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Becher, Tüten, Lkw-Anhänger : Millionen für Müllentsorgung an Straßen

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Kassel: Reisende gehen auf dem Tank- und Rastplatz Kassel an weggeworfenen Pappbechern und Obstresten vorbei. Bild: dpa

Die Entsorgung von Müll an Hessens Straßen kostet jedes Jahr Millionen Euro. Vor allem in den Ferien und am Ferienende steigt die Menge des illegal entsorgten Abfalls. Mitunter tauchen dabei auch kuriose Gegenstände auf.

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          Eigentlich wollte Hessen Mobil zeigen, wie vermüllt Autobahn-Rastplätze zur Ferienzeit sind. Doch stattdessen steht Wolfgang Junge, Betriebsdezernent der Straßenverwaltung in Nordhessen, am Donnerstag auf einem recht sauberen Parkplatz an der A7 bei Kassel. Das Problem: Am Wochenende habe hier so viel illegal entsorgter Müll gelegen, dass sich Autofahrer und Polizei beschwert hätten. Hessen Mobil rückte an und räumte auf. „Wir wären sonst der Menge nicht mehr Herr geworden“, sagt Junge. Denn wo viel Müll liege, werde schnell noch mehr hingeworfen.

          Neben den Rastplätzen seien es vor allem die Autobahn-Bereiche betroffen, wo langsam gefahren werde. Da werde das Fenster dann runtergekurbelt und der Müll rausgeworfen, erklärt Junge. An einer Abfahrt der A7 sind die Folgen zu sehen: Kaffeebecher, Fast-Food-Verpackungen und Plastiktüten liegen im Gras. Zum Ferienende rechnet Hessen Mobil wieder mit besonders hohen Müllbergen.

          „20 Prozent des Budgets der Autobahnmeistereien entfällt auf die Müllentsorgung“, sagt Junge. 3,6 Millionen Euro kostete die Entsorgung Hessen Mobil im vergangenen Jahr insgesamt. Dafür geradestehen muss in der Regel der Steuerzahler. Grundsätzlich sei das Müll-Problem in Südhessen größer als in Nordhessen - wegen des höheren Verkehrsaufkommens.

          Tonnenweise Müll

          Knapp 10.000 Tonnen illegal entsorgten Müll ließ Hessen Mobil im vergangenen Jahr aufsammeln. Für knapp 13.000 Straßenkilometer ist die Behörde zuständig. Doch nur ein Drittel des Abfalls liegt am Straßenrand, zwei Drittel werden auf Park- und Rastplätzen eingesammelt. Die gesamte Abfallmenge bleibt laut der Straßenverwaltung seit Jahren gleich hoch. Meist sammeln beauftragte Fremdfirmen den Müll auf.

          Die Bandbreite des Abfalls reiche von leeren Verpackungen bis zu Sonder- und Sperrmüll. Auch kuriose Gegenstände können darunter sein. Gefunden worden sei beispielsweise schon einmal eine Mörsergranate auf einem Rastplatz. Geldbörsen sind öfters dabei - meist leer. Es komme auch immer wieder vor, dass alte Autos auf Rastplätzen entsorgt würden.

          Auf dem Parkplatz an der A7 steht beispielsweise seit einem Jahr ein Lastwagenanhänger - beladen mit zwei weiteren Lkw-Anhängern. Die Beseitigung ist langwierig. Es sei nicht so einfach, illegal gelagerte Fahrzeuge zu entsorgen. Die Kosten für die Beseitigung der Anhänger werden auf 10.000 Euro geschätzt. Der ausländische Besitzer sei bekannt. Ob man am Ende das Geld von ihm zurückbekommen, sei aber ungewiss.

          Dabei können sich Müllsünder in Hessen nicht mit dem Verweis auf mangelnde Entsorgungsmöglichkeiten herausreden. Auch der ADAC Hessen-Thüringen hält den Abfall an Straßen vor allem für ein „gesellschaftliches Problem“. „Die Versorgung mit Müllcontainern ist ausreichend“, sagt Oliver Reidegeld, Sprecher des Automobilclubs. Die Leute seien zu träge oder zu faul, Müll korrekt zu entsorgen. Und selbst wenn ein Rastplatz am Ferienende überfüllt sei, dürfe man Müll nicht einfach ins Gebüsch werfen.

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