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Bandenkriminalität : Wieder Schüsse im Allerheiligenviertel

Das Allerheiligenviertel in der Frankfurter Innenstadt gilt als Drogenumschlagplatz. Bild: Klenner, Maria

Abermals wurde im Allerheiligenviertel geschossen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass auch diese Tat mit dem Verteilungskampf zweier Gruppierungen um Drogen zusammenhängt, wäre das eine weitere Stufe der Eskalation.

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          Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate sind an der Allerheiligenstraße in der Frankfurter Innenstadt Schüsse gefallen. Wie die Polizei mitteilte, wurde in der Nacht zum Montag ein 23 Jahre alter Mann schwer verletzt. Er wurde durch eine Kugel am Bein getroffen. Dem Vernehmen nach ereignete sich die Tat vor einer Shisha-Bar. Wie auch bei der ersten Schießerei Ende Januar hatten Anwohner die Auseinandersetzung  mitbekommen und die Polizei gerufen. Die Ermittlungen, sagte ein Sprecher am Montagmorgen, liefen noch in der Nacht „auf Hochdruck“ an.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Polizei gibt den Ermittlungen auch deshalb eine so hohe Priorität, weil die Tat möglicherweise mit der Fehde zweier Gruppierungen zusammenhängt, die sich seit Januar dieses Jahres in dem Viertel einen Verteilungskampf rund um den Handel mit Drogen liefern. Mutmaßlich sollen auch andere Geschäftsfelder betroffen sein. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt sagte am Montag, derzeit seien die Hintergründe der Schießerei noch unklar. Es würden aber Zusammenhänge mit den vorangegangenen Straftaten im Bereich der Milieukriminalität unter Beteiligung beider Gruppierungen geprüft.

          Weitere Eskalation der Gewalt?

          Sollte die Tat mit den versuchten Tötungsdelikten zu tun haben, die es zwischen Beteiligten beider Gruppen bereits im Januar und im März gegeben hat, so wäre dies eine weitere Eskalation der Gewalt. Offiziell spricht die Polizei nicht von „Clan-Kriminalität“, jedoch nimmt es immer mehr die Züge einer solchen an. Nach Informationen dieser Zeitung sollen mehrere Personen der einen Gruppierungen zu einem Familienverbund gehören. Die Ermittlungen in diesem Komplex sind in der Abteilung für Organisierte Kriminalität anhängig.

          Schon im Januar fielen im Allerheiligenviertel Schüsse.
          Schon im Januar fielen im Allerheiligenviertel Schüsse. : Bild: Lucas Bäuml

          Die Schießerei im Januar galt damals als erste sichtbare Machtdemonstration in dem Viertel, das vor allem aus Wohnhäusern besteht; aber auch Bars, Imbissläden und Rotlichtbetriebe sind dort untergebracht. Als Drogenumschlagplatz gilt das Viertel schon seit Jahren. Anwohner hatten nach der ersten Schießerei berichtet, sie wunderten sich nicht, dass es zu dieser Gewalt in dem Viertel gekommen sei. Schon lange sei zu beobachten, dass es kleinere Auseinandersetzungen zwischen Personen auf der Straße gebe, die dort nicht wohnten, aber regelmäßig mit Autos vorführen und offenbar Geschäften nachgingen. Inzwischen nicht mehr auf offener Straße, aber in den Hinterhöfen. Diese Hinweise seien auch der Polizei mitgeteilt worden.

          Ermittlungen gegen mehrere Personen

          In jener Nacht im Januar waren es rund zwanzig Personen, die einen Kiosk überfielen, in dem sich Mitglieder der verfeindeten Gruppierung aufhielten. Die teils vermummten Männer gaben mehrere Schüsse ab. Ein Mann wurde verletzt. Achtzehn Tatverdächtige ermittelte später die Polizei. Gegen sie wird wegen des Verdachts des besonders schweren Landfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Der jüngste Beschuldigte ist 14 Jahre alt. Er soll mit einem der älteren Beschuldigten verwandt sein. Fünf der Männer sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. Die Beamten hatten im Nachgang die Wohnungen von einem 29 und einem 33 Jahre alten Beschuldigten durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt teilte zum Zeitpunkt der Festnahmen die Staatsangehörigkeiten der Beschuldigten mit. Demnach handelt es sich um Deutsche, Afghanen, Türken, Kosovaren, Serben, Griechen und Iraner. Dem Vernehmen nach eint diese Gruppe unter anderem der Handel mit Drogen, aber auch auf anderen Geschäftsfeldern seien sie aktiv, wie es heißt. Die gegnerische Gruppierung soll vor allem aus Personen türkischer Herkunft bestehen.

          Wie groß das Ausmaß ist, das die Ermittler als „Hintergrundrauschen“ wahrnehmen, zeigte sich zwei Monate nach der Schießerei im Januar – zu einem Zeitpunkt, als die damals angegriffene Gruppierung offenbar beschloss, sich für die Schüsse vor dem Kiosk zu rächen. Am frühen Morgen des 2. März passten mehrere Angreifer einen 38 Jahre alten Mann um 1.35 Uhr vor seinem Haus im Stadtteil Gallus ab. Sie prügelten mit Totschlägern und einem Baseballschläger auf ihr Opfer ein. Dann rammten sie ihm ein Messer in den Oberschenkel, dass die Klinge eine Arterie verletzte und der Mann fast verblutete. Spätestens damals hatten sich die Ermittler gefragt: Wann geschieht wohl die nächste Tat?

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