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Historischer Blick auf Mainz : Festung ohne Fortune

Die Soldaten der Völkerschlacht von Leipzig werden von Typhus heimgesucht. (Archivbild) Bild: Stadtarchiv Mainz

Schon zu Zeiten der Römer war Mainz ein Militärstandort – und blieb es über Jahrhunderte. Das bescherte der Stadt am Rhein unter anderem Explosionen und eine Typhus-Epidemie.

          Das vor einem halben Jahr entdeckte Massengrab, das bei Bauarbeiten auf dem Gelände der Schützengesellschaft am Fort Gonsenheim freigelegt wurde, hat den Mainzern in Erinnerung gerufen, dass sie in einer ehemaligen Festungsstadt leben: „Der Bewohner von Mainz darf sich nicht verbergen, dass er für ewige Zeiten einen Kriegsposten bewohnt“, meinte Johann Wolfgang von Goethe, der als Kriegsbeobachter 1793 die Belagerung und Eroberung der bis dahin von französischen Revolutionstruppen gehaltenen Stadt miterlebte. Die Bombardierung von Mainz, verbunden mit einem verheerenden Dom-Brand, gehört ebenso wie die 1857 ausgelöste Explosion des Pulverturms zu den überlieferten Großkatastrophen in der Geschichte des Militärstandorts, der schon um 13 vor Christus von den Römern als Legionslager auserkoren worden war.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Auch auf die im Münchfeld vor gut 200 Jahren vergrabenen toten Soldaten, die dort offenbar schichtweise und wohlgeordnet ins Erdreich gelegt wurden, lassen sich in den Archiven Hinweise finden. Zum Beispiel in dem 1913 erschienenen Standardwerk „Mainz als Festung und Garnison“ von Alfred Börckel, das, modern gestaltet und um etliche Bilder, Pläne und Zeichnungen ergänzt, in einer überschaubaren Auflage gerade neu herausgegeben worden ist.

          Zufällige Öffnung eines Massengrabes

          Dem ursprünglich vom Mainzer J. Diemer Verlag publizierten Band ist zu entnehmen, dass die in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagene französische Armee seinerzeit für eine „Typhus de Mayence“ genannte Epidemie mit mehreren tausend Opfern gesorgt habe, von der Soldaten und Zivilisten gleichermaßen dahingerafft worden seien. Massengräber, wie das Ende 2018 zufällig geöffnete, waren das Einzige, was man auf die Schnelle habe tun können. „In einer Stadt voll Schmutz und Leichen. Überall war die Luft verpestet. Und in einem einzigen Spital, der Douane, starben an einem Tag 300 Soldaten“, heißt es dazu „im Börckel“.

          Weil Börckel die Geschichte ihrer Meinung nach unvergleichlich gut und präzise gemacht hat, entschlossen sich Diether Degreif und Werner Winter, eine Wiederauflage des Werks zu wagen. Der von der Winter Publishing Company in Heusenstamm geschaffene „Nachfolger“, von dem 500 großformatige Exemplare gedruckt wurden, ist unter dem Titel „Kampf um Mainz. 1620–1860“ und für 49 Euro im Buchhandel zu erwerben. Der in Antiquariaten gelegentlich noch zu findende Original-Börckel soll teurer sein, obwohl er weniger Abbildungen enthält.

          Unstrittig ist, dass die Geschichte der Festungsstadt untrennbar mit der Zitadelle und dem schier unendlichen Ausbau der Forts und Bastionen sowie vorgelagerter Befestigungsanlagen zusammenhängt. Die allerdings, weil es wechselweise an Geld und Soldaten fehlte, meist recht schnell aufgegeben wurden, wenn der nächste Gegner vor den Toren der Stadt stand.

          An diesem  Sonntag kann das Festungsgelände auf dem Jakobsberg übrigens bei einem Tag der offenen Tür unter dem Motto „Idyll im April“ von interessierten Besuchern inspiziert werden. Bei freiem Eintritt stehen von 11 bis 18 Uhr mehrere Rundgänge auf dem Programm: zum Römischen Bühnentheater, ins Garnisonsmuseum und das Stadthistorische Museum oder auch an andere Orte der Zitadelle.

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