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Wie sich Kinos behaupten : Weißwein und neue Sessel gegen die Konkurrenz

Tochter der Frankfurter Kino-Königin

Gabriele Jaeger, die vor gut 17 Jahren als Quereinsteigerin zum Kino kam, weil ihre Schwiegermutter, die einstige Frankfurter Kino-Königin Liselotte Jaeger, gestorben war und die Familie deren Werk erhalten wollte, hat eben den größten Saal ihrer E-Kinos an der Hauptwache renoviert. Mehr Beinfreiheit und veränderte Sichtachsen, mit 388 Plätzen sind es nun eine Handvoll weniger als zuvor, sorgen für ein schöneres Kinoerlebnis, im Lauf der vergangenen Jahre ist nach und nach das gesamte Haus mit seinen acht Sälen und 1300 Plätzen überarbeitet worden. Auch nach innen hat sie renoviert. Grusel- und Horrorfilme vermeidet Jaeger im Programm bewusst, weil sie die E-Kinos als familienfreundliches Haus mit einem zugewandten Image aufstellen will.

Auf ihre freundlichen Mitarbeiter und die Atmosphäre in ihrem Kino sei sie „ein bisschen stolz“, sagt Jaeger. Mittlerweile gebe es Stammkunden, die ihre Kinder auch mal allein in eine Nachmittagsvorstellung setzten und währenddessen einkaufen gingen – wohl wissend, dass das Kinoteam ein Auge auf die jüngeren Besucher hat und auch während der Vorstellung immer mal wieder in die Säle schaut.

Familiäre Atmosphäre: Gabriele Jaeger im Europa Saal der E-Kinos

„Es ist uns als Familienbetrieb eine Herzensangelegenheit, dass das Kino ein bezahlbares Vergnügen bleibt“, sagt Jaeger, gerade für Familien müsse ein gemeinsamer Besuch möglich sein. Auch Kita- und Schulvorstellungen zu besonders günstigen Preisen sind mittlerweile eine Spezialität des Hauses geworden. Das kann Jaeger sich erlauben, weil der Familie die Immobilie an der Hauptwache, die zum Teil auch als Gewerbefläche verpachtet ist, gehört. Mittlerweile hat das Haus eine völlig neue Anmutung, das Prachtstück, für besondere Events genutzt, ist der Autogrammsaal im ersten Obergeschoss, an dessen Wänden sich seit den fünfziger Jahren die Stars des internationalen Kinos bei ihren Frankfurt-Premieren verewigt haben. Auf den Kristallüster und ein wenig Retrocharme in den kleinere Sälen des Hauses will Jaeger aber nicht verzichten – das komme auch bei den Kunden gut an.

Traditionskinos Cinema und Harmonie

Der Jüngste im Bunde der Frankfurter Kinobetreiber, die untereinander, wie sie versichern, einen guten Kontakt pflegen, ist Christopher Bausch. Erst 42 Jahre alt ist er und schon seit 15 Jahren sein eigener Herr: Damals hat er das lange Jahre leerstehende historische Kino Casino in Aschaffenburg renoviert und samt Café zu einem Programmkino umgebaut. Seit Anfang 2016 funktioniert das Prinzip auch in Frankfurt. Von Harald Vogel hat Bausch die Traditionskinos Cinema und Harmonie in Sachsenhausen übernommen, seither sind auch die nahezu komplett umgekrempelt worden.

„Wir lernen von der Gastronomie“: Christopher Bausch, Harmonie

„Wenn ein Haus individuell und persönlich geführt wird und gut in der Stadt verwurzelt ist, funktioniert ein Standort“, sagt Bausch. Arthouse-Kinos wie seine bildeten eine Nische, mit etwa 15 bis 20 Prozent Anteil am Gesamtmarkt, sagt Bausch. „Wir lernen von der Gastronomie. Gute Gastgeber zu sein ist immens wichtig“, meint Bausch. Dazu gehöre auch, das eigene Publikum zu kennen. „Wir glauben, dass Kino mehr ist, als einen Film abzuspielen“, sagt er. Mit dieser Ansicht ist er in Frankfurt noch nie allein gewesen – aber mit der neuen Astor Kinolounge im Einkaufszentrum My Zeil kommt ein Konkurrent dazu. Kein Kaufmann sei glücklich über fünf neue Leinwände in einer Stadt, gibt Bausch zu – unruhig aber ist er wegen des neuen Angebots nicht. Eine Aussage, die seine Mitanbieter teilen: Das Zielpublikum sei, auch aufgrund der Preise, in beiden Häusern ein anderes. Zwischen elf und 17,50 Euro kosten die Tickets in der Astor Filmlounge, in den E-Kino zwischen sechs und 9,50 Euro, im Cinema um die zehn Euro.

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