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Frankfurter Altstadt : Abraham und Anna sind zurück

  • -Aktualisiert am

Anfang 2018 soll der Innenausbau der Goldenen Waage fertig sein

Von Hamel war ein reformierter Gewürzhändler und hatte als Glaubensflüchtling aus den katholischen Niederlanden in der toleranten Messestadt Frankfurt Schutz gefunden. In der Goldenen Waage bot er Gewürze, Farben und Süßigkeiten an, in einer offenen Kaufhalle im Erdgeschoss unter einer gut fünf Meter hohen Decke. Statt Fenster hatte sie Klappläden aus Holz. Wenn die Rekonstruktion fertig ist, sollen dort ein Café und eine kleine Konditorei einziehen. Die Goldene Waage besteht eigentlich aus drei Gebäuden: dem Vorderhaus mit der Schmalseite am Krönungsweg und der breiten Front zum kleinen Platz vor dem Dom, einem Treppenturm und einem Hinterhaus. Das Erdgeschoss war einst aus Sandstein gemauert. Die tragenden Wände entstehen nun aus Beton und werden mit alten und neuen Stein-Elementen verkleidet, getreu dem alten Bild. Beton und Mauerwerk sind zu 90 Prozent vollendet. Darüber werden die oberen Geschosse aus Fachwerk gezimmert. Die Eichenholzbalken aus einem alten Gebäude lagern in Lemgo und werden demnächst nach Frankfurt gebracht und aufgeschlagen.

Jourdan ist eine Art wandelndes Lexikon der Baugeschichte. Wer mit ihm über die Baustelle geht, lernt allerhand über Ornamentik. Das Allianzwappen der Familie Abraham van Hamel prangt mittig über dem Türstoß der Eingangpforte, es wird geschmückt von einem Hammelkopf und wurde von den Steinmetzen in Bamberg neu gefertigt. Die Bögen über Tür und Fenster sind reich verziert. Jourdan führt ein in die Fachsprache der Zierformen und referiert über Astragal, Zahnleiste und Eierstab. Auch einige Löwenköpfe über den Fensterbögen haben 400 Jahre überstanden. Sie wurden einst zur Abschreckung böser Geister verwendet und werden auch künftig wieder in der Goldenen Waage ihre Pflicht tun.

„Die Menschen werden erstaunt sein, welche Qualität das alte Frankfurt hatte“

Auch im Inneren des Hauses, dessen Bau der Dom-Römer GmbH zufolge fünf bis sieben Millionen Euro kosten soll, wird nicht an der falschen Stelle gespart. Im Treppenturm führen 70 Sandsteinstufen in die oberen Etagen. Auch er ist mit vielen Voluten verziert, die 24. Stufe schmückt eine Eidechse. Einige Teile sind im Original erhalten und wurden schon eingebaut. „Es ist ein wahres Kunstwerk, wie diese Spindel nach oben läuft“, sagt Jourdan und steigt behende nach oben. Die Stuckdecke des großen Saals im ersten Obergeschoss muss sich der Betrachter noch dazudenken. Erst Anfang 2018 soll der Innenausbau der Goldenen Waage fertig sein. Auch alte Delfter Fliesen werden in den Räumen wiederverwendet. Vier Original-Gitter aus dem Depot des Historischen Museums werden ebenfalls wieder in der Fassade eingebaut. Wenn die Goldene Waage fertig ist, wird sie ein begehbares Museum sein. Auch ein Musikzimmer und ein Schreibzimmer werden eingerichtet. Auf dem Dach des Hinterhauses wird auch der historische Dachgarten, das „Belvederchen“, wieder hergerichtet.

„Das wird ein Aha-Erlebnis.“

Von dort fällt der Blick auf die Giebellandschaft der Altstadt. Aus dem Erdgeschoss des Hinterhauses ist der Archäologische Garten zu sehen, der unter dem schwebenden Saal des benachbarten Stadthauses wie ein Freilichtmuseum liegt. Denkmalschützer der Stadt sind dort mit den letzten Untersuchungen beschäftigt. Für den Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Die Grünen), der gestern die Altstadtbaustelle besucht hat, leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur. „Architektur ist ein Medium, um Erinnerung zu bewahren und Geschichte erfahrbar zu machen“, sagt er.

Die Goldene Waage ist dafür das beste Beispiel. Jourdan, der in seinem langen Berufsleben schon viele Baudenkmale restauriert hat, kann auf 50 Jahre Erfahrung zurückgreifen. Aber die Goldene Waage ist für ihn eines der faszinierendsten Projekte, die man bearbeiten könne. Der Eröffnung der Altstadt 2018 blickt der Architekt gespannt entgegen. „Die Menschen werden erstaunt sein, welche Qualität das alte Frankfurt hatte“, sagt er. „Das wird ein Aha-Erlebnis.“

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