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Wiederansiedlung : Ein weiter Weg für den Schwarzbach-Lachs

  • -Aktualisiert am

Abreise: Regierungspräsident Johannes Baron (links) lässt junge Lachse im Schwarzbach frei. Bild: Sick, Cornelia

Wetterkapriolen, Staustufen und norwegische Fischereikähne erschweren die Rückkehr des einstigen „Brotfischs“.

          Mindestens einer ist nach vier Jahren zurückgekommen. In der bei Mainz-Kostheim aufgestellten Reuse hat sich der ein Meter lange Lachs auf seinem langen Rückweg vom Ozean vor Grönland in sein Laichgebiet am Hofheimer Schwarzbach verfangen. Es ist ein hoffnungsfroher Anfang für eine langwierige Aufgabe: die Wiederansiedlung des einstigen „Brotfischs“ in heimischen Gewässern. 20000 „Sommerlinge“, etwa fünf bis acht Zentimeter lange Exemplare, sind gestern unter Mithilfe der Anglervereine durch die Obere Fischereibehörde entlang eines 14 Kilometer langen Flusskorridors ausgesetzt worden. Es ist ein Vorgang, der sich am Schwarzbach seit 2009 jährlich wiederholt und laut Regierungspräsident Johannes Baron (FDP) wichtig ist für die Wiederansiedlung des Fischs.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Erst wenn wieder wie noch in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Hunderttausende von Lachsen in Rhein und Main schwämmen, sei der Wandel geschafft, sagte Christian Köhler, Chef der Oberen Fischereibehörde. Dann habe sich die „Kloake Rhein“ wieder in einen sauberen Strom gewandelt. Die Lachspopulation sei der beste Indikator für einen guten ökologischen Zustand der Gewässer. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es für das europaweit geförderte Projekt „Rhein 2020“ noch viel Geduld. Die Wiederansiedelung der Lachse finanziert das Regierungspräsidium jährlich mit 20000 bis 30000 Euro für den Kauf der Jungfische. Weitere 80000 Euro kamen im vergangenen Jahr für den barrierefreien Umbau des Wehrs an der Obermühle hinzu.

          Ansiedlung im Schwarzbach schwierig

          Erfolge wie an der Wisper im Rheingau-Taunus-Kreis, wo seit 1997 Lachse ausgesetzt werden, kann das vergleichsweise junge Schwarzbachprojekt noch nicht vorweisen. Wenn die gestern ausgesetzten Fische in ein bis zwei Jahren ihren Weg ins offene Meer suchten, müssten sie mit Staustufen, widrigen Wetterumständen wie langen Trockenperioden oder Hochwasserereignissen oder den natürlichen Feinden zahlreiche Schwierigkeiten überwinden, berichtete der Lachsexperte Jörg Schneider. Das Wiederansiedlungsprojekt sei von hoher Komplexität. Eineinhalb Jahre dauerten allein die Voruntersuchungen, bis der Schwarzbach als geeignetes Gewässer ausgedeutet war.

          Es folgte laut Schneider die Suche nach dem Lachs, der am besten zum Schwarzbach und Rhein passe. Ein südschwedischer Lachsstamm, der nächstgelegene zum Rhein, habe sich als genetisch geeignet erwiesen. Längst handelt es sich aber bei den ausgesetzten Jungfischen um Nachkommen aus dem Meer zurückkehrender Elterntiere aus schon älteren Projekten in Rheinland-Pfalz und Hessen, die vom Ei bis zur Besetzgröße im Lachszentrum Haspertal in Nordrhein-Westfalen aufgezogen würden, berichtete er. Dieser Lachs laiche am 15.November, was Schneider als besonders günstiges Datum nannte.

          Rückkehrquote unter einem Prozent

          Denn die jungen Lachse, so der Experte, würden nicht, wie oftmals angenommen, mit ihrer Geburt, sondern erst über den Geruchssinn und beim Fressen für ihr Heimatgewässer geprägt und hätten dann den Drang, zum Laichen wieder nach vier Jahren zurückzukehren. Im Rhein benötigten sie dann nur wenige Moleküle ihres Heimatgewässers, um den Schwarzbach sofort zu erkennen.

          Aber die Hindernisse auf dem langen Weg, der einen Lachs manchmal bis Grönland führe, seien enorm und die Gefahren groß. Da landen viele der Fische als Beifang im Netz norwegische Fischer, erschweren allein vier Staustufen am Main und kleinere Wehre den ungehinderten Fluss zum Meer. Derzeit liege die Rückkehrerquote noch unter einem Prozent. Aber schließlich handele es sich bei dem Projekt auch ein Stück weit „um Evolution“, so Schneider.

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