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O Tannenbaum: In der Vorweihnachtszeit verspüren Menschen die Lust am Singen. Bild: Klein, Nora

Ode an die Freude : So motivieren Sie sich zum Singen von Weihnachtsliedern

O du fröhliche – die Vorweihnachtszeit ist die Zeit der Lieder. Die Lust am Singen füllt immer mehr Kirchen, Plätze, Theater und nun auch einen Nachtclub.

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          In den beiden vergangenen Jahren war das „Weihnachtsliederauffrischungsseminar“ im kleinen Kammerspielsaal des Frankfurter Schauspielhauses innerhalb von Minuten ausverkauft. Und auch bei der dritten Auflage in diesem Jahr hat es kaum länger gedauert, bis der letzte der fast 700 Plätze im großen Saal vergeben war. Das Angebot für den 5. Dezember mit dem Untertitel „Gemeinsam angstfrei singen unter fachkundiger Anleitung“ trifft offensichtlich auf eine immense Nachfrage.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Christina Lutz, die die Veranstaltung beim Schauspiel betreut, sagt, der Advent sei einfach eine Zeit, die die Lust am Singen befördere. Goutiert werde aber wohl auch, dass es einen Chor gebe und das Kontrast-Trio mit Bass, Keyboard und Schlagzeug dafür sorge, dass manches Lied einen ganz anderen Klang bekomme, so wie „Lasst und froh und munter sein“ in einer modernen Fassung. „Wir haben auch schon ,O Tannenbaum‘ in einer Jazz-Version und ,Ich steh an meiner Krippe hier‘ im Stil von Johnny Cash gesungen.“

          Lutz sieht den Grund für die Beliebtheit des Angebots unter anderem darin, dass das Schauspiel ein neutraler Ort ist. Dort könnten auch jene, die keiner Kirche angehörten in die traditionellen Lieder einstimmen. Zum Erfolg trage auch bei, dass es dort nicht nur besinnlich zugehe, sondern durchweg beschwingt und fröhlich, wenngleich auch ein Bach-Choral zum Programm gehöre.

          Singen ist gut für die Gesundheit

          „Die Menschen kommen anders heraus, als sie hineingegangen sind“, beschreibt Georg Feils den Effekt. Der Liedermacher, der vielen als „Ferri“ und Organisator des Kinderliedermacherfestivals bekannt ist, tourt schon seit 2013 mit dem „Offenen Singen“, war schon im Holzhausenschlösschen und in der Naxoshalle zu Gast und hat vor einigen Tagen zusammen mit Uli Mangel am Keyboard und Sängerin Marisa Blasco im Kunstverein Familie Montez wieder erlebt, was er „Magie“ nennt.

          Dass Singen gut für die Seele und die Gesundheit ist, weiß nicht nur der Volksmund, dazu gibt es inzwischen diverse wissenschaftliche Studien. Doch offenbar sind sogenannte niederschwellige Angebote besonders geeignet, um Menschen zum Singen zu bringen. In den Kirchen bleiben viele stumm, weil Melodie und Texte ihnen zu kompliziert sind, und einem Chor mit regelmäßigen Probenverpflichtungen wollen sich auch nur sehr Engagierte anschließen. Und solche, die wöchentliche Treffen mit Arbeits- und Familienzeiten vereinbaren können. Den weniger Talentierten bleibt oft nur das verschämte Trällern unter der Dusche, das Mitgröhlen der Fangesänge im Stadion oder das Summen vor dem Radio.

          Uli Mangel (vorne) und Georg Feils beim „Offenen Singen“ in der Naxoshalle
          Uli Mangel (vorne) und Georg Feils beim „Offenen Singen“ in der Naxoshalle : Bild: Magel

          Menschen zum Mitsingen zu motivieren ist nicht neu, es gehörte schon zum Erfolgsrezept der Fischer-Chöre, dass das Publikum einstimmen durfte. Beim „Offenen Singen“ von Feils und Mangel wie bei den inzwischen zunehmenden ähnlichen Angeboten dagegen lautet die Devise „150 Lieder in 150 Tonarten“. Anspruchslos sind die Veranstaltungen – die nächste gibt es am 14. Dezember um 18 Uhr bei Montez – aber nicht. Dafür sind die Teilnehmer experimentierfreudig. „Wir singen zum Beispiel nach Bildern, da heißt es Bild anschauen, einatmen, Ton geben“, so entstünden interessante Klangbilder.

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