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In Zeiten vom Home-Office : Der Wandel hat erst begonnen

  • -Aktualisiert am

Change-Management: Die drei Geschäftsführer der Firma Trainaas Bild: Maximilian von Lachner

Männern gefällt Homeoffice offenbar weniger als Frauen. Sie sind nicht die Einzigen, die sich noch umstellen müssen.

          3 Min.

          Frauen kommen mit dem Homeoffice offenbar besser zurecht als Männer. Das ist eines der ersten Ergebnisse einer Umfrage zum Arbeiten im Homeoffice des mittelhessischen Personal- und Organisationsentwicklers Trainaas in Zusammenarbeit mit Michael Döring, Dozent an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen. Ausgewertet wurden bisher 130 Fragebögen, die bis zum 10. Mai eingingen. Um eine breite Datenbasis zu schaffen, läuft die Aktion weiter, vor allem in den sozialen Medien. Die übergeordnete Frage lautet: Was macht Corona mit dem Arbeitsplatz? Ziel ist die Etablierung eines Awards Best-of-Homeoffice ähnlich dem Great-Place-to-Work.

          Ihre Zufriedenheit mit der Umstellung auf Homeoffice stuften Frauen auf einer Skala von eins bis sieben als Bestwert durchschnittlich mit 5,3 ein, Männer mit 4,5. „Das ist ein deutlicher Unterschied“, sagt Döring, der die Daten analysiert. Der Dozent verfügt über langjährige Erfahrung mit Umfragen. Auch in der Einschätzung der eigenen Effizienz im Homeoffice liegen Frauen mit 5,7 gegenüber Männern mit 5,1 vorn.

          Außerdem zeigt sich, dass Teilnehmer im Alter von 50 Jahren und älter ihre Effizienz sowohl im Homeoffice als auch außerhalb am höchsten einschätzen. Schlusslicht sind Personen zwischen 20 und 29 Jahren. Die beiden Trainaas-Geschäftsführer Christoph Seipp und Simon Homberg sehen das als Beleg für die Verunsicherung einer ganzen Generation.

          „Wir fragen nach Erfahrungen, nicht nach dem Warum“

          Bezüglich der Effizienz des Arbeitens gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Büro und dem Wohnzimmer zu Hause. Beides bewerteten die Befragten mit 5,4. Die Dinge lassen sich also zu Hause ebenso gut erledigen. Digitale Meetings empfindet eine klare Mehrheit als deutlich produktiver als ihr analoges Pendant. Negativ zu Buche schlägt dagegen eindeutig die fehlende soziale Komponente.

          „Die Stoßrichtung der Umfrage ist betriebswirtschaftlich, nicht soziologisch. Wir fragen nach Erfahrungen, nicht nach dem Warum“, sagt Döring. „Aspekte wie Selbstausbeutung sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie lassen wir außen vor.“ Die Teilnehmer kommen aus vielen Branchen, sind zwischen 20 und 60 Jahre alt, Frauen und Männer sind gleich vertreten. 71 Prozent arbeiten zurzeit gezwungenermaßen im Homeoffice.

          „130 Fragebögen ergeben natürlich kein repräsentatives Bild“, stellt der Marktforschungsexperte klar. Im nächsten Schritt würden qualitative Daten erhoben, mittlerweile lägen 200 ausgefüllte Bögen vor. Die Datensammlung könnte später auch für andere Fragestellungen genutzt werden.

          Change-Management

          Seipp und Homberg sehen durch die Umfrage Eindrücke bestätigt, die sie in ihrer täglichen Arbeit gewonnen haben. Beide unterstützen Firmen beim Übergang von analogen zu digitalen Strukturen. Change-Management lautet der Fachbegriff. Sie analysieren den Istzustand, beraten und trainieren zusammen mit einem Netzwerk freier Mitarbeiter auch die Belegschaft. Mehr als 1000 Angestellte binnen einer Woche zu schulen war der bisher größte Auftrag.

          Laut der beiden Trainaas-Geschäftsführer müssen vor allem die Führungskräfte bei der Arbeit im Homeoffice umdenken. Mangel an Teamgeist, Führung und Feedback seien die drei am häufigsten genannten Kritikpunkte, die letztlich über Motivation und Leistung entscheiden. Die diesbezüglichen Probleme ließen sich auch ohne physischen Kontakt bewältigen, aber eben anders als bei Präsenzpflicht im Büro. Ein Grundvertrauen sei Voraussetzung. Als Beispiel führt Seipp die Vorstandsfrau eines großen Unternehmens an, die jeden Tag Kindern von Mitarbeitern, die wegen Corona ins Homeoffice geschickt wurden, übers Internet eine halbe Stunde lang Geschichten vorliest. Sinn der Übung sei es, den Kontakt aufrechtzuerhalten, und den Angestellten ein Gefühl der Wertschätzung zu geben.

          Homberg sieht einen Trend zur Flexibilität in der Arbeitswelt. Er ist der Überzeugung, dass viele Unternehmen mittelfristig nur noch 60 bis 70 Prozent der bisherigen Büroräume vorhalten werden, weil der Anteil der Arbeit im Homeoffice rasant steigen wird. Betroffen seien natürlich nicht Kassiererinnen im Supermarkt, Pflegekräfte, Polizisten oder Feuerwehrleute. Aber in vielen Branchen würden diejenigen, die nach Corona – wann immer das sein mag – genauso weitermachen wollten wie vorher, fraglos Wettbewerbsnachteile haben und unter Umständen sogar auf der Strecke bleiben. Beständig sei nur der Wandel.

          Wer an der Umfrage teilnehmen möchte, kann dies unter der Adresse: www.trainaas.de/best-of-homeoffice tun.

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