicht mehr sicher sein kann und auf der Landesliste seiner Partei nur auf Platz elf rangiert.

          Hoffen, dass die Konkurrenten sich gegenseitig Stimmen klauen

          Als Mitglied der CDU/FDP-Landesregierung, die den Flughafenausbau ermöglichte, hat sich Boddenberg den Unmut vieler fluglärmgeplagter Menschen in seinem Wahlkreis zugezogen. Sein Gegner, der 50 Jahre alte Sozialdemokrat Ralf Heider, ist vor allem wegen seiner eindeutigen Positionierung gegen den Flughafenausbau zum Wahlkreiskandidaten gekürt worden. Zwar steht die Hessen-SPD hinter dem Flughafenausbau und Heider ist nicht auf der Landesliste abgesichert, mit seiner Maximalforderung nach Schließung der neuen Bahn wirkt er auf manche Fluglärmgeplagten allerdings anziehend.

          Möglicherweise muss Boddenberg darauf bauen, dass sich Heider und die Grünen-Bewerberin Ursula auf der Heide, die für ein verlängertes Nachtflugverbot, Lärmobergrenzen, eine maximale Zahl von Flugbewegungen und den Verzicht auf ein Terminal 3 ihren Wahlkampf bestreitet, gegenseitig Stimmen wegnehmen. Sollte Boddenberg im Wahlkreis scheitern, könnte es mit dem Wiedereinzug in den Landtag knapp werden. Falls sich nämlich in vielen der 55 Wahlkreise die CDU-Bewerber durchsetzten, kämen entsprechend weniger Kandidaten von der Landesliste zum Zug (siehe Kasten auf dieser Seite). Bei der Landtagswahl 2008 beispielsweise hatte die Union 28 geholt. Im Jahr darauf – eine Ausnahme, weil die SPD nach dem Wortbruch Andrea Ypsilantis landesweit abgestraft worden war – waren es gar 46 Direktmandate. Damals kam von der Landesliste kein einziger CDU-Bewerber durch, 2008 waren es immerhin noch 14 gewesen, die so den Sprung nach Wiesbaden schafften. Irgendwo dazwischen wird die Zahl wohl diesmal liegen.

          Voll auf das Direktmandat gesetzt

          Dementsprechend begehrt sind die oberen Listenplätze, und dementsprechend umstritten war die vom CDU-Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten Volker Bouffier ausdrücklich gewünschte Plazierung von Umweltministerin Lucia Puttrich auf Rang fünf der Landesliste der Union. Die Wetterauer CDU-Kreisvorsitzende hatte zuvor aus freien Stücken zugunsten ihres Parteifreundes Klaus Dietz (Listenplatz 42) auf eine Kandidatur als Wahlkreisbewerberin verzichtet. Dass sie dennoch einen Spitzenplatz auf der Liste erhielt, sorgte bei vielen Parteitagsdelegierten für Befremden, weil damit gegen das ungeschriebene Gesetz verstoßen wurde, dass nur Kandidaten mit eigenem Wahlkreis auf vorderen Plätzen rangieren sollten.

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